teufelszeugOT: Horns

Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Heyne

Übersetzung: Hannes Riffel

Mehr zum Buch auf der Verlagshomepage

Klappentext:

Völlig verkatert schaut Ig Perrish morgens in den Spiegel: Ihm wachsen Teufelshörner aus der Stirn! Was hat er in der Nacht zuvor getrieben? Dabei hat er schon sein Fegefeuer durchlebt, weil ihm niemand glaubt, dass er nichts mit der grausamen Ermordung seiner Freundin zu tun hat. Als Ig sich auf die Suche nach dem wahren Übeltäter macht, ist auf einmal die Hölle los …

Ig Perrish führt ein privilegiertes Leben. Als Sohn eines berühmten Vaters und Bruder eines TV-Stars wächst er in einem Hort des Wohlstands und der Glückseligkeit auf. Und er hat Merrin, mit der er den Zauber der unendlichen Liebe erlebt. Bis zu dem Tag, an dem Merrin unter ungeklärten Umständen bestialisch ermordet wird und der Verdacht auf ihn fällt. Mangels Beweisen wird er aber freigesprochen. Eines Morgens wacht Ig nach einer durchzechten, erinnerungslosen Nacht mit Teufelshörnern auf der Stirn auf. Mehr noch: Auf einmal besitzt er die unheimliche Gabe, die dunkelsten Geheimnisse und verborgensten Gelüste derjenigen zu kennen, die er berührt. Diese neue Macht will er nutzen, um den Übeltäter zu finden, der Merrin umgebracht und sein Leben zerstört hat. Alles Gutsein und Beten hat nichts geholfen, jetzt ist es an der Zeit, einen Pakt mit dem Bösen zu schließen und teuflische Rache zu nehmen …

Kritik:

Eigentlich ist es ja kein Wunder, dass Joe Hill sich im Bereich Horror zuhause fühlt. Zumindest nicht, wenn man bedenkt, dass er der Sohn des „King“ of Horror persönlich ist. „Teufelszeug“ aus dem Jahr 2010 ist nach „Blind“ seine zweite Veröffentlichung und nach „Christmasland“ zudem auch der zweite Roman aus seiner Feder, den ich gelesen habe.

Mit dem Eröffnungssatz „Ignatius Martin Perrish hatte die ganze Nacht lang gesoffen und fürchterliche Dinge getan.“ hatte der Roman mich dann auch direkt schon einmal für sich eingenommen. Zudem ist er auch ein gemeiner Teaser. Was genau Perrish nun getan hat, bleibt nämlich für eine ganze Weile verborgen. Er selbst rätselt selbst, aus welchem Grund er mit seinen Hörnern „gesegnet“ wurde. Hill entwickelt die Geschichte langsam und Stück für Stück, lässt seine Story mit genau dieser Frage häppchenweise auf den Leser los. Nach einer Weile das Rätselratens kommt schließlich die erste Rückblende und damit einhergehend leider auch ein größeres Problem. Die Ausflüge in die Vergangenheit fallen mitunter sehr umfangreich aus und haben augenscheinlich zunächst nicht übermäßig viel mit der Haupthandlung zu tun. Dadurch wird dem Plot deutlich an Tempo genommen und „Teufelszeug“ muss sich hier und da dem Vorwurf stellen, dass der Spannungsbogen einknickt. Meiner Meinung nach hätte an dieser Stelle einiges an Umfang eingespart werden können, um das Erzähltempo und die Spannung dauerhaft hoch zu halten. Atmosphärisch hingegen muss der Roman sich an keiner Stelle verstecken, denn es gelingt Hill sehr gut, den Leser in die Gedankenwelt Iggys eintauchen zu lassen – und das auf beiden Zeitebenen.

Was für die Spannung ein Fluch ist, ist für die Charaktere des Buches hingegen ein Segen. Durch die vielen umfangreichen Rückblenden schafft Joe Hill es, ein sehr lebendiges und bodenständiges Bild seiner Figuren zu erschaffen (soweit das bei einem Typen mit Teufelshörnern auf dem Schädel eben möglich ist). Man lernt Ig und seinen Bruder Terry so gut kennen, als ob man es mit Nachbarn zu tun hätte. Hier erkennt man dann deutlich die Parallelen zu Stephen King, der besonders in seinen letzten Werken ähnlich fixiert darauf ist, nicht nur Figuren zu erschaffen, sondern Menschen aus ihnen zu machen, denen man auf der Straße begegnen könnte. Talent scheint also erblich zu sein. „Teufelszeug“ weiß durch die realistische Figurenzeichnung an dieser Front absolut zu überzeugen. Ich hätte aber offen gestanden lieber auf das eine oder andere Detail verzichtet und stattdessen insgesamt ein höheres Tempo bevorzugt.

Auch was den Stil angeht, kann Hill seinen Vater nicht verleugnen. Es finden sich doch einige Parallelen, die mitunter aber durchaus auch gewollt erscheinen. So wird an einer Stelle zum Beispiel auf die Stadt Derry verwiesen (wer „ES“ gelesen hat, weiß, was gemeint ist) und an vielen Stellen fühlte ich mich an die frühen Werke Kings erinnert. Trotzdem hat Hill „Teufelszeug“ genug Eigenständigkeit verpasst, um es eben nicht als eine Kopie Kings erscheinen zu lassen. Eingängig, angenehm umgangssprachlich und bildlich, dazu passend ist die stimmige und runde Übersetzung von Hannes Riffel (auch hier wieder: Parallelen).

Fazit:

7Teufelszeug“ ist im Vergleich zu „Christmasland“ stilistisch noch recht dicht an den jungen Stephen King angelehnt. Trotzdem lässt Joe Hill die nötige Portion Eigenständigkeit nicht vermissen. Viel schwerer wiegt leider das Problem, dass dann und wann die Spannung unter dem (eigentlich guten) Ausbau der Charaktere leidet. Hier hätten 100 Seiten weniger es mit Sicherheit auch getan. Da die Atmosphäre aber meistens stimmt und Iggys mitunter ziemlich selbstironische Gedankenwelt immer wieder für das eine oder andere Schmunzeln sorgen, kann dieser Punkt noch etwas aufgefangen werden. Wer den (frühen) King mag, sollte auf jeden Fall mal einen Blick ins Buch werfen (welches in der Papierausgabe aber nur noch antiquarisch zu bekommen ist, Random House bietet auf der eigenen Homepage nur noch das eBook an).

Hat der Titel euer Interesse geweckt? Dann könnt ihr ihn hier bei Amazon bestellen:

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

Letzte Artikel von Sebastian (Alle anzeigen)