imperiumOT: Imperium (USA 2016)

Regie: Daniel Ragussis

Darsteller: Daniel Radcliffe, Toni Collette, Burn Gorman, Nestor Carbonell

Freigabe: FSK16
Laufzeit: 109 Minuten

Inhaltszusammenfassung:

Nate Foster ist trotz seines jungen Alters ein gerissener FBI-Agent. Einer der besten, wie seine Chefin Angela behauptet. Doch sein neuer Auftrag entpuppt sich als höllisch gefährlicher Drahtseilakt. Kahlrasiert und mit irrem Funkeln in den Augen taucht der Jungspund in die Gefilde einer ultra-rechten Neonazi-Organisation ab, um einen drohenden Anschlag mit einer schmutzigen Bombe zu verhindern. Allein unter tollwütigen Wölfen, bleibt Nate nichts anderes übrig, als mit dem Rudel zu heulen. Dabei gerät er bald in einen mörderischen Sog aus Gewalt und Verbrechen. Nur Angela kennt seine wahre Identität und versucht verzweifelt, ihren Schützling am Leben zu halten, bis sein Auftrag erfüllt ist.

© Universum Film

Kritik:

Daniel Radcliffe gehört zweifelsfrei zu jenen Darstellern, die immer mit einer bestimmten Rolle in Verbindung gebracht werden. In seinem Fall ist das Harry Potter. Daran werden wohl auch seine Leistungen in anderen Filmen, wie zum Beispiel „Die Frau in Schwarz„, nichts ändern. Nun hat er mit „Imperium“ eine weitere Geschichte abgedreht, die vom niedlichen Juniorzauberer kaum weiter entfernt sein könnte.

imperiumIch bin ohnehin ein Freund dieser Art von Geschichte. „American History X“ ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme und „Imperium“ scheint auf den ersten Blick eine recht ähnliche Grundlage zu haben. Nur, dass es hier nicht um einen Aus-, sondern um einen Einsteiger geht. Zu Beginn scheint die Story auch durchaus gut zu sein. Foster ist einer dieser unscheinbaren Agenten, die schon rein optisch keine große Chance darauf haben, sich einen großen Namen zu machen. Als sich ihm die Chance bietet, in eine Neo-Nazi-Organisation eingeschleust zu werden, ergreift er diese und ist bereit, dafür alles zu geben. Der Spannungsaufbau bis zu diesem Punkt ist sogar sehr gelungen und auch nach der Einschleusung geht es interessant weiter. Der große Problem dabei ist jedoch, dass vieles an der Geschichte extrem zufallsbasiert scheint. Es wird nie so richtig klar, an wem Foster nun warum tatsächlich dran ist, da außer einer rassistischen Radiosendung mit vielen großen Tönen eigentlich kein konkreter Verdacht besteht. Der Twist zum Schluss hin ist dann ebenfalls wieder so ein „Ach, was für ein Zufall“-Moment, der aufgesetzt und einfach nicht glaubwürdig erscheint. Da wäre sicherlich noch eine Menge Luft nach oben gewesen, denn insgesamt ist die Geschichte ziemlich löchrig ausgefallen.

imperiumDas ist insofern schade, als dass die Atmosphäre des Films eigentlich stimmig ist. Dem Team um Regisseur Daniel Ragussis ist es gelungen, einen glaubwürdigen Schnitt durch die amerikanische Rechtsaußen-Kultur zu zeigen. Neben den stumpfen Skinheads trifft man auf den Ku-Klux-Klan und eine weitere religiös angehauchte Truppe, die zumeist in SA-Uniformen durch die Gegend marschiert. Gibt’s in den Staaten bekanntlichermaßen tatsächlich. Sehr schön ist auch zu erkennen, dass sich diese unterschiedlichen Organisationen im Grunde genommen nicht so richtig grün sind, dass viele von ihnen – besonders jene, die am lautesten hetzen – eigentlich darauf warten, dass andere den Aktionismus zeigen und so weiter. Und dass es da auch noch diejenigen gibt, mit denen keiner gerechnet hätte, diejenigen, von denen man sagt „Das hätte ich nie von ihm gedacht.“ Das ist bodenständig und gut umgesetzt, auch wenn in mancherlei Hinsicht doch einige Klischees bedient werden.

imperiumDarstellerisch kann man eigentlich nichts schlechtes sagen. Radcliffe macht eine mehr als gute Figur. „Imperium“ lebt von seiner Darstellung des Nate Foster, die sehr intensiv ausgefallen ist. Man nimmt ihm die Emotionen seiner Figur sehr gut ab, kann sich problemlos in Nate hineinversetzen. Zudem ist die Wandlungsfähigkeit des Charakters wie auch des Darstellers erstaunlich. Allerdings muss man sagen, dass Radcliffe mit seinen 1,65m Körpergröße zwischen den bulligen Rechtsradikalen doch ein bisschen deplatziert gewirkt hat. Es gab so manche Situation, in der ich mir das Grinsen verkneifen musste. Auch der Rest des Casts wusste zu überzeugen, allerdings sind die wenigsten anderen Figuren als Hauptfiguren zu sehen. Einen übermäßig dichten Hintergrund gibt es deswegen nun in den wenigsten Fällen und alles verblasst hinter Foster.

Fazit:

Ich weiß selbst nicht so recht, was ich von „Imperium“ halten soll. Auf der einen Seite steht die tolle Darstellung Daniels Radcliffes und die interessante und vermeintlich realitätsnahe Atmosphäre innerhalb der unterschiedlichen Gruppierungen. Auf der anderen Seite ist da aber die löchrige Geschichte, in der für meinen Geschmack alles viel zu sehr vom Zufall in die richtige Richtung gestoßen wurde, was mich stellenweise ernsthaft daran zweifeln ließ, wie gut das Script tatsächlich durchdacht ist. Dazu kommt die eine oder andere Logiklücke. Insgesamt also ein eher zwiespältiger Eindruck, der wohl eine Zweitsichtung verhindern wird.

© des Bild- und Tonmaterials: Ascot Elite/ Universum Film

Das denken die anderen:

Das Medienjournal: 7/10
Filmherum: 3/5
Die Nacht der lebenden Texte

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian