gone girlOT: Gone Girl

Broschiert: 576 Seiten
Verlag: FISCHER Scherz; Auflage: 3 (19. August 2013)

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Inhaltszusammenfassung:

Nick und Amy Dunne scheinen das perfekte Paar zu sein. Doch wie so oft kriselt es auch hinter dieser Fassade. Beide sind arbeitslos, beide sind unzufrieden. Genau an ihrem 5. Hochzeitstag verschwindet Amy spurlos, das Haus der beiden weist auf einen Kampf hin. Schnell führen die Indizien zu Nick und es dauert nicht lange, bis aus dem Vermisstenfall eine Mordermittlung wird. Nick versucht, seine Unschuld zu beweisen und wird dabei mit sich überschlagenden Ereignissen konfrontiert.

Kritik:

“Gone Girl” gehört zu diesen Büchern, bei denen sich die Kritiker mit Lob überschlagen. Normalerweise schon ein Grund, die Alarmglocken nicht zu ignorieren. Auf der anderen Seite fragt man sich natürlich auch, ob sich so viele Leute abseits meines Geschmacks bewegen können. Die ganz klare Antwort darauf: jein.

“Gone Girl” ist nämlich bei genauerer Betrachtung nicht der Thriller, als der er gerne einmal verkauft wird. Auf der anderen Seite aber  auch nicht das “brilliante Psychogramm”, von dem man auch öfters mal liest. Das Buch bewegt sich in der Schnittmenge irgendwo dazwischen, was dazu führte, dass ich am Ende nicht sagen kann, ob es es Fisch oder Fleisch ist. Für einen echten Thriller fehlt die dauerhafte Spannung, es kam zwischenzeitlich immer wieder zu recht langatmigen bis langweiligen Zwischenpassagen, bei denen ich als Leser mich im Nachhinein fragen musste, ob das nun tatsächlich nötig gewesen ist. Für ein Psychogramm bleibt “Gone Girl” dagegen zu oberflächlich und ist mir nur in einigen (dafür aber sehr gelungenen) Punkten tiefschürfend genug. Sehr gelungen waren dafür im Gegenzug die immer wieder auftretenden Wendungen in der Storyline, auch wenn diese zum Schluss hin etwas vorhersehbarer wurden als noch am Anfang. Sie sind letztlich auch dafür verantwortlich, dass ich das Buch nicht irgendwann doch zur Seite gelegt habe, denn immerhin ist es Gillian Flynn so gelungen, den Leser tatsächlich bis zum Ende im Unklaren darüber zu lassen, wie diese Geschichte nun ausgehen wird. Das ist gut. Schlecht dagegen, dass das Finale selbst dann einfach nur enttäuschend und aufgesetzt wirkt und viel von den bis dahin positiv gesehenen Punken wieder revidiert.

Mängel auch auf der charakterlichen Seite. Man kann nicht sagen, dass Flynn sich bei der Ausgestaltung ihrer Figuren keine Mühe gegeben hätte, ganz im Gegenteil. Jeder hat seine dunklen Geheimnisse, irgendetwas, was er zu verbergen versucht und das ist natürlich gelungen und glaubwürdig. Eine Glaubwürdigkeit, die allerdings nicht auf Dauer gehalten werden kann, denn irgendwann werden speziell Nick und Amy dann doch irgendwie in eine völlig überstilisierte Rolle gepresst, welche mitunter schon hart an der Grenze des unrealistischen wandert. Weniger wäre mehr gewesen, würde man fast sagen. Ab etwa der Hälfte des Romans fehlt dann auch eine Identifikationsfigur, hatte man bis dahin noch einen recht guten Draht zu Nick wird dieser sehr schnell durch dessen Handlungsweise zerstört. Und von Amy wollen wir mal gar nicht erst anfangen, denn… aber halt, das sollte man bei Interesse tatsächlich selbst in Erfahrung bringen.

Stilistisch hingegen kann man sich über Gillian Flynn nicht beschweren. Es gelingt ihr, “Gone Girl” auf eine sehr zugängliche Art und Weise zu präsentieren, die sehr gut zu lesen ist. Hier und da wird auch noch die eine oder andere Spitze gegen das typische Männer-/ Frauenbild eingebracht, die den Leser doch etwas zu schmunzeln bringt. Bissig und gut, möchte man sagen. Hier hat die Autorin also auf ganzer Breite gewonnen.

Fazit:

4“Gone Girl” war keinesfalls das erhoffte Thriller-Highlight. Es fehlte eine klare Ausrichtung, denn das, was nun geboten wird, wusste nur halbwegs zu überzeugen und wirkte irgendwie immer ein bisschen “neben der Spur”. Wobei noch zu klären wäre, welche Spur nun die richtige gewesen ist. Für einen Thriller nicht spannend genug, für ein Psychogramm nicht tiefgreifend genug und alles in allem auch weit entfernt von “brilliant”. Diverse Längen und unsympathische Figuren sorgen dann abschließend dafür, dass ich “Gone Girl” nicht unbedingt weiter empfehlen würde.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian