fahr zur hölle, mr. bOT: Mister B. Gone

Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Festa Verlag

Mehr Infos auf der Verlagsseite

Klappentext:

Verbrennen Sie dieses Buch. Na los. Schnell, so lange noch Zeit ist. Verbrennen Sie es. Lesen Sie kein einziges Wort mehr. Haben Sie gehört? Kein. Einziges. Wort. Mehr.

Warum zögern Sie denn? Es ist doch nicht schwer. Hören Sie einfach auf zu lesen und verbrennen Sie dieses Buch. Es ist zu Ihrem Besten, glauben Sie mir.

(…) Nun gut, ich bin ein Dämon. Mein vollständiger Name lautet Jakabok Botch. Ich wusste einmal, was das heißt, habe es aber vergessen. Ich wusste es. Ich bin Gefangener dieser Buchseiten, in den Worten gefangen, die Sie gerade lesen, und ich verbrachte die meiste Zeit in der Dunkelheit, während dieses Buch über Jahrhunderte hinweg zwischen anderen Büchern stand, die kein Mensch jemals aufschlug. Und die ganze Zeit dachte ich daran, wie glücklich, wie dankbar ich wäre, sollte endlich jemand dieses Buch doch aufschlagen. Dies sind meine Memoiren, wissen Sie. Oder, wenn Sie so wollen, meine Beichte. Ein Porträt von Jakabok Botch.

Kritik:

Der Festa Verlag ist in erster Linie dafür bekannt, in Deutschland eher unbekannten amerikanischen Autoren eine Bühne zu bieten. Nun, seien wir einmal ehrlich: der Name Clive Barker gehört eigentlich so überhaupt nicht in diese Kategorie. Dennoch ist es natürlich erfreulich, dass ein nach wie vor eher kleiner Verlag, besonders wenn er sich auf die phantastische Literatur spezialisiert hat, nun auch einen solchen Kultautoren in seinem Repertoire hat. Festa und Barker – ein Dreamteam?

Die Geschichte selbst fängt dabei eher unscheinbar im neunten Kreis der Hölle an, mit einem Dämonen, der noch in den Kinderschuhen steckt. Schnell kamen hier erste Assoziationen zum absolut genialen “Tagebuch aus der Hölle” von Jeffrey Thomas auf – und wurden genau so schnell auch wieder zerstreut, denn diese Phase ist eine eher kurze im bewegten Leben des Jakabok Botch, kurz Mister B. Das Dämonenleben auf der Erde wird dann etwas episodenartig erzählt, ohne dabei jedoch zerhackt zu wirken. Die Story hat einen sehr angenehmen Fluss und wird in einem angemessenen Tempo erzählt. Spannend, temporeich und mit einer einzigartigen und zum Finale hin auch sehr abgefahrenen Atmosphäre. Barker nutzt in “Fahr zur Hölle, Mister B.” den kleinen, aber feinen Kniff, seine Hauptfigur zwischendurch immer wieder direkt mit dem Leser kommunizieren zu lassen. Dadurch fühlt man sich natürlich auch direkt angesprochen – und ja, ich muss gestehen, dass ich mitunter ein ziemlich fieses Grinsen auf den Lippen hatte, wenn ich trotz den Bitten des Dämons, das Buch doch endlich zu verbrennen, doch auf die nächste Seite geblättert habe. Simple Idee – hat in meinem Fall aber wunderbar funktioniert.

Die Figuren sind dabei fast schon Nebensache. Botch steht eindeutig im Fokus und ist auch sehr interessant gezeichnet. Zwiegespalten, verzweifelt, wütend… der Autor hat seinem Protagonisten eine sehr umfangreiche und ausgereifte Gefühlswelt verpasst, die nicht zu jeder Zeit “dämonisch”, sondern im Gegenteil sehr menschlich erscheint. Das gibt Mister B. einen zusätzlichen Reiz, da man als Leser vieles von dem, was in ihm vorgeht zu einem gewissen Grad nachvollziehen kann. Die meisten anderen Figuren (genau genommen gibt es in meinen Augen tatsächlich nur eine Ausnahme) sind hingegen tatsächlich nur Randerscheinungen, die ohne einen großartigen Hintergrund daher kommen und auch nach Abschluss einer Episode im Leben des Dämons wieder aus dem Buch und sehr schnell auch aus dem Gedächtnis des Lesers verschwinden. Das hat mich nicht sonderlich gestört, denn ihren Zweck haben sie dennoch erfüllt.

Stilistisch ist Clive Barker wohl mittlerweile über jeden Zweifel erhaben. Man muss sich von vornherein klar machen, dass man es hier nicht mit einem 08/15-Autoren zu tun hat, sondern mit jemandem, der sein Handwerk auf seine ganz eigene Art gemeistert und einen in meinen Augen absolut unnachahmlichen Stil hat. Der ist nicht immer einfach zu nehmen, da er die Phantasie des Lesers mitunter sehr an die Grenzen treibt, wenn man sich darauf aber erst einmal eingelassen hat, gelingt es Barker wie kaum einem anderen Schriftsteller, seine Leser zu packen und nicht mehr loszulassen. Und da ist auch “Fahr zur Hölle, Mister B.” keine Ausnahme. Wie immer sehr gut ist natürlich auch die Übersetzung von Joachim Körber, der meiner Meinung nach immer noch zu den Besten seines Fachs, vor allem im Bereich der Phantastik, gezählt werden kann.

Fazit:

8Man hat es nicht immer leicht mit Clive Barker. Sein Stil hebt sich in den Formulierungen deutlich vom Großteil der durchschnittlichen Horrorschriftsteller ab und hat eine ganz eigene künstlerische Note. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, bekommt mit “Fahr zur Hölle, Mister B.” einen hochklassigen Horror-Roman mit deutlichen Bezügen (und vor allem auch Seitenhieben) auf die reale Welt – und dabei in erster Linie die Kirche – vorgesetzt, der ungemein unterhaltsam ist und in erster Linie von der großartig gestalteten Hauptfigur lebt.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian