keine menschenseeleTaschenbuch: 400 Seiten
Verlag: Amrûn Verlag

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Klappentext:

Ein Waisenkind findet in einer streunenden Katze einen echten Seelenverwandten, einem charismatischen Fernsehmoderator fliegen alle Herzen zu, für eine junge Frau geht ihr sehnlichster Wunsch in Erfüllung, eine einsame Liebesbuchautorin findet einen Menschen, mit dem sie ihr Leben und ihr Heim teilen kann und jemand ist unterwegs, um sich endlich seinem Peiniger zu stellen. So einfach könnte es sein. Aber nichts im Leben ist so einfach.

Fünf Menschen, fünf Leben.
Eine gemeinsame Geschichte.
Ein gemeinsamer Albtraum.

Kritik:

Faye Hell? Wer bitte ist das? So war zumindest mein erster Gedanke, als mir „Keine Menschenseele“ in die Finger kam. Nicht falsch verstehen, ich habe keine Probleme damit, wenn jemand unter einem Pseudonym schreibt, jedoch muss ich bei so plakativen Namen zwangsläufig an „Autoren“ wie Marc Gore denken, die nun wirklich keinen bleibenden, ja nicht mal einen positiven Eindruck bei mir hinterlassen konnten. Aber man ist ja unvoreingenommen und darum gab ich dem Roman dann doch eine Chance.

Und ich bin froh, dass ich es getan habe! Der Autorin gelingt es von der ersten Seite an, eine ungewöhnliche, bedrückende, unheimliche Atmosphäre zu schaffen, die sich durch das komplette Buch zieht. Der Leser gewinnt ein Gefühl für die altehrwürdigen Hallen, die stilecht den Hauptschauplatz der Geschichte darstellen. Durch die Episodenform wird der Spannungsbogen, wenn auch auf eine eher ungewöhnliche Art, schnell aufgebaut und auf einem konstanten Level gehalten. „Keine Menschenseele“ ist allerdings kein harter Psychothriller im klassischen Sinn, die Spannung resultiert mehr aus dem allumspannenden Metaplot, der bis zum Schluss die Frage offen lässt, was es nun mit dem Hotel auf sich hat – und genau diese Frage beschäftigt den Leser auch tatsächlich bis zum Schluss. Auch die einzelnen Episoden haben natürlich ihren Reiz und sind geschickt miteinander verwoben, vor allem aber sorgen sie auch dafür, dass die Vielschichtigkeit des Buches in den Vordergrund gerückt wird.

Die Figuren des Buches gehen mit diesem Prinzip einher. „Keine Menschenseele“ lässt durch seine Erzählform tiefe Einblicke in die Vergangenheit der einzelnen Charaktere zu, sorgt dafür, dass man tatsächlich den Eindruck hat, sie von klein auf zu kennen. Was aber noch lange nicht bedeutet, dass man sie mögen muss. Gerade die Akteure der ersten beiden Geschichten sind alles andere als Bezugspersonen für den Leser. Sie sind, zumindest in einem Fall bedingt durch ihre Vergangenheit, einfach nur böse und abartig geraten. Niemand, den man sich in seinem Bekanntenkreis wünschen würde. Allerdings gelingt es Faye Hell sehr gut, durch ihre anderen Hauptfiguren ein Umdenken zu schaffen, den Leser dazu zu zwingen, sich eingehender mit den Figuren und ihren jeweiligen Geschichten zu beschäftigen. Und sich damit auch die Frage zu stellen, ob sie tatsächlich so böse waren, wie es beim ersten Lesen den Eindruck gemacht hat, oder ob sie vielleicht einfach nur auf der Suche nach etwas waren und sich ihre Entwicklung deswegen fast schon aufgezwungen hat.

Der größte Knackpunkt ist der Stil der Autorin. „Keine Menschenseele“ ist sehr anspruchsvoll, teilweise fast schon etwas altmodisch geschrieben. Dazu kommen häufige und sehr unmittelbare Wechsel in der Erzählweise, ein Umschwung von Täter auf Opfer auf die übernatürliche Ich-Erzählerin, die die Rahmenhandlung voran treibt. Ebenfalls wird immer wieder von der Gegenwart (auf die jeweilige Episode bezogen) auf die Vergangenheit der Figur gesprungen, was wie schon erwähnt sehr gut zur Vertiefung der Charaktere beiträgt. Das ist nun nicht zwangsläufig störend, aber man muss sich darauf einlassen wollen und können, anderenfalls wird man nicht viel Spaß mit dem Buch haben. Wobei „Unterhaltung“ ohnehin nicht das ist, was Faye Hell mit ihrem Debüt schaffen will, wie sie in ihrem Interview mit Phantastikon selbst sagt. Leider haben sich zum Schluss hin auch ein paar übersehene Rechtschreibfehler eingeschlichen, die sich aber immer noch im Rahmen halten und den Lesefluss nicht stören.

Fazit:

9Mit „Keine Menschenseele“ hat Faye Hell ein bemerkenswertes Debüt abgeliefert. Das Buch ist weit davon entfernt, ein schnell verdauliches Fast Food-Leseerlebnis zu sein, sondern fordert durch seine anspruchsvolle Schreibweise einiges vom Leser. Wer jedoch bereit ist, sich darauf einzulassen, wird mit einem außergewöhnlichen Buch belohnt, das auch noch einige Zeit nach dem Auslesen immer wieder in die Gedanken zurück kehrt, das zum Nachdenken über das Gelesene anregt. Das schaffen nicht viele Bücher.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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