gian-franco messinaNachdem ich in der letzten Ausgabe von “All eyes on” mit Joe Lansdale eine echte Größe um ein Interview erleichtern durfte, steht heute wieder jemand im Mittelpunkt, der noch am Anfang seiner Karriere – zumindest als Autor – steht. Die Betonung auf das Wörtchen “Autor” kommt daher, dass ich mit Gian-Franco Messina einen ehemaligen Musiker im Fokus habe, der zumindest innerhalb einer gewissen Subkultur durchaus als bekannt gilt und dessen mittlerweile aufgelöste Band “Split Image” einen gewissen Kultstatus erlangt hat. Das aber nur am Rande, denn um SI! geht es hier nicht, sondern um Messina und seine Balior-Chroniken.

So ganz kommen wir dann aber an der Band doch nicht vorbei, begann die Karriere Messinas eben nicht als klassischer Buchautor, sondern eben als Musiker und Songwriter. Der 1972 geborene, italienischstämmige Gian-Franco ist hauptberuflich Tätowierer und widmet sich daneben dem Schreiben, Texten und Musizieren. Die Band “Split Image” existierte mit Unterbrechungen von 1992 bis 2013. Anfang der 2000er gesellte sich zu den Songtexten schließlich auch die ersten Passagen der “Balior Chroniken”, welche aber bis 2013 noch in der Schublade lagen. Als bei ihm Krebs festgestellt wurde, forcierte Messina die Bearbeitung und Veröffentlichung seiner Werke und so wurde sein Debüt “Fengrin der Zwerg” in diesem Jahr über Impact Books veröffentlicht. 2014 folgte schließlich “Der Bund der freien Völker”, die Veröffentlichung des Nachfolgers “Licht und Schatten” sowie des Prequels “Der Zwergenaufstand” soll in absehbarer Zeit erfolgen.

Die Veröffentlichungen:

  • Fengrin der Zwerg
  • Der Bund der Freien Völker
  • Licht und Schatten

Und nun natürlich direkt zum Wesentlichen, dem Interview mit Gian-Franco Messina. Viel Spaß!

Stell dich den Lesern bitte kurz in eigenen Worten vor.

Ich stelle… Gian-Franco Messina, Musiker, Texter, Tätowierer und nun auch Autor aus Paderborn. Jahrgang 1972. Sizilianisches Temperament und ostwestfälischer Dickkopf.

Dein Werdegang ist ja nun für einen Autoren nicht gerade typisch. Wie schwierig war die Umstellung vom Songwriting hin zum Fantasy-Roman?

Unspektakulär und übergangslos. Ich habe angefangen die Chroniken zu schreiben, als wir aufhörten mit SI! zu spielen, also kurz vor der Jahrtausendwende. Der große Vorteil ist: Man schreibt alleine, keine Band-Diva, die nicht zum Proben kommt, keine vier Meinungen, die vertreten werden wollen… Man schreibt wann und wenn man Lust hat.

Ich denke, man kann dich als künstlerisch veranlagt bezeichnen. Wie wichtig ist es für dich, kreative Arbeit zu leisten?

Es war eine Erfahrung die ich erst in jüngerer Zeit gemacht habe, dass ich es wirklich brauche. Schreiben und komponieren ist mir offensichtlich wichtig.

Du hast selbst einmal gesagt, dass du eigentlich nur relativ wenig Fantasy-Bücher liest. Ist es dann nicht eher untypisch, genau in diesem Bereich zu schreiben? Wie ist es dazu gekommen?

„Herr der Ringe“ ist ein Buch, das mich sehr gefangen hat. Mir kamen dort nur die Zwerge zu kurz… Ich habe tatsächlich bis letzte Woche nur ein Fantasy Buch (High Fantasy Buch) außerhalb des Tolkien Universums gelesen. Ich wollte nicht beeinflusst werden von anderen.

Die Chroniken liegen mittlerweile doch schon ein paar Jahre in der Schublade und werden nun nach und nach bei Impact Books veröffentlicht. Impact ist bekannt als Mailorder für Musik und Fankleidung, nach meinem Wissen war „Fengrin der Zwerg“ die erste Veröffentlichung als klassischer Buch-Verlag. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? Und wie schwierig gestaltet es sich, Fantasy bei diesen Voraussetzungen unter zu bringen?

Ich stand ja als Musiker bei Impact unter Vertrag, die meiste Zeit zumindest. Wir wissen, was wir aneinander haben und ab und an mögen wir uns sogar. Es ist kein Geheimnis, dass ich erst als ich die Diagnose „Krebs“ bekam mit Nachdruck an der Veröffentlichung gearbeitet habe. Was Impact als Verlag angeht. Es ist witzig, dass man an die gleichen Mafia Strukturen stößt wie früher im Musik Business. Der Buchmarkt ist böse, hart und ungerecht. Wenn man es ernst nehmen würde, wäre es unerträglich, wie da gemauert und geschoben wird. Realistisch haben wir da keine Chance auf einen kommerziellen Erfolg. Nicht ohne „Main“ im Rücken. Zurzeit bin ich aber zufrieden, dass es Leute gibt die es mögen! Wir üben noch, wo das her kommt, ist noch mehr…

Wo wir gerade beim Thema „ein paar Jahre“ sind… ich stelle es mir sehr schwierig vor, nach so langer Zeit wieder an einem eigentlich fertigen Werk zu arbeiten. Wie gut bist du wieder rein gekommen und wie hoch war die Motivation, die geschriebenen Texte noch einmal zu korrigieren?

Du willst gar nicht wissen, wie oft ich diese 1000 Seiten rauf und runter gelesen habe. Und dann denkt man, es ist fertig, es passiert was und eine Woche später ist man so raus aus dem Thema, dass man es noch mal liest… Schreiben ist eine wirklich gute, entspannende Sache, wenn man möchte, dass es jemand liest wird es Arbeit.

Da Balior ja auf absehbare Zeit abgeschlossen werden wird, bleibt natürlich die Frage nach dem „danach“. Die Welt, die du geschaffen hast, bietet noch viel Spielraum für neue Geschichten. Gibt es Pläne, wieder zurück zu kehren und weiter daran zu arbeiten? Oder gibt es vielleicht andere interessante Projekte, die du derzeit im Kopf hast?

Ich habe mir ein größeres Werk offen gelassen. Es ist kein großer Spoiler, aber das Gerüst zur „Ostlandsaga“ steht. Wenn ich möchte, bietet der Schwesterkontinent zu Balior genug Potential. Aber es muss eben nicht sein. Die Chroniken sind fertig und auch „Zwergenaufstand“, das einzige Buch, das ich erst in diesen Tagen verwirklichen konnte, ist fertig. Ich steh an dem Punkt wo ich entspannt überlegen kann „Will ich mehr?“

Neben vielen bekannten Figuren und Rassen wie Elben und Zwergen hast du dem „klassischen“ Fantasy-Setting zum Beispiel mit den Mazeranen oder den wesentlich „menschlicheren“ Orks im Vergleich zu beispielsweise Tolkien auch eine ordentliche Portion Eigenständigkeit beigemengt. Woher nimmst du die Ideen für solche Kreaturen? Und wann kam die Erkenntnis, dass die Bösewichter nicht zwangsläufig anonymes Kanonenfutter sein müssen?

Ich bin der Gründer von „Split Image“. Neben 70% Zwerg trage ich 30% Ork und 0% Elb in mir… Ich interessiere mich für Geschichte und Geschichten. Für Blickwinkel. Für Religion und Philosophie. Ich mag die „Herr der Ringe“ Orks nicht. Die Uruks eventuell, aber der klassische Ork ist nicht so gelungen in meinen Augen – huch das ist ja schon Blasphemie

Ich weiß, wir haben unter vier Augen schon einmal darüber gesprochen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass so mancher Leser von „Fengrin“ die Feuerspitze aus dem Herrn der Ringe wiederzuerkennen glaubt. Dem ist ja eigentlich nicht so. Also erzähl doch bitte mal, woher deine Landschaften tatsächlich inspiriert sind.

Ja, du und deine Wetterspitze… Die Wetterspitze ist ein im Vergleich unbedeutender Berg abseits, der nur durch den Wachtturm auf ihr und dadurch dass die Gefährten dort rasten überhaupt interessant wird. Mittelerde ist voll von solchen Türmen. Die Feuerspitze ist ein Vulkan. Groß, rot, Schnee bedeckt. Das Zentrum des Kontinents Balior. Der Nabel der Welt, und ganz nebenbei inspiriert vom Etna (Ätna,) an dessen Hängen die Hälfte meiner Familie wohnt. Wenn ich abends auf der Dachterrasse sitze, sehe ich ihn. Und er glüht…

Wenn du heute auf die Balior Chroniken zurück blickst (selbst hinsichtlich der Tatsache, dass noch nicht alle Bände erschienen sind), würdest du sagen, dass du zufrieden mit den Büchern bist? Und gibt es eventuell etwas, was du definitiv anders machen würdest?

Es gibt immer etwas, das man ändern möchte. Zwei Gedanken dazu. Erstens kenne ich es aus der Musik. Wenn man eine CD/LP gemacht hat, kann man froh sein wenn man nach einem Jahr noch denkt „Ok, die ist zu 75% so wie ich sie haben will“. Zweitens gibt es einen Regisseur im Impact Umfeld, der einen wirklich professionellen Horror/Splatter Film dreht. Seit 12 Jahren. Denn immer wieder ist der Effekt veraltet, diese Variante besser, digital besser als S8, was auch immer… Das Ding wird niemals fertig. Es ist eine Art Running Gag. Man muss ein Buch, eine CD, ein Bild sehen wie einen abgeschossenen Pfeil. Natürlich arbeiten wir an den Büchern, Rechtschreibung etc. Aber im Kern ist das die Geschichte. So wie ich sie erzählen wollte. Wie ich sie lesen wollte.

Auch wenn es dir sicherlich auf die Nerven geht, dich damit beschäftigen zu müssen, aber wie gehst du mit den Vergleichen zu Tolkien um, die hier und da (unter anderem ja auch von mir) eingebracht werden?

Eher als Lob. Was soll man sagen? Er hat das Rad erfunden.

Nachdem „Fengrin“ eher ein klassisches Abenteuer einer Gruppe von (späteren) Helden gewesen ist, ist dein jetzt erschienener „Bund der freien Völker“ eher an den Begriff Chronik angelehnt und betrachtet das Geschehen in der Welt mit einem sehr viel größeren Blickwinkel. War dieser Kontrast zwischen den beiden Bänden beabsichtigt oder hat er sich eher zufällig ergeben? Wie wichtig ist es dir im Nachhinein, dass der Bund alles in allem sehr viel größer wirkt als sein direkter Vorgänger?

Ich habe die Bücher nicht chronologisch geschrieben, der letzte Teil „Licht und Schatten“ ist das Buch was „einst“ „Balior“ hieß. „Balior“ warf Fragen auf. Fragen, die eine Flut, ein Anfang, beantworten konnte. Ich wollte das Land vorstellen, die Familien. Die Völker. Fengrin war ideal dafür. „Fengrin“ steht wie ein Wegweiser in der Mitte von allem. Er zeigt in die Vergangenheit in den „Zwergenaufstand“, er weist in die Zukunft zum „Bund“ und „Licht und Schatten“ und er weist nach Osten zur „Ostlandsaga“. Fengrin hat seine Berechtigung, so wie der Bund seine. „Licht und Schatten“ wird wieder näher an einer Quest sein.

Wir dürfen uns jetzt noch auf den „Zwergenaufstand“ als Prequel zum bisher erschienen und auf „Licht und Schatten“ als Fortsetzung freuen. Gib uns doch bitte einen kleinen Ausblick auf das, was uns dort noch erwartet.

Irgendwie schreiben sich die Sachen von alleine, wenn „Balior“ der Meinung ist, da ist was zu sagen, wird „Balior“ sich bei mir melden. Es gab bisher kein Script. Eins griff ins Andere. Erst heute, mit dem Wissen von über 1000 Seiten kam ich auf die Idee, für das „Ostland“ ein „Gerüst“ zu erstellen. „Licht und Schatten“ schließt also im Winter den Kreis. Ich hoffe das Buch tut diese stimmig.

Der „Zwergenaufstand“ liegt mir besonders am Herzen. Etwas Silmarillion und eventuell auch zu idyllisch am Anfang, aber ich glaube dass es so wie es dort beginnt auch begonnen haben muss. Ich bin mir sicher es war so!

Das soll es von meiner Seite aus dann auch schon gewesen sein. Danke für deine Zeit, die berühmten letzten Worte gehören damit dann natürlich dir.

Mein erstes Interview als Autor. Historisch!

Ich packe nun meine Sachen und fliege nach Afrika wo ich einige Tage lang, zu Fuß, Löwen und Elefanten suche, mit einem Guide natürlich und mit einem Fotoapparat. Wenn ich so drüber nachdenke: Ich glaube es ist gut, dass die Bücher soweit fertig sind.

Viel Spaß auf Balior!

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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