ObsidianOT: Obsidian

Hardcover: 400 Seiten
Verlag: Carlsen

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Klappentext:

Als die siebzehnjährige Katy vom sonnigen Florida ins graue West Virginia ziehen muss, ist sie alles andere als begeistert. In ihrem winzigen neuen Wohnort kommt sie in den ersten Tagen nicht einmal ins Internet, was für die leidenschaftliche Buchbloggerin eine Katastrophe ist. Nur mit Mühe lässt sie sich dazu überreden, bei ihren Nachbarn zu klingeln, um “neue Freunde” zu finden. Und lernt so den atemberaubend gut aussehenden, aber bodenlos unfreundlichen Daemon Black kennen. Was Katy jedoch nicht weiß, ist, dass genau der Junge, dem sie von nun an am meisten aus dem Weg zu gehen versucht, ihr Schicksal bereits verändert hat…

Kritik:
Lange Zeit war es hier ruhig. Ähnlich wie anderen Bloggern ging es auch mir: das Lesen war zur Pflicht geworden. Lesen, um bloggen zu können. Und eine Weile dachte ich wirklich, eine meiner großen Lieben und ich, wir würden uns trennen. Aber hier bin ich wieder. Weil ich lesen sollte, um des Lesens Willen. Um in Geschichten zu tauchen und Abenteuer zu erleben. Und dann darüber schreiben sollte, weil ich meine Meinung teilen will. Ohne Druck. Ohne Pflichtgefühl. Wir haben uns also nicht getrennt, diese große Liebe und ich. Wir haben eine Paartherapie gemacht, und sie hieß “Obsidian: Schattendunkel”.

Ich bin lange um diesen Roman herumgeschlichen. Ich hatte noch nie von der Autorin gehört oder gelesen, und auch die Inhaltsangabe hat mich nicht sonderlich überzeugt, so dass er viele Male eben doch im Laden geblieben ist. Katy und Daemon hätte man sicher auch gut mit Edward und Bella, Ellie und Colin oder irgendeinem anderen der Paare in den Geschichten, die wir so sehr lieben, ersetzen können. Daher klang es für mich erstmal nicht neu. Warum ich das Buch letztendlich doch gekauft habe, kann ich nicht einmal sagen. Es war dieser “Jetzt hast du es schon so oft angesehen, jetzt nimm es halt mit, Herrgott!”-Moment. Und ich habe es nicht bereut. Ganz im Gegenteil. Die Geschichte beginnt, wie so viele andere vor ihr auch: Die Buchbloggerin Katy verschlägt es gemeinsam mit ihrer Mutter in ein kleines Nest, das ihr vorkommt wie das Ende der Welt. Als sie auch noch die Bekanntschaft von dem unfreundlichen, sarkastischen, aber unverschämt gut aussehenden Daemon Black macht, wünscht sie sich ganz weit weg. Glücklicherweise ist seine Schwester Dee keine solche Kratzbürste, sondern sogar ausgesprochen nett und anziehend. Und Dee scheint daran gelegen zu sein, dass Daemon und Katy sich vertragen. Sie verdonnert ihren Bruder dazu, Zeit mit Katy zu verbringen und nett zu ihr zu sein. Aber um die Geschwister scheint es Geheimnisse zu geben. Was hat es mit den Vermissten-Plakaten am Supermarkt auf sich? Und wo sind die Eltern der beiden? Wieso sehen die Bewohner der Stadt sie so merkwürdig an? Und warum verschwinden vor ihren Augen ganze Körperteile von Dee, nur um einen Wimpernschlag später wieder aufzutauchen?

Ich will nicht zu viel verraten, aber die Autorin hat hier – für mich – neue Pfade beschritten. Ich habe es oft erwähnt, aber ich finde es immer wieder erfrischend, wenn sich jemand mit einer anderen Fantasy-Welt auseinandersetzt, als der der Werwölfe und Vampire. Auch Dystopien gab es zur Genüge. Sie sind mitunter immer noch wirklich großartig, aber es ist eben auch schön, zur Abwechslung mal eine andere Thematik zu wählen und zu lesen. Wie hier geschehen. Als ich herausgefunden habe, um was es in diesem Roman geht, war ich positiv überrascht. Aber auch skeptisch. Und leider war ich zurecht skeptisch. Denn wann immer die Autorin in wissenschaftliche Erklärungsnot kommt, lässt sie ihren Protagonisten eine Standardantwort geben, die den Leser im Dunkeln stehen lässt. “Das habe ich mich nie gefragt.”, “Das weiß ich auch nicht so genau.” oder “Das ist zu kompliziert, um es jetzt zu erklären.” sind die Art von Antwort, die Katy auf ihre Fragen erhält, und leider sind sie auch nicht so angebracht, dass man sich damit zufrieden gibt, sondern sie wirken, als hätte die Autorin nun einfach selber keine Ahnung gehabt, wie sie das jetzt erklären soll. Das ist das größte Manko des Romans.

Aber – und es ist ein sehr großes Aber – das macht Jennifer L. Armentrout mit spielerischer Leichtigkeit wieder wett. Ihre Geschichte weiß nämlich mitzureißen und den Leser an sich zu fesseln. Man will unbedingt ergründen, was vor sich geht. Und nicht zuletzt regen die pointierten Dialoge zwischen Daemon und Katy zum Schmunzeln und Kichern an, wenn sie sich etwa angehen wie Katz und Maus. Das hat die Autorin hinbekommen wie kaum eine andere. Die Charaktere selbst sind wirklich außerordentlich gut gezeichnet. Sicher hätte der ein oder andere Charakter etwas mehr Tiefe vertragen können, aber im Großen und Ganzen sind die Beweggründe der Protagonisten klar und nachvollziehbar. Daemon hat hier genau den richtigen Drive zwischen Kotzbrocken und Held, er bringt einen auf die Palme, lässt einen im nächsten Moment aber doch wieder schmachten. Katy ist einer der Romanfiguren, die ausnahmsweise mal nicht betonen, überdurchschnittlich langweilig, aber etwas total besonderes zu sein. Sie ist eben einfach normal und macht daraus weder einen Hehl noch einen Aufriss. Dee wirkt manchmal etwas überdreht, aber um den Kontrast zu Daemon darzustellen, ist dies wiederum gut geeignet, vor allem, wenn man nach und nach hinter die unterschiedlichen Beweggründe der Figuren kommt. Alle anderen bleiben leider wie schon erwähnt etwas farbloser, aber das ist in Ordnung, die Geschichte trägt einen ja auch so davon. Außerdem ist es der erste Teil einer Reihe, vielleicht ist dort also noch Luft nach oben.

Fazit:
9Jeder sucht sie doch, diese Romane, die man förmlich aufsaugt, die man nicht mehr aus der Hand legen will und an dessen Ende man verzweifelt denkt “Nein, nein, nein!”, weil man gern weiter lesen will. “Obsidian: Schattendunkel” ist definitiv eines dieser Bücher. Ich hab direkt vier Freundinnen damit angesteckt, und sie alle lieben es. Weil die Figuren liebenswert sind. Weil die Thematik originell ist. Weil die Geschichte den Leser fesselt. Einziges Defizit ist die Erklärungsnot, in die die Autorin hin und wieder gerät. Aber das hält zumindest mich dennoch nicht davon ab, dem Tag entgegen zu fiebern, an dem ich den zweiten Teil “Onyx: Schattenschimmer” in Händen halte. In diesem Sinne: Paartherapie geglückt, Beziehung gekittet. Daemon Black sei Dank.

Ela

Ela

Ich bin quasi das Gegengewicht zu Sebastian. Ich schreibe über all das, was an ihm vorbei geht. Jugendromane, Frauenromane, auch mal der ein oder andere Thriller, Komödien, Filme, in denen es um Freundschaft und Liebe geht, Comic- und Buchverfilmungen....sowas eben. In meiner Freizeit befasse ich mich vorwiegend mit dem Lesen und Schreiben, mit Filmen und Büchern, mit meiner Familie und Freunden und natürlich mit meinen Tieren. Ich koche und backe gern und bin vermutlich das schlimmste Assassin's Creed Fangirl, dem du je begegnet bist. Und ich liebe Musik! Immer und überall.
Ela