Wer unserem Blog eine Weile folgt, weiß dass wir immer wieder propagieren, dass gute Thrillerkost nicht zwangsläufig aus Übersee kommen muss, sondern auch vielmals vor der eigenen Haustür zu finden ist. Ein besonders gutes Beispiel für diese These ist unser heutiger Gesprächspartner, der auf der einen Seite sehr gute klassische Thriller verfasst, mit seinem Roman „Deathbook“ aber auch aufzeigt, wie wunderbar die Symbiose zwischen klassischem Buch und multimedialem Live-Abenteuer funktionieren kann. In meinen Augen eine der innovativsten Geschichten der letzten Jahre. Seine große Fanbase dankt es gerne mit ausverkauften Lesungen.

andreas winkelmann

(c) Andreas Winkelmann

Die Rede ist natürlich von Andreas Winkelmann. Geboren 1968 in Liebenau war er schon in Kindertagen von unheimlichen Gesichten fasziniert, was dazu führte, dass er bereits als Jugendlicher seine ersten Schreibversuche unternahm. Winkelmann lebt seine Literatur und kann für seine Veröffentlichungen auf zahlreiche persönliche Erfahrungen zurückgreifen. Seine aktuellste Veröffentlichung ist „Killgame„, welches derzeit mit zahlreichen Autorenlesungen beworben wird. Winkelmann lebt mit seiner Familie in der Nähe von Bremen.

Wer mehr erfahren möchte, dem sei seine Homepage sowie seine Autorenseite bei Facebook ans Herz gelegt.

Veröffentlichungen (Quelle: Wikipedia.de):

  • Der Gesang des Scherenschleifers. Neuer Europa Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-866-95940-8 (Neuauflage unter dem Titel Der Gesang des Blutes. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2013, ISBN 978-3-499-26666-9).
  • Tief im Wald und unter der Erde. Goldmann Verlag, München 2009, ISBN 978-3-442-46955-0.
  • Hänschen Klein. Goldmann Verlag, München 2010, ISBN 978-3-442-47125-6.
  • Bleicher Tod. Goldmann Verlag, München 2011, ISBN 978-3-442-47589-6.
  • Blinder Instinkt. Goldmann Verlag, München 2011, ISBN 978-3-442-47338-0.
  • Wassermanns Zorn. Wunderlich Verlag, Reinbek bei Hamburg 2012, ISBN 978-3-805-25037-5.
  • Deathbook. Wunderlich Verlag, Reinbek bei Hamburg 2013, ISBN 978-3-805-25064-1.
  • Höllental. Goldmann Verlag, München 2013, ISBN 978-3-442-47561-2.
  • Die Zucht. Wunderlich Verlag, Reinbek bei Hamburg 2015, ISBN 978-3-8052-5038-2.
  • Killgame. Wunderlich Verlag, Reinbek bei Hamburg 2016, ISBN 978-3-8052-5080-1.

So viel zu den nüchternen Fakten, nun wollen wir aber zum Kernstück des Beitrags kommen, dem Interview mit Andreas Winkelmann. Viel Spaß.

Hallo Andreas,

zunächst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, um uns ein paar Fragen zu beantworten. Wir wollen auch gar nicht lange schwadronieren, sondern direkt starten. Der Klassiker ist für uns die Selbstvorstellung, um die ich dich an dieser Stelle auch gerne bitten würde.

Ich kann mich nicht selbst beschreiben, ich bin ganz viele, das ist so bei Schriftstellern, wir spalten dauernd neue Persönlichkeiten ab. Für die Schreiberei ist das echt toll, aber fragen Sie mal meine Frau – eine echte Herausforderung!

Wenn man sich deine Biografie durchliest, scheint es so, als ob du schon eine Menge mitgemacht hättest, inklusive Nahtoderfahrungen. War es unter diesem Aspekt eine logische Instanz, Thrillerautor zu werden?

In der Tat war mein Leben bisher sehr abwechslungsreich und spannend, inclusive einiger Erlebnisse, die mich beinahe das Leben gekostet hätten. Aber meine Leidenschaft für Thriller – und auch Horrorliteratur – liegt in meiner Kindheit begründet. Ich habe schon sehr früh sehr viel in dem Genre gelesen und bin damit aufgewachsen und seitdem schwer traumatisiert. Selbst wenn ich wollte – was nicht der Fall ist – ich komme da nicht mehr raus.

Mir ist aufgefallen, dass deine Leser sich begeistert auf alles stürzen, was zu deinen Büchern und deiner Person geschrieben wird. Wenn man dazu dann deine Facebook-Seite anschaut, ist das nicht nur virtuell so, denn auch deine Lesungen sind ausverkauft – etwas, was nicht jeder Autor von sich behaupten kann. Hättest du zu Beginn deiner Karriere damit gerechnet, dass du einmal solchen Erfolg haben würdest? Und was ist dir dabei wichtiger, der Erfolg an sich oder die Nähe zu den Lesern?

Ich habe natürlich immer gehofft, als Schriftsteller erfolgreich zu sein, das tut wahrscheinlich beinahe jeder, der schreibt, aber wenn es dann passiert, ist es doch eine große Überraschung, und das nicht nur einmal, sondern immer wieder – was ich wirklich inspirierend finde und wofür ich zutiefst dankbar bin. Irgendwie traue ich dem Frieden aber noch nicht und befürchte, es könnte morgen wieder vorbei sein. Vielleicht ein Grund, warum ich so viel schreibe. Erfolg zu haben mit dem was man gern tut, wofür das Herz schlägt, ist wirklich ein großes Privileg und wird durch den Kontakt zu den Lesern noch intensiviert.

Als bekennender Outdoor-Freak hast du viel von dem, worüber du schreibst, selbst schon einmal gemacht. Für das Genre, in dem du schreibst sicherlich ein großer Vorteil. Könntest du dir trotzdem vorstellen, mal etwas gänzlich anderes als einen Thriller zu verfassen?

Kann ich mir vorstellen, und ich habe auch Ideen dafür im Kopf aber im Moment klappt das aus Zeitgründen nicht.

Wie sieht ein normaler Tag im Leben des Andreas Winkelmann aus?

Um sechs aufstehen, mit den Hunden raus, dann mit dem Frühstück an den PC, bis zum Mittag in Fantasiewelten abtauchen, am Nachmittag irgendwas Normales tun wie Sport treiben oder Fenster putzen, dann am Abend noch mal vor den PC für Überarbeitungen, Post erledigen oder neue Ideen entwickeln. Und das an sechs Tagen in der Woche. Ich liebe es!

Wie lange dauert es, bis du einen Roman fertig gestellt hast? Und wie darf man sich deine Arbeitsweise ganz allgemein vorstellen?

Ich benötige für die Rohfassung einer Geschichte drei bis vier Monate. Dabei gehe ich intuitiv vor. Ich setzte mich mit einer Idee an den PC und beginne zu schreiben, lasse sich die Geschichte und die Figuren entwickeln, wie sie es wollen, ohne vorher einen Plot oder einen roten Faden zu entwerfen. Das ist für mich die spannendste Art zu schreiben, bei der ich mich immer wieder selbst überrasche. Allerdings bedingt dieses Vorgehen zwei bis drei Überarbeitungen.

Woher nimmst du die Inspiration für deine Geschichten? Was fasziniert dich am Schreiben?

Inspiriert werde ich von allem, was ich lese, sehe und höre. Die Welt ist voller Inspiration, mitunter sind es kleine, unscheinbare Dinge, die sich dank meiner Fantasie miteinander mischen und eine Geschichte ergeben. Das ist es auch, was mich am Schreiben fasziniert. Ich antizipiere und erschaffe neue Konstrukte, die es vorher noch nicht gab.

Bei deinen Figuren gibt es nur selten einen Helden im klassischen Sinn. Erarbeitest du deine Charaktere gezielt so oder entwickelst du sie während des Schreibprozesses?

Meine Figuren entwickeln sich während des Schreibprozesses von ganz allein.

Mit „Killgame“ ist unlängst dein aktuellster Roman erschienen. Mir ist dabei aufgefallen, dass deine Umgebungsbeschreibungen sehr plastisch und bildlich sind, man hatte direkt den Eindruck, sich in Kanada zu befinden. Siedelst du die Handlung deiner Geschichten grundsätzlich in Orten an, die du selbst kennst?

Nein, nicht grundsätzlich, aber es hilft natürlich, mal dort gewesen zu sein. Ich habe in Kanada recherchiert und denke, man merkt es der Geschichte auch an. Ansonsten versuche ich immer, die Orte, an denen meine Geschichten zu spielen, aufzusuchen, dabei geht es nicht nur um die visuellen Eindrücke, sondern auch darum, etwas zu erfühlen.

Dein Roman „Deathbook“ kann wohl ruhigen Gewissens als einer der innovativsten Thriller der letzten Jahre gewertet werden. Wie ist dir die Idee zu dieser Verknüpfung von klassischem Roman und verschiedensten multimedialen Inhalten gekommen?

Mein Verlag fragte mich, ob ich mal ein reines Ebook schreiben möchte. Wollte ich, aber nur eines, das alle technischen und erzählerischen Möglichkeiten ausschöpft. Dass sich daraus ein solch umfangreiches und spannendes Projekt entwickeln würde, hatte ich anfangs auch nicht erwartet. Es hat sehr viel Spaß gemacht, auf diese Art das Lesen neu zu erfinden und die Realität mit der Fiktion derart zu verknüpfen. Mitunter wusste ich selbst nicht mehr, bin ich nun real oder fiktiv.

Ohne Kenntnis um die Entstehung des Buches und das Prinzip dahinter kann beim Leser der Papierausgabe (so zumindest bei mir, ich habe das Gesamtbild erst während des Lesens entdeckt) schnell der Eindruck aufkeimen, dass du sehr von dir selbst überzeugt wärst. Hast du viel Kritik in dieser Richtung bekommen? Ebenso interessant ist für mich, ob die Reaktionen der „multimedialen“ Leser anders ausgefallen ist als die der Buchleser.

Ich bin zwar als Schriftsteller die Hauptperson in Deathbook, aber man darf nicht vergessen, dass die beschriebene Person dennoch eine fiktive Figur ist, die mit mir als Mensch wenig zu tun hat. Es ging mir um die Verschmelzung von Realität und Fiktion und das ließ sich durch diesen Kniff sehr gut erreichen. Kritik habe in dieser Richtung keine bekommen. Natürlich war die multimediale Version des Deathbook eine vollkommen andere Leseerfahrung als die Printversion, das war aber auch so geplant. Und die Leser und Leserinnen der multimedialen Version waren von den darin enthaltenen Innovationen auch durchweg begeistert.

Aus „Deathbook“ könnte man jetzt schließen, dass du neuen Dingen gegenüber aufgeschlossen bist. Wie sieht unter diesem Aspekt deine Einstellung zum Thema eBook und der damit einhergehenden Piraterie aus?

Ich bin in allen Lebensbereichen neuen Erfahrungen gegenüber aufgeschlossen, ich suche sogar danach, und diese Haltung führt auch dazu, dass ich Innovationen wie zum Beispiel das eBook begrüße. Ich bin auch niemand, der in dem Neuen zuerst nach den Schwachpunkten oder Fehlern sucht, sondern nach den positiven Aspekten schaut. Leider gibt es natürlich Piraterie, leider entgehen Verlagen und Autoren Einnahmen, leider hat es dergleichen immer geben und wird es immer geben, aber darum auf Neuerungen verzichten? Das wäre schade.

Gibt es noch Wunschprojekte, die du gerne realisieren würdest oder ist der jeweils aktuelle Roman dein Wunschprojekt?

Da steckt die Antwort schon in der Frage. Woran ich gerade schreibe ist mein Wunschprojekt.

Bist du selbst Vielleser? Und gibt es Schriftsteller, die du uns besonders empfehlen würdest?

Ich lese selbst gern und viel, und zwar querbeet durch alle Genres. Ich mag Val McDermid, Jack Ketchum, Andreas Eschbach, John Connolly, James Herbert, Carlos Ruiz Safón … aber das sind nur die Namen, die mir gerade einfallen. Zur Zeit lese ich „Das geheime Leben der Bäume“.

Wenn du die Wahl hättest, den Roman eines völlig unbekannten Autoren als erster zu lesen oder stattdessen zum Beispiel den neuesten Stephen King, wie würde deine Entscheidung ausfallen?

Eindeutig den eines völlig unbekannten Autoren.

Wir möchten uns noch einmal bei Andreas für die Zeit, die er sich zur Beantwortung unserer Fragen genommen hat, bedanken und hoffen, dass ihr genau so viel Spaß mit seinen Antworten hattet wie wir. 

Wie sieht es bei euch eigentlich aus? Habt ihr schon einmal ein Buch von Andreas Winkelmann gelesen? Seid ihr Fans? Und wie würde eure Leseempfehlung aussehen?

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian