deadwood dickOT: Paradise Sky
Gebundene Ausgabe: 477 Seiten
Verlag: Tropen
Übersetzung: Conny Lösch

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Klappentext:

Eigentlich wollte Willie Jackson nur ein paar Besorgungen machen. Doch dann erhascht er unfreiwillig einen Blick auf die Unterwäsche einer weißen Frau. Deren Mann nimmt die Sache persönlich, und Willie muss Hals über Kopf fliehen. Joe R. Lansdale erzählt die filmreife Lebensgeschichte eines ehemaligen Sklaven, der zur Westernlegende Deadwood Dick wurde.

Kritik:

Ich weiß, ich weiß, so mancher Stammleser kann die ewig gleiche Leier sicherlich schon nicht mehr hören, wenn ich behaupte, dass Joe R. Lansdale wirklich alles schreiben kann. Ist aber nun mal so. „Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick“ ist nun also der aktuelle Streich des Meisters und führt den Leser wieder einmal in eine seiner liebsten Epochen: das Amerika der Indianer und (Post-)Sklaverei.

Lansdale verschwendet auch nicht viel Zeit damit, seine Hauptfigur, den Farbigen Willie Jackson, später dann bekannt als Nat Love oder eben Deadwood Dick, einzuführen. Nach einer kurzen Einleitung entlässt er den Leser direkt in das Leben des Jungen (mehr ist Willie nämlich am Anfang noch nicht). Und direkt vom Start weg entsteht dabei wieder diese typische Atmosphäre, die sich wie ein roter Faden durch die meisten seiner Romane zieht. Das auch der Ich-Perspektive erzählte Buch wirkt durch die gewählte Sprache sehr authentisch und wirkte auf mich tatsächlich so, als ob es von Nat selbst hätte verfasst sein können (wurde es natürlich nicht, auch wenn der gute Mann tatsächlich eine Biografie geschrieben hat, deren Originaltext man kostenfrei hier lesen kann). Diese Authentizität sorgt natürlich für eine sehr dichte Atmosphäre, durch die ich mich direkt in die anstehenden Ereignisse hineingezogen fühlte. Das ist immer ein großer Pluspunkt. Leider muss man jedoch auch sagen, dass „Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick“ dafür an manchen Ecken mit dem Spannungsbogen zu kämpfen hat. Ja, über weite Strecken ist das Buch sehr fesselnd, allerdings gab es leider auch ein paar Längen, was ich so von Lansdale nicht gewöhnt bin. Man muss auch weitestgehend auf überraschende Wendungen verzichten, dafür hat (nicht nur) das Finale aber eine Menge Tempo zu bieten.

Alles richtig läuft hingegen auf Seiten der Figuren. Dem Autoren ist es wie immer wunderbar gelungen, eine Menge schrullige, aber (zumeist) liebenswürdige Charaktere in sein Buch zu packen, die trotz (oder vielleicht gerade wegen) ihrer vielen Ecken und Kanten bodenständig und glaubwürdig rüber kommen. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich den Eindruck, dass eine Figur zu abgefahren ausgefallen wäre, auch wenn sich natürlich an vielen Stellen einige Überspitzungen zeigen. Etwas schade fand ich allerdings, dass der Antagonist der Geschichte tatsächlich von vorne bis hinten durch und durch böse ist, sodass man ihm im Verlauf der Geschichte kaum noch menschliche Seiten zugestehen konnte. Das war etwas viel schwarz/weiß-Malerei, der Umstand, dass viele andere Figuren aber eine ziemliche Menge an Graustufen in ihren Charakterzügen vereinen, lässt darüber gerne einmal hinweg blicken. Auch die Dialoge zwischen den Figuren sind wieder einmal absolut köstlich ausgefallen.

Stilistisch kann man nur sagen „typisch Lansdale“. „Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick“ vereint wieder viele typische Trademarks wie zum Beispiel den hier sehr häufig hervortretenden bitterbösen Humor oder auch die häufiger auftretenden Gewaltspitzen, die natürlich wunderbar zur Handlung des Romans passen. Lansdale hat für sein Buch einen sehr umgangssprachlichen, bodenständigen Stil gewählt, der wunderbar zur erzählenden Hauptfigur passt. Leider muss ich aber sagen, dass diese Erzählweise, wie bereits erwähnt, zwar der Authentizität sehr zuträglich gewesen ist, über den Gesamtumfang des Buches aber auch die eine oder andere Ermüdungserscheinung mit sich bringt. Sowohl was die Finesse des Textes angeht, als auch was meine Lesegeschwindigkeit betraf. Dennoch ist die Übersetzung von Conny Lösch durchaus als stimmig und rund anzusehen, denn Spaß gemacht hat das Buch dennoch.

Fazit:

8Nachdem ich mit „Das Dickicht“ den besten mir bekannten Western aus der Feder Lansdales gelesen habe, war die Erwartungshaltung an „Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick“ ziemlich hoch. Wie ich leider sagen muss, kann der Roman dann auch nicht mit dem Vorgänger mithalten. Zwar vereint das Buch immer noch eine Menge bekannter und beliebter Stärken des Autoren wie den bissigen Humor und das Händchen für geniale Dialoge, allerdings fehlte mir alles in allem doch etwas der Pepp hinter dem Buch. Die echt tolle Atmosphäre mit den wie immer sehr einprägsamen und ja, auch einzigartigen, Figuren kann nicht darüber hinweg täuschen, dass der Spannungsbogen den einen oder anderen Einknicker hat und dass die Sprache nach einer gewissen Zeit etwas ermüdend wirkt. In diesem Fall ist das allerdings meckern auf hohem Niveau, denn lesenswert ist der Roman immer noch.

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Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
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