asphaltseeleGebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Heyne Hardcore

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Klappentext:

Sie müssen diesen Bullen nicht mögen – aber Ruben Rubeck ist einer von den Guten!

»Mein Name ist Ruben Rubeck. Ich bin siebenundvierzig, sehe aus wie siebenundfünfzig und fühle mich manchmal wie siebenundachtzig. Geschieden, kinderlos und Kriminalkommissar, was in meinem Alter ein lächerlich niedriger Dienstgrad ist, aber das geht mir am Arsch vorbei. Ich komme zurecht. Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist mein Revier. Viele denken, ich würde da wohnen, weil es bei mir für mehr nicht reicht, weil ich mich im Dreck wohlfühle und mit meinem Gesicht sowieso nirgends sonst in Frankfurt eine Wohnung bekäme, aber das stimmt nicht. Ich hab’s einfach gerne nah zur Arbeit.«

Kritik:

Wie kann man es sich wohl vorstellen, wenn eine Frankfurter Version von Kodderschnauze Schimanski auf John McLane trifft? Das Ergebnis könnte Ruben Rubeck heißen, welcher der Hauptprotagonist des Thrillers „Asphaltseele“ ist.

Zugegeben, am Anfang fiel es mir relativ schwer, mich auf das Buch einzulassen. Der Roman geht zu Beginn ziemlich in die Vollen und gibt eine Menge Gas. Dann passiert jedoch lange Zeit wenig bis gar nichts. Weber nimmt sich Zeit, um seine Hauptfigur einzuführen. Etwas zu viel Zeit für meinen Geschmack, denn streckenweise gab es schon die eine oder andere Länge, wenn man Rubeck beim Joggen oder im Boxclub begleitet, ohne dass man dadurch in der Geschichte voran käme. Ach ja, die Saufexzesse und Vögelei im Puff darf man auch nicht vergessen. Das alles ist wenig gehaltvoll und verpasst dem Spannungsbogen einen merklichen Dämpfer. Wenn das Buch dann wieder in die Pötte kommt, geht alles ganz schnell. Es gibt eine Menge Action und ein Ende, welches sehr abrupt kommt. Ich hatte ein bisschen das Gefühl, als ob ich etwas verpasst hätte. Auch der finale Twist von „Asphaltseele“ ist leider nicht so überraschend, wie er vielleicht hätte sein sollen.

Was die Figuren angeht, kann sich Gregor Weber zumindest auf die Fahne schreiben, einen untypischen Protagonisten erfunden zu haben. Ruben Rubeck (die arme Sau tut mir schon wegen des Namens irgendwie leid) ist alles, aber kein klassischer, sauberer Bulle. Während des Lesens fühlte ich mich ein ums andere Mal an das Unikat Horst Schimanski erinnert, dazu gibt es eine Prise „Stirb Langsam„. Glücklicherweise bleibt dabei die Eigenständigkeit der Figur aber nicht ganz auf der Strecke. Alles in allem führt diese Mischung aus unterschiedlichen Charakteren aber leider dazu, dass Rubeck mitunter schon etwas zu cool rüber kommt. Hier wäre etwas mehr Bodenständigkeit wünschenswert gewesen.

Vollständig überzeugen konnte mich „Asphaltseele“ aber zumindest mit dem Schreibstil. Analog zur Hauptfigur ist der nämlich ebenfalls alles andere als typisch Thriller. Weber verpasst seinem Erstling eine äußerst rotzige Stimme, die sehr umgangssprachlich daher kommt und das eine oder andere Mal für ein Schmunzeln bei mir sorgte. Sicher, zu Beginn musste ich mich daran erstmal gewöhnen, aber mit jeder Seite hat diese Art zu schreiben mir mehr Spaß gemacht.

Fazit:

7Asphaltseele“ von Gregor Weber ist ein ordentliches Debüt. Der frische, rotzige Stil und die Hauptfigur mit Schimmi-Attitüde sind mal was anderes. Allerdings bleibt dafür auch eine Menge auf der Strecke. Die Geschichte stockt besonders auf den ersten 100 Seiten immer mal wieder und ist mit vielen Klischees beladen. Auch hätte Rubeck insgesamt etwas bodenständiger sein können. Trotzdem, ich würde gerne mehr von Weber lesen, in der gleichen markanten (Straßen-)Sprache, aber mit einem konstanteren Spannungsbogen.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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