feuerstimmenTaschenbuch: 496 Seiten
Verlag: Piper Verlag

Mehr zum Buch auf der Verlagshomepage

Klappentext:

Mit dem preisgekrönten Roman »Die Trolle« und der Reihe um die »Sturmwelten« schrieb sich Christoph Hardebusch an die Spitze der deutschsprachigen Fantasy. Mit »Feuerstimmen« führt er alle Fans in eine neue Welt: Seit einer Ewigkeit lag der Schrecken in den Tiefen der Meere verborgen und war von den Menschen fast vergessen. Doch nun ist der fünfte Drache, ein allmächtiges Geschöpf der Finsternis, erwacht. Und er will etwas zu Ende bringen, das ihm vor Jahrhunderten nicht gelungen war: die Welt zu unterjochen. Im Verborgenen wächst die Macht des Drachen, und die Menschen erkennen erst spät, dass sie mehr und mehr zum Spielball der Dunkelheit werden. Während die junge Königin Elena alles versucht, um ihr Volk zu schützen, erfährt der Barde Aidan, dass er eine ganz besondere Gabe besitzt, die im Kampf gegen den Drachen die entscheidende Rolle spielen könnte – den Gesang der Magie …

Kritik:

Ich muss gestehen, dass ich Christoph Hardebusch bislang nur dem Namen nach kannte und noch keines seiner bisherigen Werke gelesen habe. Der Klappentext von „Feuerstimmen“ klang jedoch äußerst interessant und versprach, dass sich das Buch etwas vom klassischen Fantasyroman abheben würde. Also, ran an die Seiten. Oder im Buchkontext gesprochen: ran an die Saiten.

Gut, ich muss gestehen, dass mich auch der humorvolle Ton des ersten Kapitels in der Leseprobe zunächst angesprochen hat. Man trifft zwei der Hauptfiguren, die Barden Aidan und Revan, während sie gerade an einer Straßenkreuzung überfallen werden. Dabei entsteht ein herrliches Wortgefecht zwischen den beiden, welches für ein Dauergrinsen bei mir gesorgt hat. Die Ernüchterung kam dann schnell, denn nach diesem Kapitel schlägt „Feuerstimmen“ durchweg ernstere Töne an. Zwar finden sich immer wieder Versatzstücke dieses Humors, doch sollte man als Leser nicht erwarten, dass das Niveau der Leseprobe in dieser Hinsicht gehalten wird. Im Gegenteil, der Roman entwickelt sich in eine ziemlich düstere Richtung inklusive Weltuntergangsszenario, Verrat an Waffenbrüdern, dramatischer Liebesgeschichte… bedient letztlich also die gängigen Genremotive. Hardebusch ist es dabei aber sehr gut gelungen, viel aus der gut aufgebauten und sehr dichten Atmosphäre des Buches heraus zu holen und damit zu zeigen, dass er nicht umsonst einer der bekanntesten deutschen Fantasyautoren ist. Der Spannungsbogen ist auch gut gezeichnet, gerade im Mittelteil wird „Feuerstimmen“ zu einem echten Pageturner. Leider muss man jedoch sagen, dass der Titel ohne großartige Wendungen auskommen muss, welche dann auch zumeist noch vorhersehbar sind, und dass das Ende dann sehr plötzlich kommt. Das Finale wirkte auf mich so, als ob ich irgendetwas verpasst hätte, was den bis dahin sehr guten Gesamteindruck doch etwas getrübt hat.

Feuerstimmen“ weist eine Fülle an Figuren auf, legt seinen Fokus jedoch auf den Barden Aidan und die Königin Elena, wobei die Charakterausgestaltung vor allem beim männlichen Part wirklich gut ist. Hardebusch gelingt es, eine zerissene Figur zu zeichnen, die, aller magischen Fähigkeiten zum Trotz, sehr bodenständig und glaubwürdig daher kommt und in ihren Handlungsweisen und Gedanken jederzeit nachvollziehbar ist. Über weite Strecken kann man das auch auf die weibliche Hauptfigur übertragen, auch wenn ich sagen muss, dass sie mir im direkten Vergleich schon ein wenig blasser erschien. Die meisten Nebenfiguren hingegen wirken deutlich oberflächlicher, lediglich Aidans Freund und Reisegefährte Revan hat ein bisschen mehr Profil erhalten. Über die anderen Begleiter auf dem Weg zur Weltenrettung erfährt man dann aber leider nur noch recht wenig, abschließend wird der Leser in einem Fall auch noch mit einem losen Ende sitzen gelassen, was mich schon etwas geärgert hat.

Stilistisch hingegen kann man Christoph Hardebusch nichts vorwerfen. „Feuerstimmen“ bedient sich einer angenehmen Mischung aus klassischer „Fantasy-Sprache“ und moderner Schreibweise, die flüssig und eingängig zu lesen ist und Spaß macht. Nicht überfrachtet, aber auch nicht zu oberflächlich kommt von der ersten Seite an ein gutes Feeling für die Welt des Buches auf, welches nicht zuletzt auch von dem für die Literatur eher außergewöhnlichen Magiesystem (schon mal einen D&D-Barden gespielt?) und der Zusammenarbeit mit der A Capella-Metalband Van Cato (Freunde der harten Klänge sollten unbedingt reinhören, der Soundtrack zu dieser Rezension ist ihr dem Konzeptalbum „Voices of Fire“ entnommener Song „The Bardscall„) noch einmal interessanter gestaltet und verstärkt wird. Positiv wirkt sich zudem die äußerst bildliche Beschreibung der Schauorte aus. Erwähnen möchte ich entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten auch die sehr schöne Gestaltung des Buches, die sich von den Mitbewerbern am Markt sichtlich abhebt, indem nicht nur die obligatorische Karte mitgeliefert wird, sondern tatsächlich viel Wert auf die Optik gelegt wurde. Das Buch ist übrigens PapeGo-fähig und kann somit ohne Zusatzkosten zum mobilen Weiterlesen auf dem Handy oder Tablet über die entsprechende App heruntergeladen werden.

Fazit:

8Feuerstimmen“ macht vieles richtig, weist aber leider auch ein paar Schwächen auf. Die Hauptfiguren sind toll ausgestaltet und die Verwebung von Literatur und Musik ist tatsächlich etwas besonderes. Hieraus resultiert eine sehr dichte, über weite Strecken sehr düstere Atmosphäre und ein weitestgehend interessanter Spannungsbogen. Leider wird dieser durch das plötzliche Ende und etwas abgehackt wirkende Ende doch etwas geschmälert. Alles in allem aber trotzdem ein wahnsinnig interessantes und für Genrefreunde immer noch sehr lesenswertes Projekt.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian