jeruzalemOT: JeruZalem (ISR 2015)

Regie: Doron Paz, Yoav Paz

Darsteller: Yael Grobglas, Yon Tumarkin, Danielle Jadelyn, Dibi Ben-Yosef

Laufzeit: 90 Minuten
Freigabe: FSK18

Inhaltszusammenfassung:

Die jungen Touristen Sarah, Rachel und Kevin wollen in Jerusalem die Nächte durchtanzen und ihr Leben genießen. Während die pulsierende Metropole sie anfangs willkommen heißt, schlägt die Stimmung schnell um: Unheilvolle und unerklärliche Dinge geschehen, bis eines Nachts im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle losbricht. Die Apokalypse bahnt sich unaufhaltsam ihren Weg durch die Heilige Stadt…

Kritik:

Ich bin kein Freund von Found Footage Filmen. Überhaupt nicht. Umso überraschender war es für mich selbst, dass mich der Trailer zu „Jeruzalem“ dennoch aus dem Stand heraus angesprochen hat. Die Storyline erschien mir zudem ebenfalls sehr interessant und somit war die Sichtung trotz aller Vorbehalte schnell beschlossene Sache. Was hat man schließlich schon zu verlieren.

jeruzalem1An erster Stelle eines: Zeit. Gute 90 Minuten um genau zu sein. „Jeruzalem“ erzählt zunächst die Geschichte einer Vergnügungsreise. Mehr nicht. Das klingt nun nicht sonderlich interessant – und ist es eigentlich auch nicht. Rund 60 Minuten quält sich der Zuschauer durch eine belanglose Geschichte, die nicht im Ansatz einen Spannungsbogen aufbaut. Was in der ersten halben Stunde vielleicht noch vertretbar ist (schließlich muss ein Found Footage Film die bedrohliche Situation genregerecht erstmal langsam aufbauen) ist danach nur noch eines: ärgerlich und nervig. Man kann dem Film zwar zugute halten, dass Jerusalem tatsächlich eine tolle und außergewöhnliche Kulisse abgibt, das alleine reicht aber nicht aus, um eine gute Atmosphäre aufzubauen. Besonders, da dem Setting einfach zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde und die Zerrissenheit Jerusalems hinsichtlich der religiösen und politischen Situation nur im Ansatz aufgezeigt wird. Erst in der letzten halben Stunde geht es schließlich Knall auf Fall, allerdings ist es dann schon zu spät, um noch etwas zu retten. Die Flucht vor den apokalyptischen Wesen ist zwar hier und da ganz unterhaltsam und tatsächlich auch leicht spannend ausgefallen, so wirklich gezündet hat sie aber zu keinem Zeitpunkt. Das Finale selbst (und damit meine ich explizit die allerletzten Szenen des Films) zerstört die Atmosphäre des Genres schließlich komplett.

jeruzalemAuch auf darstellerischer Seite sollte man nicht zu viel erwarten. Die Figuren in „Jeruzalem“ werden bemüht mit einem Hintergrund versehen, der sie aber nicht unbedingt glaubwürdiger erscheinen lässt. Alles in allem bleiben sowohl die Charaktere als auch die Darsteller austauschbar und blass. Man mag das nun auf mangelnde Erfahrung und ein geringes Budget zurückführen, aber der Film an sich ist nicht B-Movie genug, um die gezeigten Leistungen zu rechtfertigen. Würde man mich heute, drei Tage später, nach den Namen der Figuren fragen, könnte ich nur unwissend mit den Schultern zucken. Man identifiziert sich nicht mit ihnen und nein, man fiebert auch nicht wirklich mit. Erschwerend kommt hinzu, dass sich auch die deutsche Synchronisation ein ziemlicher Griff ins Klo erweist und ebenso wenig überzeugen kann wie der Rest des Films.

jeruzalemDen Effekten merkt man dann auch direkt deutlich an, dass die Paz-Brüder mit einem winzigen Budget auszukommen hatten. Die apokalyptischen Wesen werden nur hier und da angedeutet und allenfalls in kurzen, zumeist sehr dunklen Sequenzen gezeigt. Die Action beschränkt sich, wie schon angemerkt, ohnehin auf das letzte Drittel des Films und ist tatsächlich sogar halbwegs gut inszeniert. Halbwegs gut rettet „Jeruzalem“ aber hinsichtlich der Tatsache, dass alles andere einfach unstimmig ist, auch nicht mehr.

Fazit:

2Jeruzalem“ ist ein Reinfall erster Güte gewesen. Der Film dümpelt zu lange vor sich hin, kann weder mit den Charakteren oder den Figuren und erst recht nicht mit der Inszenierung punkten. Sicherlich, man hat mit Jerusalem ein außergewöhnliches und schickes Setting direkt vor der Haustür gewählt, aber eine schicke Umgebung reißt nicht heraus, was an jeder anderen Front kläglich an die Wand gefahren wird. 90 Minuten verschwendete Zeit, die man sicherlich mit etwas interessanterem hätte füllen können. Essen. Schlafen. Holz hacken. Oder so.

© des Bild- und Tonmaterials: Splendid Film/ WVG Medienvertrieb
Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
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