drive-inOT: Drive-In I – III

Taschenbuch: 736 Seiten
Verlag: Heyne Hardcore

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Sammelband, 3 Romane

Inhaltszusammenfassung:

Texas, Blut und Popcorn

Stellt euch ein Autokino vor, das groß genug ist, viertausend Autos zu fassen. Dann habt ihr eine Idee vom Orbit, dem größten Drive-in von Texas. Jeden Freitag gibt es dort die All-Night-Horror-Show. Genau hier sind wir jetzt, alles ist perfekt. Aber plötzlich taucht aus dem Nichts dieser blutrote Komet auf. Schlagartig ist das Orbit von der Außenwelt isoliert, eingeschlossen von einer tödlichen Leere. Es gibt kein Entrinnen. Die Nahrungsmittel werden knapp. Erste Fälle von Totschlag und Kannibalismus treten auf. Doch das Schlimmste steht uns erst bevor …

Kritik:

Es gibt Bücher, die werden zum Kult erklärt. Und es gibt Bücher, die sind auf ihre Art und Weise Kult. Für viele Fans ist „Drive-In“ das Kultbuch, oder besser gesagt: die Kult-Trilogie, von Joe R. Lansdale. Wer die Werke des guten Mannes kennt wird wissen, dass er einen ganz eigenen und unverkennbaren Stil hat und in so ziemlich jedem Genre ohne große Schwierigkeiten Fuß fassen kann. Mit der vorliegenden Ausgabe hat der Heyne Verlag erstmals die komplette Trilogie auf Deutsch in einem Band zusammengefasst. Grund genug, sich endlich mal mit diesem vorgeblichen Kult zu beschäftigen.

Der Start ist dann direkt auch typisch Lansdale. „Drive-In“ hält sich nicht lange mit einer tiefgründigen Figurenausgestaltung auf, sondern versetzt den Leser ziemlich schnell in die Welt des namensgebenden Autokinos. Anders als in einem Großteil seiner anderen Werke geht Lansdale hier jedoch sehr bizarr und explizit zur Sache. Der Spannung tut das keinen Abbruch, jedoch sollte man keinen hochglänzenden Thriller erwarten. Der Roman ist ein fieser Horrorbastard, der eine Vorliebe dafür zu haben scheint, den Leser ganz ungeniert mit einem sehr trashigen Stiefel ins Gemächt zu treten. Vorsichtig formuliert. Interessant ist dabei zu sehen, dass der erste Band noch ein recht klassischer Horrorroman in der Machart des im Drive-In gezeigten Filme (unter anderem „The Toolbox Murders“ oder „Texas Chainsaw Massacre„) ist, während in Band 2 und 3 immer mehr Survival- und Endzeitelemente eingebracht werden. Und weitere, noch bizarrere Ideen. Wer also beim Popcorn King schon aussteigen will, sollte das vielleicht tun, denn der Autor hat noch mehr auf Lager. Freunden dieser Machart wird aber ein durchgehend spannendes Leseerlebnis mit einer ganz besonderen Atmosphäre geboten. Hier und da gibt es vielleicht mal die eine oder andere Länge, allerdings ist das bei 736 Seiten Umfang und drei Büchern, die ursprünglich nicht als Sammelband konzipiert waren und dem Leser jeweils einen Rückblick auf die vergangenen Geschehnisse ermöglichen wollen, nicht ganz vermeidbar. Das Ende (des dritten Bandes) ist übrigens ein ziemlicher Schlag ins Gesicht, der sich zwar in den letzten Kapiteln schon abzeichnet, aber über weite Strecken so nicht vorhersehbar gewesen ist. Und ja, fast schon möchte man Lansdale hier eine sehr feine philosophische Ader zusprechen.

Die Figuren sind, wie bereits eingangs erwähnt, zunächst nicht sonderlich tiefgründig ausgestaltet. Das ermöglicht es dem Leser aber, sich auf Grund ihrer Handlungen in der Geschichte immer mehr mit ihnen zu identifizieren und ihre Entwicklung in der abgefahrenen Welt des Drive-In sehr gut nachzuvollziehen. Der Fokus liegt dabei natürlich auf der Hauptfigur Jack, allerdings stellt Lansdale ihm bereits zu Beginn Gefährten zur Seite, die ihn durch weite Teile der Geschichte begleiten. Die meisten davon sind zwar irgendwie neben der Spur, haben aber einen unglaublichen Charme und wachsen dem Leser schnell ans Herz. Und ja, so manches Mal möchte man brüllen „Fick dich, Joe! Der Kerl hätte überleben MÜSSEN!“ Hier hat der Autor also zweifelsfrei alles richtig gemacht. Auch hier wird allerdings der Horror verhältnismäßig wörtlich genommen, denn „Drive-In“ geizt auch hier nicht mit sehr seltsamen Kreaturen, riesigen Fischen und Aliens. Ja. Aliens. Fiese Aliens. Aber mehr soll nicht gesagt werden, um der Story nicht zu viel von ihrem Überraschungspotential zu nehmen.

Was den Stil angeht bin ich ziemlich hin- und her gerissen. Es ist ja kein Geheimnis, dass Lansdale in seinen Beschreibungen mitunter sehr blumig ist und in Sachen Fäkalsprache kein Blatt vor den Mund nimmt. „Drive-In“ treibt das jedoch, vor allem in Band 2 und 3, sehr auf die Spitze. Der sonst vorhandene Wortwitz des Autoren wird in dieser Trilogie gegen eine sehr viel brachialere Art ausgetauscht. Dazu kommt ein Goregehalt, der zumindest in den anderen mir bekannten Werken nicht so hoch angesetzt ist wie hier. Deutlich bemerkbar ist dabei, dass die Bücher von Sprachstil her mitunter sehr unterschiedlich ausfallen. Ich weiß nicht, worauf man diesen Umstand zurückführen kann, vielleicht auf die Zeit zwischen den ursprünglichen Veröffentlichungen, vielleicht aber auch auf die Tatsache, dass mit Alexander Wagner und Dietmar Dath zwei unterschiedliche Übersetzer am Werk waren. Nicht falsch verstehen, weder der eine noch der andere liefern hier einen schlechten Job ab, Fakt ist aber, dass sich „Drive-In I“ anders liest als die Nachfolgebände.

Fazit:

8Ja, ich gestehe, dass ich mitunter meine Schwierigkeiten hatte, in Lansdales bizarrstes Buch (soweit mir bekannt) einzutauchen. Nachdem es mich dann aber erstmal gepackt hatte, fühlte ich mich mit jeder Seite immer mehr heimisch in der Welt des „Drive-In„. Figuren, die dem Leser immer vertrauter werden, Entwicklungen, die man so nicht kommen sieht und Ideen, die zweifelsohne so nicht jeder hat, machen die Trilogie auf jeden Fall zu etwas besonderem, selbst für jemanden wie Joe R. Lansdale, der zu so ziemlich jedem Gebiet einen interessanten Beitrag abliefern könnte. Kult? Vielleicht. Kultig auf jeden Fall.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian