planetenwandererOriginaltitel: Tuf Voyaging
Paperback: 512 Seiten
Verlag: Heyne Verlag

Übersetzung: Berit Neumann

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Klappentext:

Ökoingenieur Haviland Tuf steht vor einer kaum zu bewältigenden Aufgabe: Die Rettung der Menschheit

Die Menschheit hat sich in den unendlichen Weiten des Weltalls ausgebreitet. Überall sind neue Siedlungen entstanden, und jede Welt birgt neue Gefahren. Als der interplanetarische Händler Haviland Tuf eines der letzten Saatgutschiffe der Erde erwirbt, beginnt seine Odyssee quer durch den Weltraum. Eine Odyssee, auf der Haviland Tuf vom einfachen Händler zum gefeierten Retter der Menschheit wird. Denn sein Schiff, die Arche, birgt in seiner Gen-Datenbank den Schlüssel, mit dem sich alle Probleme lösen ließen – oder der die Menschheit vernichten kann … Mit Planetenwanderer beweist George R. R. Martin, dass er wie kein Zweiter die Fantastik mit dem Realismus zu vermählen versteht.

Kritik:

Ich muss gestehen, dass ich lange um George R.R. Martins »Planetenwanderer« herumgeschlichen bin. Ich hielt (und halte) sein Mammutwerk »Das Lied von Eis und Feuer« nach wie vor für absolut überbewertet und bin im ersten Band mehrfach nicht über Seite 50 hinaus gekommen. Auf der anderen Seite ist die Thematik hier eine andere, von daher war es einen Versuch wert. Zumal Markus Solty sich von »Armageddon Rock« ja ziemlich begeistert zeigt.

Der Prolog war ernüchternd. Schwulstig ohne Ende und wirr geschrieben, sodass ich fast schon den Eindruck hatte, mich auf etwas eingelassen zu haben, was am Ende eine handfeste Enttäuschung wird. Aber ich habe weitergelesen. Glücklicherweise, denn »Planetenwanderer«, ein Episodenroman, entwickelte in der ersten Geschichte schnell eine interessante Dynamik und ein Tempo, welches sich gut an den Verlauf der Geschichte angepasst hat. Diese Art zu erzählen behält das Buch in den anderen Episoden bei. Diese sind, gemessen an der Auftaktgeschichte, allerdings wesentlich verhaltener. Stattdessen regen sie mehr zum nachdenken an. Martin beweist ein gutes Händchen dafür, jeder Story, die mit einem Umfang zwischen 50 und 150 Seiten eine angenehme Länge haben, eine eigene Atmosphäre zu geben. Auch ohne viel Action wird ein konstanter Spannungsbogen aufrecht erhalten. Zudem sind die Episoden, besonders der Abschlusspart des Buches, so geschrieben, dass sie einen guten Einblick in Martins Gedanken zum Thema Religion und Staat geben. Auch als Leser wird man über kurz oder lang anfangen, die Geschichten nachdenklicher zu betrachten. Vieles von dem, was sich in »Planetenwanderer« findet, lässt sich durchaus in unsere heutige Zeit übertragen.

Viele der Charaktere sind, bedingt durch die Episodenerzählung, als Nebencharaktere zu sehen. George R.R. Martin macht sich nicht die Mühe, sie mit einem übermäßig großen Hintergrund zu versehen. Das ist durchaus in Ordnung. Sie tun trotzdem was sie sollen und bringen die Geschichte voran. Leider muss man jedoch auch bei den Hauptfiguren sagen, dass sie verhältnismäßig oberflächlich bleiben. Natürlich, mit Haviland Tuf hat der Autor einen ungewöhnlichen Romanhelden geschaffen, der schon alleine durch die beschrieben Physiologie von der Norm abweicht. Allerdings fehlte mir auch hier ein bisschen mehr Background. Man weiß von Beginn an, was er ist, doch was ihn antreibt, woher er die Fertigkeiten hat, seiner späteren Berufung nachzugehen, all das bleibt im Verborgenen. Ich persönlich finde das etwas schade, denn alles in allem ist der Charakter sehr interessant ausgefallen, und hätte noch etwas mehr Tiefgang vertragen können. Auch sein weibliches Gegenstück Tolly Mune ist nicht sonderlich tiefschürfender ausgefallen. Man muss allerdings sagen, dass sie in den verschiedenen Episoden eine gut nachvollziehbare Entwicklung aufweist. Das weiß dann wieder zu gefallen.

Was den Stil angeht, konnte mich George R.R. Martin mit »Planetenwanderer« (endlich!) vollends überzeugen. Das Buch bietet eine gute Mischung aus nachdenklichen Passagen, dem »Science« in Science Fiction und hier und da ein bisschen Action. Wahrscheinlich, um das Ganze nicht zu nachdenklich werden zu lassen. Durch Tufs sehr spezielle Art und Weise kommt immer wieder mal ein bisschen humoristische Auflockerung dazu. Die Übersetzung von Berit Neumann liest sich angenehm flüssig.

Fazit:

8»Planetenwanderer« ist endlich das Buch von George R.R. Martin, von welchem ich sagen kann, dass es mir rundum gefallen hat. Die Episoden haben eine angenehme Länge, die Atmosphäre ist von Anfang bis Ende gelungen. Eine Menge Bezüge verweisen auf unsere heutige Zeit und regen zum Nachdenken an, ohne dass man den Eindruck hätte, es mit einem erhobenen Zeigefinger zu tun zu haben. Die Hauptfiguren könnten zwar etwas mehr Hintergrund vertragen, können insgesamt aber trotzdem noch überzeugen.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian