blutiges echoOT: Lost Echoes

Taschenbuch: 300 Seiten
Verlag: Golkonda Verlag (15. September 2013)

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Inhaltszusammenfassung:

Für den Collegestudenten Harold Wilkes lauert der Schrecken buchstäblich an jeder Straßenecke: Vor seinem geistigen Auge spielen sich grauenhafte Szenen aus der Vergangenheit ab, wenn er, ohne es zu wollen, dem Schauplatz eines Unglücks oder eines Verbrechens nahe kommt.
Um diesen Visionen zu entfliehen, betäubt Harry sich mit Alkohol. In seiner Stammkneipe lernt er Tad kennen, einen ehemaligen Kampfkunstlehrer, der seine Probleme ebenfalls in Bier ertränkt. Gemeinsam versuchen sie, ihr Leben wieder in den Griff zu kriegen. Doch dann taucht Harrys Kindheitsschwarm Kayla auf und bittet ihn, mithilfe seiner besonderen Gabe den Mord an ihrem Vater aufzuklären …

Kritik:

Joe R. Lansdale ist ein Name, der einem im Bereich der Phantastik immer mal wieder über den Weg läuft, auch wenn mich persönlich die offensichtliche Vielschichtigkeit des guten Mannes in diesem Fall etwas abgeschreckt hat. Und so hat es ziemlich lange gedauert, bis ich mit “Blutiges Echo” tatsächlich meinen ersten Roman Lansdales in der Hand hielt – und ihn, unschwer zu erkennen, auch tatsächlich gelesen habe. So viel möchte ich vorweg nehmen: bereut habe ich es definitiv nicht.

Lansdale gelingt es sehr gut, seine Leser gleich von Beginn an in die Geschichte zu ziehen, auch wenn sie auf den allerersten Blick mehr wie ein Familiendrama aussieht als wie ein Thriller mit phantastischem Einschlag. Nun, dieser Eindruck täuscht und wird auch schnell revidiert, denn nach einigen Seiten wird schnell klar, dass hinter der Story eben doch deutlich mehr steckt als das. Und ab diesem Moment nimmt sich auch, zunächst langsam, zur Hälfte und besonders auch zum Finale hin dann immer schneller, Fahrt auf und entwickelt sich zu einem actionreichen Gruselflick, der auf voller Länge Spaß macht, nie langweilig wird und, bedingt durch Lansdales Art zu Schreiben, einen ganz speziellen Stil hat, der durch und durch stimmig ist.

Die Figuren sind dabei eine ganz besondere Stärke. Nicht, weil sie so tiefschürfend, aufwühlend oder gar anspruchsvoll wären. Nein, vielmehr weil sie oftmals sehr überzeichnet und fast schon comichaft daher kommen, dabei aber alle ihren ganz eigenen Charme und (fast) alle auch irgendwie eine sympathische Ader haben. “Blutiges Echo” lässt sie dabei aber nicht zu Karikaturen verkommen, sondern haucht ihnen durch ihre ganz persönlichen und – der Überzeichnung entgegenstehend – glaubwürdigen Tragödien schon eine gewisse Glaubwürdigkeit ein. Eine interessante Mischung also, die aber sehr gut zum Rest des Romans passt. Zwar würde ich jetzt nicht sagen, dass die Charaktere ganz hohe Kunst sind, aber sie tragen die Geschichte durch ihre Macken und Eigenheiten sehr gut, wirken trotz aller Comichaftigkeit doch sehr menschlich und überzeugend. Besonders beim Kampfkunstlehrer Tad stellte sich zudem die (augenzwinkernde) Frage, wie viel autobiografisches der Autor hat einfließen lassen.

Stilistisch hat Joe R. Lansdale mich sehr überrascht. Ich weiß offen gestanden selbst nicht so richtig, womit ich eigentlich gerechnet hatte, so viel ist aber gewiss: ganz sicher nicht damit. “Blutiges Echo” ist ein actionreicher und zutiefst rotziger Trip durch die Fantasie des Autoren. Als Leser sieht man sich oftmals mit einer gehörigen Portion Sarkasmus, schwarzem Humor und (selbst)ironie konfrontiert, die das Buch an sich schon sehr lesenswert machen würden. Dazu kommt aber auch noch die oftmals gegenwärtige und dabei geschickt in die Story integrierte Tragik der Charaktere und eine gute und gezielt eingesetzte Ernsthaftigkeit, die verhindern, dass das Buch zu einem reinen “Spaß”buch werden.

Fazit:

9“Blutiges Echo” hat mir schmerzhaft vor Auge geführt, dass ich bislang wohl ganz schön was verpasst haben. Joe R. Lansdale ist es mit diesem Buch gelungen, mich von seinem Talent als Autor zu überzeugen – und mich wahnsinnig neugierig auf den Rest seines Schaffens zu machen. Die Geschichte ist zwar eigentlich ziemlicher “Pulp”, was aber nicht zwangsläufig etwas schlechtes bedeuten muss. Tolle Figuren, bissiger und temporeicher Schreibstil, spannend bis zum Schluss – Pageturner! Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle auch die liebevolle Aufmachung des Buches, welche sich sehr angenehm von vielem auf dem Markt abhebt. Danke, gerne wieder.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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