der alte dem kugeln nichts anhaben konntenOT: Don’t Ever Get Old

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag

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Buck-Schatz-Reihe, Band 1

Klappentext:

„Wenn man die Chance hat, nichts zu tun, sollte man sie immer ergreifen.”

Buck Schatz genießt das ruhige Leben mit seiner Frau Rose. Seit sein Sohn gestorben ist, sitzt er am liebsten auf seinem Sofa, raucht eine Stange Lucky Strike am Tag und schaut Fox News. “Leidenschaft macht so viel Mühe”, ist sein Credo. Bis ihm sein Kriegskamerad Jim auf dem Sterbebett beichtet, dass sein Peiniger, der Lageraufseher Heinrich Ziegler, damals in einem Mercedes voller Nazigold fliehen konnte und noch lebt. Jim bittet Buck, ihn zu rächen. Buck denkt gar nicht daran, er ist inzwischen 87, und seine letzte Heldentat liegt 40 Jahre zurück. Aber nicht nur er hat von dem ominösen Gold erfahren. Der Schwiegersohn des Verstorbenen will Buck zu einer gemeinsamen Schatzsuche überreden. Der Pfarrer, Dr. Lawrence Kind, klopft eines Abends an die Tür und bittet um einen Anteil von dem Gold. Er muss seine Spielschulden bezahlen. Als er kurz darauf tot in seiner Kirche aufgefunden wird, ist auch Buck klar, dass er sich nicht so leicht aus der Sache wird heraushalten können. Dann ruft auch noch Bucks Enkel Tequila aus New York an, um ihn zu einer gemeinsamen Schatzsuche zu überreden. Es ist der Beginn eines turbulenten Verwirrspiels, aber auch der Beginn einer Freundschaft zwischen einem raubeinigen Großvater und seinem unterschätzten Enkel.

Kritik:

Und wieder einmal einer dieser Titel, die man so überhaupt nicht auf dem Schirm hat. “Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten”? Was bitte schön soll das denn sein? Das war zumindest meine erste Reaktion auf das Buch, auch wenn ich sagen muss, dass allein der Klappentext schon ungemein reizvoll klang und dafür sorgte, dass ich mich ziemlich schnell in das Buch verliebt habe. Und, das möchte ich vorweg nehmen, es war ein Roman, der trotz des seltsamen Titels wirklich lohnenswert gewesen ist.

Die Geschichte an sich ist dabei zwar nichts neues, Schatzjagden dieser oder ähnlicher Art gibt es bei den Krimiromanen zu Hauf. Das Besondere an “Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten” ist dabei aber neben der offensichtlich recht frischen (wenn auch eher in literarischer denn in “körperlicher” Hinsicht) Hauptfigur die Art und Weise, in der Friedman seine Geschichte erzählt. Das Buch startet gemächlich, offenbart dem Leser aber schon vom Start weg die Lebensphilophie des alten Juden Buck Schatz. Es wird dann aber auch schnell klar, dass der rüstige Rentner durchaus auch abseits seiner sehr zynischen Sichtweise ein hohes Unterhaltungspotential bietet. Nachdem die Geschichte erst einmal ins Rollen gekommen ist, steigt der Spannungsbogen rapide an und fesselt den Leser auch bis zum Schluss. Einen beträchtlichen Teil trägt dazu das gelungene Verwirrspiel mit den unterschiedlichen Figuren bei, in dem auch tatsächlich bis zum Finale hin unklar bleibt, wer nun mit wem auf mörderische Schatzhatz gegangen ist. Sehr undurchsichtig, sehr gelungen.

Die Figuren sind dabei allerdings die eigentliche Stärke von “Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten”. Besonders Hauptprotagonist Buck ist dabei ein echtes Unikum, welches zum einen durch seine zynische Sicht der Dinge und seinen beißenden Sarkasmus ein hohes Unterhaltungspotential in sich trägt. Ein weiterer Teil davon kommt vor allem in Verbindung mit seinem Enkel Tequila (wahlweise auch Riesling, Vodka, Rotwein… Schatz ist sehr kreativ in seiner Spitznamensfindung) zum tragen: diese typische Technikunkenntnis des durchschnittlichen 87jährigen – und das Unverständnis des Twens für diese Unkenntis. Wortgefechte, die einfach nur für ein Dauergrinsen sorgen, sind die logische Konsequenz. Auch die Nebenfiguren haben alle einen ganz eigenen Charme, auch wenn Friedmans Fokus ganz deutlich auf dieser ungleichen Kombination von Jung und Alt mit all ihren Konflikten liegt. Besonders schön war hierbei die Entwicklung in der Beziehung zwischen den beiden zu beobachten, die auf der einen Seite zwar amüsant, auf der anderen aber vor allem eines war: glaubwürdig.

Auch stilistisch fällt es schwer, etwas an Friedmans Debütroman zu bemängeln. Er hat eine wunderbare Mischung aus mitunter derbem Humor, emotionalen Bindungen und vor allem einem spannenden und rasanten Krimi zu Papier gebracht, die auf voller Linie zu unterhalten weiß. Seine Art zu Schreiben ist dabei seht gut zugänglich, auch wenn man hier und da meint, den Einfluss bekannter Kollegen durchschimmern zu sehen. Das macht “Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten” jedoch nicht weniger lesenswert, denn trotz leichter stilistischer “Bekanntschaften” ist das Buch immer noch ein eigenständiges Werk, welches mit Sicherheit in dieser Form nur selten vorzufinden ist.

Fazit:
10“Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten” war ein echter Kracher. Ein sarkastischer Opa mit misanthropisher Ader geht mit seinem Enkel zusammen auf eine Schatzjagd, die rasant, spannend und über weite Strecken auch unglaublich witzig ist. Ein tolles Verwirrspiel mit undurchsichtigen Priestern, Cops und Rentnern. Actionreicher, als in diesem Alter eigentlich gesund sein dürfte, war der Roman ein absoluter Pageturner und ein großartiges Debüt eines jungen Autoren, dessen Veröffentlichungen ich auf jeden Fall im Auge behalten muss.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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