green roomOT: Green Room (2015)

Regie: Jeremy Saulnier

Darsteller: Imogen Poots, Alia Shawkat, Anton Yelchin, Patrick Stewart

Freigabe: FSK18
Laufzeit: 91 Minuten

Inhaltszusammenfassung:

Ein absolutes Worst-Case-Szenario: Mit dem letzten Tropfen Benzin und völlig abgebrannt, schafft es die Punkband „Ain’t Rights“ gerade noch zu ihrem Gig in einer entlegenen Kneipe im amerikanischen Nirgendwo. Das Publikum besteht ausschließlich aus Nazi-Skinheads und der Plan, sofort nach dem Auftritt abzuhauen, scheitert, als sie unfreiwillig Zeuge eines brutalen Mordes werden. Der gnadenlose Anführer der Nazi-Gang, Darcy Banker (Patrick Stewart), befiehlt seiner Kampftruppe, alle Zeugen des Verbrechens zu eliminieren. Die Band verbarrikadiert sich gemeinsam mit der Skin-Braut Amber (Imogen Poots) im Backstageraum. Es folgt ein erbarmungsloser Showdown Skins vs. Punks. Als der Bodycount steigt, müssen sich die Überlebenden etwas einfallen lassen, um dem grausamen Katz-und-Maus-Spiel ein Ende zu bereiten…

© Universum Film

Kritik:

Patrick Stewart ist, trotz dem Ruf, der ewige Captain Picard zu sein, in der Lage, so ziemlich jeden Film aufzuwerten. Ob man es glaubt oder nicht, der Mann ist tatsächlich sehr wandlungsfähig und gehört schauspielerisch mit Sicherheit ins Oberhaus. „Green Room“ ist nun einer dieser Filme, die völlig fernab von Star Trek oder X-Men ist. Stewart als Anführer einer knallharten Neo-Nazi-Gang. Musste ich einfach sehen.

green roomDer Film startet dann allerdings eher verhalten. Das Script nimmt sich Zeit, die Hauptfiguren einzuführen, was wohl beim Zuschauer für Mitleid mit der armen Punkband sorgen soll. Das funktioniert allerdings nur bedingt. Interessant wird es dann etwa ab dem zweiten Drittel. Nachdem der Mord geschehen ist, nimmt „Green Room“ Fahrt auf. Die Spannungskurve springt steil in die Höhe, als die Gang die Hetzjagd auf die Band beginnt. Durch das beengte Setting kommt zudem eine sehr klaustrophobische Atmosphäre auf, welche zusätzlich durch die Deko am Set (Hakenkreuzfahnen, Keltenkreuze, SS-Banner, halt das volle Programm) noch einen ganzen Tick bösartiger wirkt. Zwar bleibt der Film über weite Strecken voraussehbar, was aber nichts daran ändert, dass das gezeigte temporeich und spannend umgesetzt ist. Das Ende ist zwar wenig überraschend, aber das Finale legt in Sachen Geschwindigkeit noch einmal nach. So kommt keine Langeweile auf.

green roomGreen Room“ ist zudem auch gut besetzt. Patrick Stewart als Darcy Banker gibt ein gutes Bild ab. Sein Charakter lässt den Zuschauer zumindest zu Beginn immer wieder zwischen Sympathie und Verachtung schwanken. Oft wird der Eindruck vermittelt, dass der Kerl ja gar nicht so schlimm ist und eigentlich nur eine friedliche Lösung anstrebt, um dieses Bild dann ein paar Szenen weiter wieder komplett ins Gegenteil zu verkehren. Stewarts Darstellung trägt diesen Charakter wunderbar und überzeugend. Doch der Film wird deswegen nicht zu One-Man-Show. Auch die anderen Darsteller, allen voran der mittlerweile verstorbene Anton Yelchin, machen ihre Sache mehr als ordentlich. Die gezeigten Emotionen wirken überzeugend, man nimmt den Kids ab, dass sie in Panik sind. Und vor allem, dass sie leiden. Auf Seiten der Nazi-Gang ist natürlich das Gegenteil der Fall. Auch hier gibt es keine Ausbrüche nach unten, sodass ich die Leistung insgesamt als solide bis ziemlich gut bewerten würde. Leider muss man aber sagen, dass ein Großteil der Charaktere den gängigen Klischees entspricht und die Figuren selbst dadurch mitunter den Eindruck von Abziehbildchen vermitteln.

green roomEffektmäßig gibt es dann allerdings nicht viel zu sehen. „Green Room“ driftet trotz der 18er-Freigabe nicht in Splattergefilde ab. Dass sie trotzdem gerechtfertigt erscheint, liegt vor allem an der zutiefst bösartigen Atmosphäre des Film. Zusätzlich werden immer wieder visuelle Härten eingebaut, die es mitunter sehr in sich haben. Sie wirken aber insgesamt realistisch und nicht überzogen blutig. Natürlich trägt das zu „gefühlten“ Brutalität des Films bei, denn wenn man das bisschen Wissen über die Nazi-Szene in den USA zusammenkratzt, kann man sich durchaus der Vorstellung hingeben, dass die Ereignisse des Films ohne weiteres so passieren könnten. Und das ist der eigentliche erschreckende Punkt.

Fazit:

9Green Room“ ist ein sehr gutes Beispiel für einen absolut runden Thriller. Das Setting ist zwar klein, aber sehr überzeugend. Gerade durch den beengten Raum kommt eine sehr fiese Atmosphäre auf, die den ab dem zweiten Drittel des Film sehr starken Spannungsbogen gut trägt. Darstellerisch ist alles im grünen Bereich, jeder Beteiligte liefert eine überzeugende Leistung ab, auch wenn einige der Figuren mitunter doch ziemlich klischeebeladen sind.

© des Bild- und Tonmaterials: Universum Film

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Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
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