Es ist wieder einmal Zeit für einen Beitrag aus unserer Interview-Reihe und nachdem wir zuletzt vorwiegend deutschsprachige Interviews geführt haben, wird es nun mal wieder Zeit für einen internationalen Autoren. Und, wie sollte es auch anders sein, es handelt sich auch in diesem Fall um einen meiner Lieblingsautoren.

jeff strandJeff Strand, geboren 1970 in Baltimore, Maryland, schreibt schon seit seiner Jugend. Seine erste Veröffentlichung erschien, als er in der fünften Klasse war, in der Jugendsparte einer Tageszeitung. Ebenfalls seit seiner Jugendzeit ist Strand ein Horror-Geek, wie er sich selbst nennt. Er besuchte die University of Ohio (Creative Writing), verfasste Drehbücher, Theaterstücke und Kurzgeschichten. Seine erste Romanveröffentlichung war „Graverobbers Wanted (No Experience Necessary) (dt: Grabräuber gesucht)„, welches als eBook gestartet ist und Strands Liebe zu diesem Medium begründete. Insgesamt bringt Jeff Strand es mittlerweile auf über 30 Romanveröffentlichungen, von denen allerdings die Wenigsten bislang auf Deutsch erhältlich sind. Strands Veröffentlichungen zeugen alle davon, dass er eine Vorliebe für lustige Stoffe hat, denn bierernst geht es in keinem seiner Bücher zu – auch wenn die meisten davon klar dem Horrorgenre zugeordnet werden können. Ein Großteil der deutschen Veröffentlichungen ist bei Voodoo Press erschienen, weitere Titel sollen folgen.

Bibliografie (auf Deutsch verfügbare Titel):

Die Andrew Mayhem-Reihe:

  • Grabräuber gesucht
  • Alleinstehender Psychopath sucht Gleichgesinnte
  • Sarg zu verkaufen (nur einmal benutzt)

Einzelromane:

Kurzgeschichtensammlung:

  • Dead Clown Barbecue (Voodoo Press, 2016, limitierte Auflage)

Immer empfehlenswert ist ein Blick auf Jeffs Facebook-Profil und seinen Twitter-Account (beides sehr unterhaltsam!). Seine Homepage findet ihr hier.

So, nun wollen wir uns aber nicht mehr lange mit den trockenen Fakten aufhalten, sondern Mr. Strand selbst zu Wort kommen lassen. Viel Spaß mit unserem Interview. Wer brav ist, kriegt übrigens einen bislang exklusiven Tipp, wann mit Nachschub (wieder bei Voodoo Press) zu rechnen ist. Also, alles schön lesen ;-).

Hallo Jeff,

als erstes möchte ich mich für deine Teilnahme an unserer Interview-Reihe bedanken. Wärst du so nett, dich unseren Lesern kurz selbst vorzustellen?

Ich bin Jeff Strand. Normalerweise schreibe ich Horrorromane mit einer Menge Humor. Ich lebe in Tampa, Florida, USA und ich bin ein großer Fan von Haribo Gummibären. 

Dein Roman „Wolf Hunt“ ist gerade hier in Deutschland veröffentlicht worden. Wie üblich von Michael Preissl und Voodoo Press. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?

Ich wünschte, ich hätte eine aufregendere Antwort, aber tatsächlich hat Michael Preissl mir einfach eine Facebook-Nachricht geschickt, in der er fragte, ob die deutschsprachigen Rechte für meine Bücher verfügbar wären. Er hat mit „Benjamin’s Parasit“ angefangen, seitdem vier weitere veröffentlicht und es werden noch einige folgen! 

Bislang hast du 31 Bücher veröffentlicht, was fast wie ein Vollzeitjob erscheint. Tatsächlich hast du aber noch einen normalen Job neben dem Schreiben und promoten deiner Bücher und deinen Besuchen auf Conventions. Hast du jemals darüber nachgedacht, Vollzeitautor zu werden?

Ich habe die Biografie auf meiner Homepage nicht auf den neusten Stand gebracht… aber ich jetzt Vollzeitautor! Ich habe viele Jahre darüber nachgedacht, aber es ist nicht einfach, ohne anderen Job mit dem Schreiben genug Geld zu verdienen, zumindest nicht, wenn man mehr als einmal in der Woche etwas essen möchte. 

Deine Romane sind eine Kombination aus Horrorelementen, diversen blutigen Passagen und einem sehr speziellen Sinn für Humor (zumindest soweit ich sie kenne). Warum hast du dich dazu entschieden, die Comedy-Elemente in deine Veröffentlichungen einzubauen? Ist es dir wichtig, dass die Leser den Horror nicht zu ernst nehmen?

Tatsächlich lief es genau anders rum: Ich habe Horror in meine Comedy-Bücher gebracht. Ich bin aufgewachsen und wollte eigentlich Humor schreiben, keinen Horror. Ich versuche also nicht, so zu schreiben, dass die Leser es weniger ernst nehmen; es ist einfach die Art, wie ich schreibe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich jemals einen Horrorroman (oder irgendeinen anderen Roman) schreiben werde, in dem nicht eine Menge Humor vorkommt.

Du bist mittlerweile vier Mal für den Stoker Award nominiert worden. Ist diese Art von Erfolg dir wichtig?

Ich mag die Aufmerksamkeit, die meinen Büchern dadurch zuteilwird. Es interessiert mich nicht so sehr, ob ich die Preise selbst gewinne; ich habe nie auf einen Stoker abgezielt und wenn die Namen verkündet werden, bin ich normalerweise mehr auf meinen nächsten Witz konzentriert (ich war in den letzten Jahren Moderator der Verleihung der Stoker Awards) als darauf, ob ich gewonnen habe oder nicht. Aber wenn ich einen kurzen Lebenslauf verfassen muss, tauchen meine Stoker Nominierungen immer auf!

Du besuchst Conventions überall in den Vereinigten Staaten und pflegst über Facebook und Twitter einen engen Kontakt zu deinen Lesern. Wie wichtig ist dir dieser Kontakt zu deinen Fans? Und könntest du dir auch vorstellen, Conventions außerhalb der USA zu besuchen?

Ich denke, dass die sozialen Medien wichtig sind, mir macht es aber auch eine Menge Spaß. Ich würde den ganzen Tag in den sozialen Netzwerken rumhängen, wenn ich nicht auch neue Bücher schreiben müsste! Wenn irgendeine Convention außerhalb der USA mir den Flug bezahlen würde, wäre ich sofort da.

Wie gehst du mit schlechten Kritiken um? 

Kommt auf die Besprechung an. Wenn sie WIRKLICH schlecht sind, poste ich sie manchmal auf Facebook. Diejenigen, die sich nicht wirklich mit dem Buch beschäftigen („Die Verpackung war beschädigt! Ein Stern!“) nerven, aber ich ignoriere sie einfach. Manchmal gibt es schlechte Kritiken, die berechtigterweise wehtun, aber alle Bücher kriegen dann und wann schlechte Rezensionen, darum wische ich meine Tränen weg und mache weiter. Ich wirke nie auf den Rezensenten ein. Das wird immer ein Bumerang.

Wie arbeitest du? Benutzt du einen Computer, einen Stift oder eine Schreibmaschine? Hast du einen speziellen Platz, an dem du schreibst? 

Ich benutze einen Laptop und schreibe normalerweise auf der Terrasse hinter unserem Haus. Hier in Florida wird es endlich etwas kühler, darum ist es ein sehr angenehmer Platz um zu arbeiten.

Wie sieht ein normaler Tag in deinem Leben aus?

Wenn ich keine öffentlichen Auftritte habe, sitze ich den Großteil des Tages tatsächlich nur draußen und arbeite. Vielleicht sehe ich mir abends noch einen Film an. Außerdem jage ich die ganze Nacht Vampire, aber darüber möchte ich lieber nicht sprechen.

Hast du Idole oder Autoren, die deine Arbeit beeinflusst haben? 

Douglas Adams und Dave Berry haben mich am meisten beeinflusst.

Liest du viel? Gibt es Autoren, die du empfehlen würdest? 

Ich lese viel, aber längst nicht mehr so viel Horror wie früher. Ich tendiere mittlerweile mehr zu Leuten wie Jonathan Tropper, Dennis Lehane und Sara Gruen, was wohl von daherkommt, dass ich lange, lange Zeit kaum etwas Anderes als Horror gelesen habe.

Was inspiriert dich, woher nimmst du die Ideen für deine Geschichten? 

Es gibt gewöhnlich keinen „Aha! Das ist mein nächstes Buch“-Inspirationsfunken. Der Prozess ist nicht bei jedem Buch gleich, aber bei „Wolf Hunt“ zum Beispiel hatte ich zu Beginn nur die Idee, dass ich einen Werwolf-Roman schreiben wollte. Dann habe ich mich dazu entschieden, es mit einem Krimi zu kombinieren. Danach wollte ich, dass der Werwolf als Mensch genau so schrecklich sein sollte, wie als Werwolf. Und so weiter…

Wie lange brauchst du, um ein Buch zu beenden? 

Es dauert bis kurz vor der Deadline! Normalerweise 3-6 Monate, mit einer MENGE mehr fertigem Text im letzten Monat als zu Anfang.

Die Zeiten ändern sich und es wird immer mehr digitalisiert. Ziehst oder eBooks oder die guten alten Papierbücher vor? Wie sieht deine allgemeine Meinung zu eBooks aus?

Ich lese beides, muss aber zugeben, dass ich es vorziehe auf meinem Kindle zu lesen. Ich liebe eBooks. Mein erster Roman war vor sechzehn Jahren, als es noch jeder gehasst hat, ein eBook. Ich liebe es, dass alle meine Bücher dem Leser in ein paar Sekunden zur Verfügung stehen können. Ich will nicht, dass die gedruckten Bücher verschwinden, aber eBooks waren der Grund, warum ich meinen normalen Job kündigen konnte!

Wenn jemand zu dir kommen und dir erzählen würde, dass er Autor werden will, was wäre dein erster Ratschlag?

Beeil dich nicht zu sehr damit, veröffentlicht zu werden. Du kannst morgens einen Roman fertigstellen und ihn abends veröffentlicht haben, das bedeutet aber nicht, dass du es auch tun solltest. Es ist okay, ein paar „Übungsbücher“ zu schreiben.

Welche Art von Geschichte ist für dich am interessantesten zu schreiben? Kurzgeschichten, Novellen oder Romane? Und warum?

Ich mag sie alle. Ich denke, dass einige meiner besten Arbeiten in jedem dieser Formate vorliegen. Wenn ich nur in einem schreiben dürfte, würde ich die Romane wählen, denn ich bin am stolzesten, wenn ich einen fertigstelle. Spaß machen mir aber alle drei.

Was können wir in der Zukunft von Jeff Strand erwarten?

Der nächste Roman, der ins Deutsche übersetzt wird ist „Dweller“ (Anm.: geplant für Februar 2017), der von der jahrzehntelangen Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Monster, das im Wald hinter seinem Haus lebt, erzählt. Danach kommt „Mandibles“, worin es um gigantische Killerameisen geht.

Das wäre es dann von mir. Noch einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Die berühmten letzten Worte gehören dir. Willst du den deutschen Lesern noch etwas sagen?

Ich liebe euch alle! Ich wünschte, ich wäre bei euch, um die leckere deutsche Schokolade zu genießen!

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian