Diese Ausgabe von “All eyes on…” freut mich persönlich besonders, da ich mit Fug und Recht sagen kann, dass der Autor, mit dem wir uns heute beschäftigen einer meiner Lieblingsschriftsteller ist. Nun ist es aber manchmal so, dass man eine Interviewanfrage zur falschen Zeit stellt. Zum Beispiel, wenn jemand gerade in den Vorbereitungen zu seinem neuen Werk steckt. Umso mehr freuen wir uns natürlich, dass Michael Robotham sich trotzdem die Zeit für ein paar Antworten genommen hat, auch wenn das Interview heute kürzer ausfällt als gewohnt.

Michael Robotham wurde im November 1960 in New South Wales, Australien, geboren. Seine Karriere begann 1979 als Journalist beim Sidney Telegraph. 1993 begann er schließlich, sich dem Schreiben zu widmen, arbeitete als Ghostwriter und Autor für Biografien, unter anderem für Geri Halliwell. Die von ihm verfassten Biografien verkauften sich über zwei Millionen Mal. 2004 erschien sein erster Roman “The Suspect”, welcher in 22 Sprachen übersetzt und ein internationaler Bestseller wurde.

Robotham ist verheiratet, hat drei Töchter und lebt in Avalon, Australien.

Dt. Bibliografie

  • Adrenalin
  • Amnesie
  • Todeskampf
  • Dein Wille geschehe
  • Todeswunsch
  • Der Insider
  • Bis du stirbst
  • Sag es tut dir leid

Und nun wünschen wir viel Spaß mit dem Interview!

michael robothamBitte erzähl uns, wie du Autor geworden bist. Wie hat deine Karriere angefangen? Wusstest du schon immer, dass du schreiben wolltest oder hattest du auch andere Jobs?

Ich wollte Schriftsteller werden, als ich noch ein Junge war und in einer Outback-Stadt in Australien aufgewachsen bin, aber ich hatte das Gefühl, dass Marc Twain schon die besten Geschichten gestohlen hat. In bin direkt von der Schule in eine Journalismus-Ausbildung bei einer wichtigen Zeitung in Sydney gewechselt. Ich dachte, dass Journalismus mir das Material zum Schreiben geben würde. Ich bin viel herum gekommen, habe in Groß Britanien, Amerika, Europa und dem Subkontinent gearbeitet. Als Youngster hatte ich keine Zweifel an meinen Fähigkeiten – ich brauchte nur eine Geschichte, die ich erzählen kann. Später, als ich älter wurde hatte ich das Material, begann mich aber zu fragen, ob ich das Talent habe.

Was ist mit deiner Inspiration? Woher nimmst du sie? Ganz speziell auch für die Fälle in deinen Büchern?

Als ich etwa 11 Jahre alt war, habe ich die Arbeiten von Ray Bradbury für ich entdeckt, dessen wahrscheinlich bekannteste Veröffentlichungen Fahrenheit 451 und Something Wicked This Way Comes (dt.: Das Böse kommt auf leisen Sohlen) sind. Man konnte nur etwa vier seiner Bücher in Australien bekommen, darum schrieb ich, naiv wie ich war, einen Brief, den ich einfach an Ray Bradbury c/o Random House, New York adressierte.Drei Monate später bekam ich ein Päckchen mit der Post. Darin waren die vier Bradbury-Titel, die in Australien nicht zu bekommen waren zusammen mit einem Brief des großen Mannes selbst, in dem er schrieb, wie aufregend er es finden würde, einen jungen Fan auf der anderen Seite der Welt kennen zu lernen. Das war eine großartige Geste und einer der Gründe, warum ich mich dazu entschied, Autor zu werden.Was nun die Inspiration für die einzelnen Bücher angeht, kann die von überall kommen: Stories, die ich als Journalist aufgedeckt habe, Dinge, über die ich gelesen habe. Zwiesprache mit mir selbst, Alpträume. Die meisten Schriftsteller sind wie Laubenvögel, die helle, funkelnde Dinge aufsammeln oder in meinem Fall halt seltsame und düstere Dinge

.Wie sieht dein Alltag aus?

Er ist hart. Es ist wie Zähne ziehen. Es ist wie mit Handgranaten zu jonglieren. Glaubt mir, es gibt nichts schlimmeres als einen leeren Monitor. Ich stehe jeden Morgen mit dem Wecker auf. Dann muss ich mich entscheiden, ob ich mein Frühstück am Nord- oder am Südende des Strands zu mir nehme. Esse ich Spiegelei oder das Panini-Frühstück. Es ist wirklich nicht hart, ein Vollzeitautor zu sein. Boxen ist hart, da hauen dir andere Kerle ins Gesicht.Ich bin sehr glücklich darüber, dass tun zu können, was ich liebe. Ich schreibe jeden Morgen in Cafés, mit der Hand, denn das hält mich vom internet fern. Die Nachmittage verbringe ich dann mit dem Versuch, meine schreckliche Handschrift wieder zu entziffern.Ich weiß nicht, warum jemand wissen wollen würde, wie ein Autor schreibt. Es ist wie das berühmte Zitat Otto von Bismarcks über die Gesetzgebung: “Gesetze sind wie Würste. Man sollte besser nicht dabei sein, wenn sie gemacht werden”. Mit Büchern ist es das Selbe.

Kannst du uns etwas über deine zukünftige Arbeit verraten? Hast du bereits Pläne für neue Romane?

Der Nachfolger zu “Sag es tut dir Leid” ist ein weiterer, psychologisch angehauchter Thriller mit dem Psychologen Joe O’Loughling und dem früheren Polizisten Vincent Ruiz. Der englische Titel ist “Watching You” und es ist eine weitere düstere und verdrehte Geschichte über eine Frau, die ihr ganzes Leben gestalkt wurde. Aber ist sie auch glaubwürdig? Ist sie paranoid oder hat sie etwas zu verbergern? Oder wird sie tatsächlich beobachtet?

“Sag es tut dir leid” wurde gerade in Deutschland veröffentlicht. Kannst du uns einen Ausblick darauf geben?

Es ist düster, aber was habt ihr auch erwartet? Es wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, zunächst Piper Hadley, eine 15jährigen Mädchen, welches vor drei Jahren verschweunden ist, außerdem aus der des Psychologen Joe O’Loughlin, dem einzigen Menschen, der noch daran glaubt, dass sie noch am Leben sein könnte. Es gibt viele Twists und Wendungen und ein Ende, welches ihr als Leser hoffentlich nicht kommen seht.Als meine Frau “Dein Wille geschehe” gegengelesen hat, sagte sie hinterher, dass wir nie wieder zum Essen eingeladen werden würden, denn niemand würde einen kranken Bastard wie mich in seinem Haus haben wollen. Nachdem sie “Sag es tut dir leid” ausgelesen hatte, schüttelte sie den Kopf und sagte, dass die Dinner-Einladungen wieder weniger werden würden. Als Autor führst du ein einsames Leben.

Gibt es Ratschläge, die du jungen Menschen geben würdest, die sich auch daran versuchen wollen, ein Buch zu schreiben?

Schreiben, schreiben, schreiben – und wenn euch das Schreiben ankotzt, schreibt noch mehr. Das ist der einzige Weg, besser zu werden. Und wenn euch die Finger vom schreiben wehtun, müsst ihr lesen. Ich versuche, die wirklich großen Autoren nicht zu lesen, denn am liebsten würde ich dann weinen (ich weiß, dass ich nie so gut werden werde). Ich lese die unbekannteren Autoren, die Normalsterblichen und frage mich bei jedem Buch, wie man es verbessern könnte. Ich nehme sie auseinander wie einen alten Wecker. Was bringt es zum ticken? Wie funktioniert es? Wie könnte man es besser machen? Ein wirklich großartiges Buch könnte man nicht auseinander nehmen, denn man würde nicht einmal einen Ansatz finden.

Ela

Ela

Ich bin quasi das Gegengewicht zu Sebastian. Ich schreibe über all das, was an ihm vorbei geht. Jugendromane, Frauenromane, auch mal der ein oder andere Thriller, Komödien, Filme, in denen es um Freundschaft und Liebe geht, Comic- und Buchverfilmungen....sowas eben. In meiner Freizeit befasse ich mich vorwiegend mit dem Lesen und Schreiben, mit Filmen und Büchern, mit meiner Familie und Freunden und natürlich mit meinen Tieren. Ich koche und backe gern und bin vermutlich das schlimmste Assassin's Creed Fangirl, dem du je begegnet bist. Und ich liebe Musik! Immer und überall.
Ela