einmal durch die hölle und zurückOT: Wild Thing

Taschenbuch: 496 Seiten
Verlag: S. Fischer Verlage

Mehr zum Buch auf der Verlagshomepage

Pietro Brwna-Reihe, Band 2

Klappentext:

>Schneller als der Tod< von Josh Bazell war 2010 ein weltweit gefeierter Bestseller.

Jetzt zieht Bazell erneut alle Register: Nachdem ihm die Flucht vor den Mobstern aus Manhattan gelang, arbeitet Ex-Auftragskiller Pietro unter einem Decknamen als Schiffsarzt auf einem Luxus-Kreuzfahrer. Doch dann erhält er über einen alten Bekannten ein verlockendes Angebot: für einen mysteriösen Milliardär soll er überprüfen, ob dieser einem Schwindler aufgesessen ist. Zusammen mit der überaus attraktiven Paläontologin Violet macht sich Pietro auf die Suche nach der Wahrheit – und landet mitten in einem Inferno aus Wahnsinn und Gewalt…

Kritik:

Mit „Schneller als der Tod“ hat Josh Bazell ein lesenswertes Debüt abgeliefert, welches durch eine gesunde Mischung aus Thrill, Härte und Humor zu überzeugen wusste und ihm im Jahr 2010 unter anderem den Deutschen Krimipreis einbrachte. Gute Voraussetzungen also für den Nachfolger, schließlich ist mit dem ehemaligen Ex-Auftragskiller Pietro wieder die gleiche Hauptfigur am Start.

Allerdings macht sich dann auch schnell Ernüchterung breit. „Einmal durch die Hölle und zurück“ startet recht langatmig… und bleibt es dann eine ganze Weile auch. Leider entwickelt sich, anders als noch im Vorgänger, kein schnell ansteigender Spannungsbogen, wodurch man immer mal wieder das Verlangen spürt, das Buch zur Seite zu legen und sich mit etwas unterhaltsameren zu beschäftigen. Die Fasern der Tapete zählen zum Beispiel. Erst ab etwa Seite 200 kommt die Geschichte dann etwas in Schwung und bietet somit ab der Hälfte doch noch so etwas wie spannende Unterhaltung, wenn auch immer noch nicht auf Höchstniveau. Die Geschichte. Das wäre dann auch gleich der nächste Knackpunkt. Sie wirkt dermaßen konstruiert und an den Haaren herbei gezogen, dass man sich allen Ernstes fragen muss, ob das Bazells Ernst ist. Wo Band eins noch eine interessante und spannende Hunter-hunted-Story gewesen ist, hat man es hier mit einer recht bizarren Abwandlung der Loch Ness-Geschichte zu tun, die auf ein echtes Finale verzichtet und dem Leser stattdessen eine ebenso an den Haaren herbei gezogene Wendung serviert, die schlicht und einfach zu einem Kopfschütteln animiert. Und zu nichts anderem.

Die Figuren wussten hingegen über weite Strecken zu gefallen. Kenner des ersten Teils wissen natürlich, mit welcher Art Mensch sie es bei Pietro zu tun haben, einem wenig empathischen, zynischen und ziemlich abgestumpften ehemaligen Auftragskiller auf der Flucht. Ein Antiheld wie er (Achtung, schlechter Wortwitz) im Buche steht. Und wie er, zumindest für mich, auch immer wieder funktioniert. Ihm wird mit Violet Hurst das genaue Gegenteil zur Seite gestellt, eine saubere Paläontologin, die im Suff (welcher öfters mal zelebriert wird) gerne mal jegliche Hemmungen vergisst. Man merkt, eine interessante und recht abgefahrene Mischung unterschiedlicher Charaktere dominiert „Einmal durch die Hölle und zurück„.

Was den Stil angeht, bin ich wieder einmal hin- und hergerissen. „Schneller als der Tod“ lebte von den genialen, äußerst amüsanten Dialogen, die hier leider nur im Ansatz das gleiche Niveau erreichen. Zwar sind die verbalen Schlagabtausche zwischen Pietro und Violet immer mal wieder der Grund für ein breites Grinsen, andererseits funktionieren aber viele der ansonsten eingestreuten Gags nicht. Bazell ist ein Freund der Fußnoten, ähnlich wie der unerreichte Terry Pratchett sie benutzte. Auch diese waren im Vorgänger klasse, auch diese sind in „Einmal durch die Hölle und zurück“ leider weit hinter dessen Niveau. Zwar gibt es hier auch die eine oder andere gelungene Passage, aber in der Gesamtheit ist das leider nicht genug gewesen, um überzeugend zu sein. Am lesenswertesten ist da beinahe schon das äußerst umfangreiche Nachwort des Autoren, in dem die (im ganzen Buch immer wieder durchschimmernde) Abneigung gegen christliche Evolutionsgegner und republikanische Dumpfbacken ihren Höhepunkt erreicht. Davon ab ist Bazells Schreibweise eingängig und gut zu lesen. Leider fällt es in diesem Fall sehr schwer zu sagen, ob ein Großteil der Probleme vielleicht in der Übersetzung zu suchen ist. Wie meistens bei humoristischen Werken.

Fazit:

4Einmal durch die Hölle und zurück“ von Josh Bazell mag kein totaler Reinfall sein, kann aber in seiner Gesamtheit die großen Erwartungen, die ich nach dem großartigen „Schneller als der Tod“ hatte, nicht erfüllen. Zu lang die Anlaufstrecke, die sich der Autor nimmt, um die Story endlich in Gang zu bringen, zu lahm der Humor, der den ersten Band ausgezeichnet hat und zu unglaubwürdig die Geschichte selbst. Zwar sind da noch die gelungenen Charaktere und ihre doch hin und wieder amüsanten Wortgefechte, doch das reicht leider nicht aus, um dem Buch eine Empfehlung aussprechen zu können. Schwach.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

Letzte Artikel von Sebastian (Alle anzeigen)