OT: Letters from Hades
Taschenbuch: 264 Seiten
Verlag: Festa Verlag
Übersetzung: Doris Hummel

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Klappentext:

Die Warnung eines Toten an uns, die noch Lebenden.

Dies sind die Aufzeichnungen eines Mannes, der nach seinem Selbstmord in der Hölle erwacht – denn dort landen alle Menschen, außer bibelfeste Christen. Fragt den Papst, der wird es Euch bestätigen.

Eine Welt des Leidens und ewigen Sterbens.

Wie all die anderen armen Seelen muss der Mann endlose Qualen ertragen – denn in der Hölle stirbt man nicht. Und die vielen Dämonen haben nur eine Aufgabe: Ungläubige zu foltern und zu bestrafen. Als der Mann die schwerverletzte Dämonin Chara findet, die von einigen rebellischen Verdammten an einem Baum gekreuzigt wurde, überkommt ihn Mitleid. Er befreit Chara und damit löst er eine sich langsam vollziehende Kettenreaktion aus, die zur letzten Schlacht zwischen Himmel und Hölle, Engel und Dämonen führt …

© Festa Verlag

Kritik:

Der Klappentext und der Titel lassen es schon vermuten, es handelt sich beim “Tagebuch aus der Hölle” nicht um einen dieser Romane, die dicht an die Realität angelehnt sind, sondern tatsächlich den Bereich der Phantastik im klassischen Sinn bedienen. Für einen Horrorroman könnte es wohl auch kaum ein besseres Betätigungsfeld geben als eben die Hölle.

Manche Romane sind in der Lage zu fesseln. Und man kann wohl ruhigen Gewissens behaupten, dass Jeffrey Thomas’ “Tagebuch aus der Hölle” zweifelsfrei dazu zählt. Zwar würde ich an dieser Stelle nicht behaupten, dass es sich um einen Thriller im klassischen Sinn handelt, denn der Autor (was hier durchaus in Hinsicht auf den Protagonisten als auch auf Thomas angewandt werden kann) hält sich tatsächlich an das Prinzip eines Tagebuchs, was mitunter dazu führt, dass die Ereignisse etwas fragmentiert wirken. Dennoch ist eine dauerhafte Motivation weiterzulesen vorhanden, was wohl natürlich auf die reichlich vorhandene Grundspannung zurück zu führen ist. Meiner Meinung nach gibt es aber noch einen weiteren Grund hierfür: Es gelingt Thomas wunderbar, eine Hölle zu zeichnen, die fernab jeglicher bekannter Klischees existiert und dabei doch verdeutlicht, dass die hier “lebenden” Insassen in einer Welt existieren, die vor allem darauf ausgelegt ist, die Verdammten zu quälen. Die Unterwelt wird hier also zu etwas, wo nicht an jeder Ecke Feuer und Schwefel gespuckt werden, sondern zu einer mitunter sehr bizarren Parallelwelt, in der jeder, der nicht strikt nach der Bibel lebt, am Ende seiner Tage landet. Äußerst plastisch beschrieben und, soweit das bei der gegebenen Thematik überhaupt möglich ist, äußerst glaubwürdig. Der Autor scheut sich dabei auch nicht, reichlich Seitenhiebe auf die Weltanschauung religöser Fundamentalisten zu verteilen (man nehme nur das Beispiel, dass auch Autisten hier landen, weil sie nicht in der Lage sind, das Wort Gottes zu begreifen – also für ihre Krankheit bestraft werden). Er geht dabei sogar so weit, den Schöpfer selber als einen senilen, im Wachkoma liegenden Greis darzustellen. Und eben dieses abgefahrene, bizarre ist es, was den Leser auch Seite um Seite verschlingen lässt – man möchte unbedingt wissen, wie weit das “Tagebuch aus der Hölle” noch geht, welche Ideen Thomas noch auf den Tisch bringt. Mich hat das beinahe noch mehr gereizt weiterzulesen als die Geschichte selbst. Wo gibt es schließlich sonst schon Engel, die mich bei ihrem ersten Auftritt irgendwie fatal an die Mitglieder des Ku Klux Klans erinnert hätten?

Auch die Figuren selbst sind nicht unbedingt das, was man in einem typischen Roman über die Hölle zu finden erwartet. Zunächst einmal macht es zwar den Eindruck, dass es hier in erster Linie darum geht, den Protagonisten möglichst viele Grausamkeiten erdulden zu lassen, schnell zeigt sich jedoch auch, dass viel mehr dahinter steckt. So wandelt sich der Tagebuchschreiber im Lauf der Geschichte von einem Opfer seines früheren Lebens zu einem eigentlich recht normalen Menschen, was auch nur logisch ist, denn Jeffrey Thomas’ Hölle erweist sich im Lauf der Story immer mehr als eine “böse” Antwort auf unsere reale Welt. So gibt es tatsächlich Dörfer und Städte, in den die Wirtschaft floriert, man ist gezwungen zu arbeiten, um in der Hölle zu überleben, man ist gezwungen, sich an die dortigen Gegebenheiten anzupassen. Auch hier muss man wieder sagen, dass die von ihm erdachte Welt trotz all der bizarren Ideen an jedem Punkt nachvollziehbar ist – und das trifft letzten Endes auch auf die Charakterentwicklung zu.

Stilistisch kann ich mich über das “Tagebuch aus der Hölle” ebenfalls nicht beschweren. Der Autor schafft es, sehr dicht und packend zu schreiben, ohne dabei auf übermäßige Gewaltexzesse zu setzen. Natürlich, es gibt die eine oder andere deftige Einlage – was hinsichtlich der Handlung wohl auch unvermeidlich gewesen sein dürfte. Diese wirken jedoch nie selbstzweckhaft oder aufgesetzt, sondern passen gut in die Geschichte und den Kontext der jeweiligen Situation. Man gewinnt so also nicht den Eindruck, dass Thomas mit Gewaltspitzen etwas kaschieren wollen würde. Was eigentlich auch nicht nötig ist.

Fazit:

9Das „Tagebuch aus der Hölle“ ist ein weiterer Volltreffer aus dem Hause Festa, den ich dieses Jahr in die Finger bekommen habe. Atmosphärisch unglaublich dicht, voller kreativer Ideen und dabei fernab jeglicher Klischees, welche sich bei diesem Titel schnell schon einmal vor dem geistigen Auge abspielen könnten. Rundum gelungen!

Anmerkung: Es handelt sich um die Wiederveröffentlichung eines alten Beitrags, den ich nach dem Domainumzug verschollen geglaubt habe.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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