der alte der die rache liebteOriginaltitel: Don’t ever look back
Hardcover: 313 Seiten
Verlag: Rütten & Loening Verlag

Übersetzung: Teja Schwaner

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Buck-Schatz-Reihe, Band 2

Klappentext:

Buck Schatz – der sympatischste, raubeinigste Alte seit Clint Eastwoods „Dirty Harry“ und Jack Nicholsons „About Schmidt“

Im Altersheim Valhalla wird Buck Schatz von einem alten Bekannten heimgesucht, Elijah, einer der legendärsten Kriminellen von Tennessee. Buck hat mit ihm noch eine Rechnung offen: Zu Bucks Glanzzeiten hat Elijah einen meisterhaften Bankraub begangen, den Buck nicht vereiteln konnte. Und nun bittet ihn Elijah um Schutz und Hilfe, dafür würde er sich stellen, nach fast fünfzig Jahren. Buck ahnt nichts Gutes, und bevor er sich versieht, steckt er wieder mittendrin in einem ausgeklügelten Plan von Elijah und ist in höchster Lebensgefahr.

© Aufbau Verlag

Kritik:

Der Alte, der die Rache liebte“ ist einer dieser Fälle, bei denen man schon im Vorfeld vorsichtig hätte sein müssen. Der erste Band der Reihe, „Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten“ hat mich seinerzeit aus den Socken gehauen. Ich fand Buck Schatz großartig, fand die Art zu erzählen toll … kurzum: Ich fand das Buch genial. Da nachzuziehen ist natürlich eine nicht ganz einfache Aufgabe für Daniel Friedman.

Und um es gleich vorweg zu nehmen: Es gelingt ihm auch nicht. „Der Alte, der die Rache liebte“ erzählt im Grunde genommen gleich zwei Geschichten, die direkt miteinander in Verbindung stehen. Im Jahr 2009 ist Buck Schatz, noch schwer gezeichnet von den Ereignissen im ersten Band, auf der Jagd nach einem mysteriösen Schatten aus seiner Vergangenheit. Analog dazu erzählt das Buch auch den Fall aus dem Jahre 1965, in dem Schatz das erste Mal auf den mysteriösen Elijah traf. Prinzipiell funktioniert das auch gut. Beide Storyteile haben ihren ganz eigenen Spannungsbogen und ihre eigene Atmosphäre. Mir persönlich gefällt dabei der Part in der Vergangenheit noch wesentlich besser. Hier hat man es tatsächlich mit einem temporeichen Kriminalfall zu tun, der diverse Wendungen und Irrungen birgt. So sollte es ja auch sein. Die Atmosphäre weiß auch zu gefallen, Buck als Jude in einem Memphis zur Zeit der Rassenunruhen. Wirkt überzeugend und regt immer mal wieder zum Nachdenken an. Die Geschichte in der Gegenwart kann dem leider nicht das Wasser reichen. Zunächst einmal ist das Tempo Bucks Gesundheitszustand (ziemlich am Ende) angepasst. Es kommt eher selten Spannung auf und auch die Atmosphäre leidet natürlich darunter. Hier fehlt eindeutig der Aha-Effekt, den man im ersten Band immer mal wieder hatte.

Das größte Übel sind aber die Figuren. „Der Alte, der die Rache liebte“ stellt Buck sehr in den Mittelpunkt. An und für sich ist das nicht verwerflich, allerdings frage ich mich ernsthaft, wohin Friedman mit der Figur wollte. Zwar war Schatz auch im ersten Band ein zynischer Grantler, allerdings hatte man immer den Eindruck, dass er das Herz am rechten Fleck trug. Hier hingegen ist aus diesem zynischen Grantler ein verbitterter, bösartiger Mann geworden. Klar, hier und da gibt es immer noch gute Ansätze, in denen der Humor des Vorgängers durchschimmert, insgesamt für meinen persönlichen Geschmack aber viel zu selten. Auch fehlte durch den Umstand, dass Bucks Enkel Tequila nur eine Nebenrolle einnimmt, im zweiten Teil der Reihe der Pfeffer und der Generationenkonflikt in den Dialogen. Etwas, was „Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten“ ausgemacht hat. Auch der Vergangenheits-Buck hat nicht viel sympathisches an sich. Ein knüppelharter Bulle wie Dirty Harry, der seine Prinzipien hat und die mit dem Schlagstock durchsetzt. Hier und da scheint er sogar leicht rassistisch angehaucht. Das passt so gar nicht zu seinem jüdischen Hintergrund. Elijah funktioniert als Antagonist zwar ganz gut, aber sein Hintergrund scheint doch sehr klischeehaft und blass. Insgesamt überhaupt kein Vergleich zum ersten Band also.

Zumindest stilistisch hat sich nicht viel geändert. In den 65er-Passagen ist Friedman gewohnt tempo- und actionreich unterwegs und macht keine Gefangenen. Der Humor hingegen kommt in beiden Episoden für meinen Geschmack viel zu kurz. Hier hätte ich mir mehr gewünscht. Die Übersetzung von Teja Schwaner liest sich rund und flüssig.

Fazit:

5Was hat Daniel Friedman aus Buck Schatz gemacht? Zwar weiß die Geschichte selbst zumindest teilweise zu überzeugen, doch von dem Protagonisten, der mir im ersten Band so ans Herz gewachsen ist, ist in „Der Alte, die Rache liebte“ nicht mehr viel übrig geblieben. In der Gegenwart ein verbitterter, bösartiger alter Mann, in der Vergangenheit ein verbitterter, bösartiger nicht ganz so alter Mann. Es fehlen die pfiffigen Dialoge, es fehlt die Liebenswürdigkeit, die trotz aller Granteleien doch immer irgendwo da gewesen ist. Sehr schade, denn so ist das Buch eine der ersten Enttäuschungen des Jahres. Was nicht zuletzt aber wahrscheinlich auch an den großen Erwartungen lag, die ich hatte. Und, so schwer es mir fällt das zu sagen, ich denke, dass Daniel Friedman es damit auch gut sein lassen und Buck Schatz einen friedlichen Tod gönnen sollte. Einen etwaigen Nachfolger würde ich wahrscheinlich nicht mehr lesen.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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