hardcoreOT: Hardcore Henry (USA/ RUS 2015)

Regie: Ilya Naishuller

Darsteller: Sharlto Copley, Haley Bennett, Danila Kozlovsky

Freigabe: FSK 18
Laufzeit: 93 Minuten

Inhaltszusammenfassung:

Eben noch auf der Schwelle zwischen Leben und Tod, im nächsten Moment als kybernetisch aufgemotzte Kampfmaschine auf der Suche nach der eigenen Identität und den Entführern seiner Frau Estelle: Für Henry kommt es im futuristischen Moskau hammerhart. Lediglich unterstützt durch den schrägen Jimmy, muss er es nicht nur mit Heerscharen namenloser Söldner aufnehmen, sondern auch deren psychopathischen Boss Akan in die Schranken weisen, der eine Armee biotechnisch aufgerüsteter Soldaten produzieren will. Getreu dem Motto „Blut schlucken und schlucken lassen“ bleibt Stehaufmännchen Henry nichts anderes übrig, als bis zum finalen „Game Over“ auch den letzten der „Scheißkerle“ endgültig plattzumachen.

Kritik:

Zugegeben, ich war sehr skeptisch, was das Prinzip von „Hardcore“ angeht, denn wie ich schon öfters angemerkt habe, kann ich die Wackelkamera eigentlich überhaupt nicht ausstehen. Klar, sich dann so einen Film reinzuziehen spricht irgendwie nicht für konsequente Ignoranz, aber man ist ja schließlich offen für Neues.

hardcoreNeu ist an „Hardcore“ dann eigentlich auch nur die Erzählperspektive, denn in der guten alten Zeit wäre Charles Bronson die ideale Besetzung für die Titelrolle gewesen. Ein Mann sieht rot und metzelt sich durch 93 Minuten. Das wäre der Inhalt des Films in einem Satz. Man merkt also, die Story ist so antik, dass man sie wahrscheinlich in irgendeinem Museum ausgegraben hat. Macht aber nichts, denn von der Geschichte lebt Ilya Naishullers Regiedebüt ganz sicher nicht – auch wenn am Ende tatsächlich noch ein recht überraschender Twist präsentiert wird. Viel mehr ist es der permanent extrem hohe Adrenalinpegel, der den Film wie im Rausch voranprügelt. Mit Peitschen. Zu Trommeln von römischen Sklavengaleeren. Nachdem ich mich (erstaunlicherweise ziemlich schnell) an die ungewöhnliche Perspektive gewöhnt hatte, habe ich mich ein paar Mal dabei erwischt, dass ich nach dem Gamepad greifen wollte, „Hardcore“ wirkt tatsächlich wie ein gut gemachter Egoshooter auf Speed. Die Atmosphäre ist gelungen, die Action hat den Spannungsbogen locker unter Kontrolle. Lediglich einige offene Fragen zum Ende trüben den Spaß dann doch etwas. Aber vielleicht hat das Team nicht damit gerechnet, dass der Zuschauer sein Gehirn während des Films zumindest auf Standby mitlaufen lässt.

hardcoreDie Darsteller gehen in Ordnung. Viel mehr allerdings auch nicht. Unsere Hauptfigur Henry kriegen wir aus naheliegenden Gründen nur teilweise zu Gesicht und nicht zu Gehör (sein Sprachchip funktioniert nicht). Von einer darstellerischen Leistung kann man in diesem Fall also nicht sprechen. Aber hey, schön rennen und ballern konnte er! Haley Bennett als Henrys Geliebte/ Reanimatorin ist ein ganz nettes Beiwerk, allerdings kann man auch nicht von einer echten weiblichen Hauptfigur sprechen, sondern am ehesten vom Mittel zum Zweck. Einzig Danila Kozlovsky in seiner Rolle als psychopathischer Schurke Akan (mit telepathischen Fähigkeiten!) sticht aus dem Cast heraus, denn auch wenn an allen Ecken Overacting herrscht, ist der gute Mann doch ganz weit vorne dabei. Man merkt „Hardcore“ an, dass nicht viel wert auf einen glaubwürdigen und nachvollziehbaren Hintergrund der Charaktere gelegt wurde. Aber wozu auch, denn der Bodycount steigt und steigt und steigt und… ihr wisst schon.

hardcoreDie Effekte wissen zu gefallen. Während es anfangs noch eher verhalten zur Sache geht, steigert sich im Lauf der gut 90 Minuten das Actionlevel rasant. Und während Henry lernt, seine Cyborgfähigkeiten zu kontrollieren und einzusetzen, wird die Blutspur, die er hinterlässt immer breiter, der Grad der visuellen Härte höher. Am Ende ist es fast schon bizarr, was da über den Bildschirm flimmert. „Hardcore“ ist also nicht nur bei den Figuren, sondern auch in der Brutalität ziemlich over the top. Vermutlich ist diese comichafte Überzeichnung aber auch genau der Grund, aus dem der Film ungekürzt an der BPjM vorbei gekommen ist. Denn auch wenn gnadenlos übertrieben wird, spritzt und schmaddert es nach den ersten 15 Minuten an allen Ecken und Enden.

Fazit:

8Hardcore“ war eine handfeste Überraschung. Die Perspektive ist eigentlich überhaupt nicht meine Welt, aber nach einer kurzen Eingewöhnphase war mir das offen gestanden völlig egal. Der Film mag keine tolle Story haben, die Darsteller sind nicht überragend, aber wen kümmert das schon. Man hat schließlich das Gefühl, das erste Mal am Steuer eines völlig überzüchteten Sportwagens zu sitzen und das Gaspedal durchtreten zu dürfen. Denn nichts anderes macht „Hardcore„: Tempo vom Start weg, gepaart mit teilweise derbst überzogener Gewalt. Eine Inszenierung, die einfach Spaß gemacht hat, auch wenn durchaus die eine oder andere offene Frage noch hätte beantwortet werden dürfen.

Das denken die anderen:

Filmherum: 4/5 Sternen
Sneakfilm: 2,5/5 Sternen
Filmexe
Die Nacht der lebenden Texte

(c) des Bild- und Tonmaterials: Capelight Pictures

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Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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