eierlikörtageOT: Pogingen iets van het leven te maken – Het geheime dagboek van Hendrik Groen, 83¼ jaar

Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Piper Verlag

Übersetzung: Wibke Kuhn

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Klappentext:

Hendrik Groen mag alt sein (83 1/4, um genau zu sein), aber er ist noch lange nicht tot. Zugegeben, seine täglichen Spaziergänge werden kürzer, weil die Beine nicht mehr recht wollen, und er muss regelmäßig zum Arzt. Aber deshalb nur noch Kaffeetrinken, die Geranien anstarren und auf das Ende warten? Kommt nicht in Frage. Ganz im Gegenteil. 83 Jahre lang hat Hendrik immer nur Ja und Amen gesagt. Doch in diesem Jahr wird er ein Tagebuch führen und darin endlich alles rauslassen – ein unzensierter Blick auf das Leben in einem Altenheim in Amsterdam-Nord. Das ist richtig lustig und zugleich so herzzerreißend, dass wir Hendrik am Ende dieses Jahres nicht mehr aus unserem Leben lassen wollen.

Kritik:

Dass ich nicht nur für Thriller und Horror zu haben bin, weiß jeder Stammleser vermutlich bereits – wer sich allerdings erst vor Kurzem bei Stuffed Shelves reingeklickt hat, weiß es halt jetzt. Es gibt diese Titel, die einem ins Auge springen und von denen man sich denkt „muss ich haben“. „Eierlikörtage“ war, so ungewöhnlich das Buch auch für meine Verhältnisse sein mag, einer dieser Fälle.

Als Leser sollte man den Untertitel „Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre“ dann auch durchaus wörtlich nehmen, denn „Eierlikörtage“ ist tatsächlich kein klassischer Roman, sondern in seiner Erzählform wirklich ein Tagebuch. Das sorgt auf der einen Seite natürlich dafür, dass man keinen klassischen Spannungsaufbau erwarten darf, auch wenn die einzelnen Episoden (beziehungsweise Tage) natürlich immer mal wieder miteinander verwoben werden. Besonders zum Schluss hin entwickelt sich dann aber doch noch eine Art roter Faden. Prinzipiell wirkt das Buch jedoch zumeist wirklich wie ein Tagebuch, in dem der Autor seine Gedanken zu Diesem und Jenem niedergeschrieben hat, was ihn am jeweiligen Tag beschäftigte. Die Bandbreite der Themen bewegt sich dabei von (im Jahr 2013) aktuellen politischen Themen (wobei logischerweise die für die Niederlande relevanten Themen dominieren) bis hin zu philosophischen Gedankengängen über Leben und Tod. Angereichert wird diese Mischung zu Beginn noch mit sehr viel bissigem Humor und Lästern über die Mitbewohner im Heim, welcher aber im späteren Verlauf ein bisschen zurückgeschraubt wird und nachdenklicheren Beiträgen Platz macht.

Sehr gelungen sind die Figuren des Buches (in den Niederlanden vermutet man den 61jährigen Peter de Smet hinter dem Pseudonym, dass es ein echtes Tagebuch ist, scheint also mehr als unwahrscheinlich). Hendrik selbst ist ein sehr sympathischer Charakter, der in seinen Gedankengängen jederzeit nachvollziehbar ist. Selbst mit 50 Jahren Abstand zu seinem Alter. Leider lässt „Eierlikörtage“ den Leser aber doch mit einigen Fragen hinsichtlich seiner Vergangenheit zurück. Manche Punkte, wie zum Beispiel seine familiäre Situation, werden zwar angeschnitten, aber nicht konsequent zu Ende geführt. Da ich hier aber die Handlung nicht vorwegnehmen möchte, empfehle ich einfach, auf die Erwähnung seiner Tochter und seiner Ehefrau und die damit verbundenen Informationen zu achten. Hier wäre ein bisschen mehr Input dann doch schön gewesen. Die Nebenfiguren sind ähnlich interessant wie der Hauptprotagonist. Auch hier ist auf jeden Fall ein hohes Maß an Sympathie gegeben, die Rentnerclique wirkt alles in allem sehr authentisch. Alle Akteure sind mir sehr schnell ans Herz gewachsen. Besonders Evert ist dabei einer meiner absoluten Favoriten (aber man sagt mir ja auch nach, ganzjährig ein Grinch zu sein, das passt also schon).

Stilistisch führte mich Hendrik Groen mit „Eierlikörtage“ auf ein eher unbekanntes Terrain. Ich bin kein großer Leser von Biografien und Tagebüchern und somit war die Erzählweise für mich zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Nach etwas Eingewöhnung flutschte der Text dann aber gut, auch wenn ich gestehen muss, dass es mir bis zum Schluss etwas schwer fiel, auf eine richtige Storyline zu verzichten. Präsentiert wird das Ganze mit einer runden Mischung aus Humor, Sozialkritik und diversen Tiefschlägen in Richtung des niederländischen Gesundheitswesens. Auch die zentrale Frage der Sterbehilfe (in den Niederlanden seit 2002 legal) wird immer wieder (und im späteren Verlauf immer häufiger) thematisiert, was mich dann doch mitunter etwas schlucken ließ. Die Übersetzung von Wibke Kuhn ist durchgehend stimmig und passt gut zum erzählten Text.

Fazit:

9Ausnahmsweise war es mal nicht Daniela, die mir ein für mich ungewöhnliches Werk nahe gebracht hat. „Eierlikörtage“ ist in seiner Erzählweise zwar etwas ungewöhnlich, machte aber durch die sehr sympathischen Figuren und die sehr gelungene Mischung aus kritischen Betrachtungen und Humor eine Menge Spaß. Auch wenn natürlich schnell deutlich wird, dass es sich nicht um ein echtes Tagebuch handelt, konnte ich mir zu jeder Zeit gut vorstellen, dass es das aber durchaus sein könnte. Es wirkt authentisch und stimmig. Bleibt nur zu hoffen, dass auch der in den Niederlanden bereits erhältliche Nachfolger seinen Weg nach Deutschland finden wird.

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Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian