ich bin kein serienkillerOriginaltitel: I Am Not a Serial Killer
Hardcover: 384 Seiten
Verlag: Piper Verlag

Übersetzung: Jürgen Langowski

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Klappentext:

Der 15-jährige John will ein ganz normaler Teenager sein, die Schule besuchen und Mädchen kennenlernen. Doch er weiß, dass in ihm ein düsteres Geheimnis schlummert. Es ist nicht nur das Interesse an Serienkillern, das sein ganzes Leben bestimmt, nicht nur seine Faszination vom Tod. Es ist die Furcht, dass er eines Tages selbst zum Killer wird. Denn John trägt ein Monster in sich. Und als unerklärliche Morde in der Stadt geschehen, muss er sich nicht nur einem dämonischen Gegner stellen, sondern auch sich selbst …

© Piper Verlag

Kritik:

Dan Wells war mir bislang nur vom Namen her ein Begriff. Er wurde mir zwar schon öfters empfohlen, gerne auch einmal mit dem Hinweis „Der geht total ab, das ist bestimmt was für dich“. Nun ja, so richtig habe ich mich nicht ran getraut. Bis nun schließlich „Ich bin kein Serienkiller“ unter dem Weihnachtsbaum gelegen hat. Da gab es dann keine Ausreden mehr.

Der Roman startet zunächst recht verhalten. Dan Wells nimmt sich viel Zeit, seine Hauptfigur – einen Fünfzehnjährigen, der sich selbst als Soziopathen sieht und Angst hat, ein Serienkiller zu sein – einzuführen. Er verwendet gut ein Drittel des Buches darauf, John aufzubauen, bevor er dann in die Vollen geht. Und das darf man gerne wörtlich nehmen. „Ich bin kein Serienkiller“ scheint zu Beginn noch auf das Thrillergenre zuzusteuern, nimmt dann aber doch kurz vorher die Abzweigung Richtung Horror. Die Geschichte kommt ordentlich in Fahrt, und legt ordentlich an Tempo zu. Durch die erste Person als Erzählperspektive fühlte ich mich sehr dicht am Geschehen, was dem Spannungsbogen ungemein gut tat. Auch die Atomsphäre hat dadurch noch einmal etwas zusätzlichen Aufwind erfahren. Wells hat außerdem nicht vergessen, die Reaktionen der Kleinstadt auf die bestialischen Morde einzufangen. Die Art, in der er sie präsentiert, erscheint erschreckend greifbar und realistisch. Auch das sorgt natürlich noch einmal für zusätzliche Stimmung. Das Finale ist dann sehr action- und temporeich ausgefallen, lässt den Leser aber letztendlich doch mit einigen Fragezeichen auf der Stirn sitzen. Nicht in einem negativen Sinn wohlgemerkt. Allerdings ist das Buch ziemlich linear erzählt, sodass es für Genrekenner über weite Strecken dennoch recht vorhersehbar bleibt.

Die Figuren wussten rundweg zu gefallen. An erster Stelle muss natürlich John Wayne Cleaver genannt werden. Schon alleine das Wortspiel, aus dem der Name entstanden ist, bekommt einen erhobenen Daumen. Da John ihn relativ weit vorne selbst erklärt, erlaube ich mir an dieser Stelle mal einen kleinen Spoiler. John Wayne bezieht er in seiner Selbstanalyse auf den Serienmörder John Wayne Gacy. Cleaver bedeutet übersetzt Schlachtermesser und zudem heißt sein Vater auch noch Sam. Er ist also zugleich auch der Son of Sam – ein weiterer bekannter Serienmörder. Brillant! Zwar gingen mir die dauernden Verweise auf den Umstand, dass er ein Soziopath sei, irgendwann etwas auf die Nerven, das ließ sich aber verschmerzen, da es Wells sehr gut gelingt, die anderen (Nicht-)Emotionen Johns wiederzugeben und seine Handlungsweisen durch die eingestreuten Erklärungen jederzeit nachvollziehbar zu halten. Auch das familiäre Umfeld ist sehr gut dargestellt, ebenso wie die damit verbundenen Belastungen im Verhältnis zwischen John und seiner Mutter. „Ich bin kein Serienkiller“ bringt zudem eine ganze Menge interessante Nebenfiguren mit, deren Bedeutung mitunter erst recht spät in der Geschichte offenbart wird. Aber auch sie sind trotzdem zu jeder Zeit überzeugend und im Falle von Johns Nachbar Crowley sogar für die eine oder andere Überraschung gut.

Auch stilistisch hat der Roman mir gut gefallen. Dan Wells hat, wie bereits erwähnt, die erste Person als Erzählperspektive gewählt. Nach der ruhigen Einleitung drückt er aufs Gaspedal und lässt es auch nicht mehr los. „Ich bin kein Serienmörder“ verbindet Elemente aus dem Horror, dem Thriller und teilweise auch aus dem Psychogramm zu einer guten, bildlich erzählten Geschichte. Und ja, Wells versteht sich tatsächlich auch darauf, Gewaltspitzen einzubauen, die nicht ohne sind. Das Gesamtbild wird durch die gute Übersetzung Jürgen Langowskis abgerundet.

Fazit:

8Ich bin kein Serienkiller“ ist genau das, als was es mir empfohlen wurde. Ein atmosphärisch gelungener, ziemlich spannender Horrorthriller. Die Wahl der Hauptfigur ist sehr interessant, auch wenn der ständige Hinweis auf Johns soziopathische Ader ab einem gewissen Punkt etwas nervig wird. Das fangen aber die Nebencharaktere, der permanent hohe Spannungsbogen und die temporeiche Erzählweise wieder auf.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian