armageddon rockOriginaltitel: Armageddon Rag
Taschenbuch: 576 Seiten
Verlag: Heyne

Übersetzung: Peter Robert

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Klappentext:

1971 wird Peter Hobbins, der Sänger der legendären Rockband Nazgûl, während eines Konzerts auf offener Bühne erschossen. Zehn Jahre später gehen die übrigen Bandmitglieder, begleitet von dem abgebrannten Musikjournalisten Sandy Blair, wieder auf Tour. Doch noch während die Nazgûl ein furioses Comeback feiern, geschehen mehrere bestialische Morde. Sandy beginnt Fragen zu stellen, und schnell wird ihm klar, dass es bei den Konzerten der Band nicht mit rechten Dingen zugeht …

Kritik:

Es kommt selten vor, dass wir einen Titel hier doppelt besprechen. In diesem Fall ist es sogar ein absolutes Novum, denn „Armageddon Rock“ von George R.R. Martin hat seinen Weg ins heimische Bücherregal nur auf Grund der Gastrezension von Markus Solty gefunden. Sie klang so vielversprechend, dass ich auch selbst noch einmal zuschlagen musste.

Und was soll ich sagen. Eigentlich könnte ich mich Markus in allen Punkten anschließen. Ich war nie ein Freund von Martins Fantasy-Epos „Das Lied von Eis und Feuer„, doch schon nach „Planetenwanderer“ war ich froh, ihm noch eine Chance gegeben zu haben. „Armageddon Rock“ geht nun noch einmal eine völlig andere Richtung. Wobei „viele andere Richtungen“ wahrscheinlich wesentlich treffender wäre. Martin vermischt in diesem Roman, der im Original bereits 1983 erschienen ist, die verschiedensten Genres zu einer sehr interessanten Mischung. Es finden sich Versatzstücke auf dem Fantasy- und dem Mysterie-Bereich, dazu eine große Portion Thriller. Garniert wird das Ganze mit einem popkulturellen Einschlag, der das Lebensgefühl aus gleich zwei Jahrzehnten (den 60ern und den 80ern) gut einfängt. Dadurch entsteht eine sehr interessante, weil weitestgehend bodenständige, Atmosphäre. Diese wird immer wieder zusätzlich durch die Fantasy- und Mysterie-Elemente angeheizt und wirkt damit sehr eigenständig und originell. Durch den Turn Richtung Thriller kommt auch die Spannung nicht zu kurz, sondern bewegt sich durchgehend auf einem hohen Niveau, welches auch bis zum Schluss gehalten wird.

Armageddon Rock“ wirkt auch durch die Figuren außergewöhnlich. Zwar hat man zunächst den Eindruck, es mit ganz normalen Menschen in einer zugegebenermaßen schwierigen Zeit ihres Lebens zu tun zu haben, doch ändert sich das schlagartig, wenn die alten Hippiefreunde von Hauptfigur Sandy auftauchen. Hier wird dann besonders die Popkultur zelebriert, während in der zweiten Hälfte dann die phantastischen Themen etwas dominanter werden. In jedem Fall ist es Martin aber gelungen, mit jedem seiner Akteure eine einzigartige, nachvollziehbare und vor allem auch interessante Figur zu schaffen, welche für die Geschichte als solches auch unerlässlich ist.

Der Roman liest sich deutlich anders als noch „Planetenwanderer„. Zwar finden sich auch in „Armageddon Rock“ Stilelemente, die sich offenbar durch Martins gesamtes Schaffen ziehen (wie zum Beispiel kleinere, dafür aber halbwegs blutig ausgefallene, Gewaltspitzen), insgesamt hat er sich aber auch in diesem Punkt eine gesunde Originalität bewahrt. Die Sprache ist sehr bildhaft ausgefallen, sodass man die Umgebung immer unmittelbar vor Auge hat. Viel wichtiger ist aber noch, dass der Autor es geschafft hat, nicht nur Bilder vor meinem Auge entstehen zu lassen, sondern auch Songs einer Band fast schon hörbar zu machen, die es nie gegeben hat. Das ist ganz großes Tennis! All das wird in der deutschen Übersetzung von Peter Robert stimmig und zusammenpassend weitertransportiert.

Fazit:

10„Armageddon Rock“  ist ein Buch, welches sich in kein Genre pressen lässt. Zu vielfältig sind die unterschiedlichen Einflüsse, zu eigenständig die Geschichte. In jedem Fall ist es aber ein großartig geschriebenes und atmosphärisch wahnsinnig starkes Werk. Die Figuren wissen zu überzeugen, und der Soundtrack, der hinter meiner Stirn ablief, klang super. Ein echtes Highlight.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian