die kälte im juli

OT: Cold in July

Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Heyne Hardcore

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Klappentext:

Richard Dane ist ein anständiger Bürger und Familienvater. Doch eines Nachts ändert sich sein Leben von Grund auf. Richard stellt einen Einbrecher und erschießt ihn. Für die Polizei ist der Fall klar: Notwehr. Doch als der Vater des Erschossenen beschließt, Rache für seinen Sohn zu nehmen, wird eine Kette von blutigen Ereignissen in Gang gesetzt. Um seine Familie zu schützen, greift Richard zu extremen Mitteln …

Der Roman erschien in Deutschland bereits 1997 unter dem Titel „Kalt brennt die Sonne über Texas“.

Kritik:

Es ist nichts neues, dass ich Fan von den Werken Joe R. Lansdales bin, dabei aber nach wie vor große Lücken in meiner „Bildung“ rund um den sympathischen Texaner habe. „Die Kälte im Juli“ ist nun eines der Werke, die mittlerweile (genauer gesagt im Jahr 2014) verfilmt wurden, unter anderem mit Michael C. Hall und Don Johnson. Wenn das mal kein Ansporn ist, sich gemeinsam mit Richard Dane dem Schutz seiner Familie zu widmen.

Zunächst kommt hierbei jedoch schnell Ernüchterung auf. „Die Kälte im Juli“ startet zwar flott und actionreich, dümpelt dann jedoch für eine Weile mehr oder minder vor sich her. Lansdale nimmt sich viel Zeit, die Figuren einzuführen und die Verhältnisse untereinander zu klären. Ab Seite 50 nimmt der Roman dann jedoch Fahrt auf. Und wie. Der Spannungsbogen steigt sprunghaft an und der Leser wird geradezu in eine Verkettung von Ereignissen und Wendungen hineingezogen, die so zu Beginn auf keinen Fall absehbar gewesen ist. Lansdale versteht sich wunderbar darauf, seine Fans in eine Richtung zu schubsen, ihnen dort dann die berühmte lange Nase zu drehen und einen Tritt in den Hintern zu geben, damit sie sich doch möglichst schnell wieder umdrehen mögen. Die Geschichte wird dennoch zu keinem Zeitpunkt unübersichtlich sondern fließt in einem angenehm rasanten Tempo voran. Die Atmosphäre ist autorentypisch sehr dicht und an manchen Punkten auch sehr abgefahren. Das kennt man von Lansdale, das liebt oder hasst man an Lansdale.

Die Figuren waren schon immer ein Markenzeichen des Autoren. „Die Kälte im Juli“ bildet hierbei keine Ausnahme. Zwar hat man mit Richard Dane einen stinknormalen Familienvater und Rahmenbauer (im Ernst, diesen Beruf gibt es?) als Protagonisten, dem man eigentlich nichts böses zutrauen würde, Lansdale gelingt es jedoch ausgesprochen gut und vor allem glaubhaft aufzuzeigen, wie schnell man doch in eine Spirale der Gewalt hineingezogen werden kann und wie schwer es dann, allen gut herausgearbeiteten Selbstzweifeln zum Trotz, ist, aus dieser wieder hinaus zu gelangen. Danes Sidekick Ben Russel ist auch noch eine eher bodenständige Figur, die diese Entwicklung in Gang bringt und voran treibt, dabei ebenfalls sehr glaubwürdig ist. Jim Bob Luke hingegen, die wohl wichtigste Nebenfigur des Romans, ist genau das, was man aus den anderen Werken des Autoren kennt: eine abgefahrene, schillernde Persönlichkeit, die dafür zuständig ist, die richtige Lansdale-Atmosphäre zu vermitteln. Ich kann mir vorstellen, dass Don Johnson diesen Kerl wunderbar verkörpert.

Stilistisch war „Die Kälte im Juli“ zunächst etwas ungewohnt. Der Autor bedient sich für die Perspektive wie so oft der ersten Person, was soweit ja noch bekannt ist. Was jedoch auffällt ist, dass der Roman großteils auf den sonst so gern gesehenen bitterbösen, beißenden Sarkasmus verzichtet und eher ernst daher kommt. Auch diese Schreibweise steht Lansdale gut zu Gesicht, mag jedoch zum Start hin etwas gewöhnungsbedürftig sein. Unverändert bleiben jedoch die immer wieder einfließenden Gewaltspitzen, welche ebenfalls ein Markenzeichen und in dieser Geschichte wie gehabt sehr wohl platziert sind und nicht selbstzweckhaft wirken.

Fazit:

9„Die Kälte im Juli“ gehört zu den ernsteren Werken Joe R. Lansdales. Nachdem der Roman eine erste Durststrecke hinter sich gebracht hat, steigt das Tempo sprunghaft an und es entwickelt sich schnell ein sehr spannender, dynamisch erzählter und wendungsreicher Thriller, der den Leser bis zum blutigen Finale zu unterhalten weiß. Auch wenn dieser ob des Klappentextes ganz sicher noch nicht sagen kann, in welche Richtung sich das Buch überhaupt bewegen wird.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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