die bestienOT: Torment

Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Festa Verlag

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Klappentext:

Jim Clayton will nie wieder in den Knast, wo er achtzehn Jahre lang schmorte. Nie wieder darf er die Beherrschung verlieren. Doch dann landet er in einer winzigen Stadt und sieht, wie ein Mann ein junges Mädchen mit einem Gürtel blutig schlägt. Als er eingreift, schießt man ihn einfach nieder …

Kritik:

Regelmäßige Leser wissen, dass ich vor einiger Zeit bereits einen anderen Roman McBeans gelesen habe. Damals hat mich “Das Motel” schon ziemlich begeistert, weswegen die Erwartungshaltung an “Die Bestien” natürlich recht hoch war. Gerade das ist aber ein Punkt, der sich nicht zum ersten Mal als denkbar schlechtes Vorzeichen herauskristallisiert hat. Ich möchte mich von vornherein für eventuell auftretende Spoiler entschuldigen, die zur Unterstreichung meiner Kritikpunkte eventuell nötig werden könnten.

Es geht schon mit der Geschichte des Romans los, die nun wirklich alles andere als innovativ ist. Spontan fiel mir während des Lesens immer wieder der Film “Surviving The Game” mit Ice-T ein, der diese Thematik schon vor etlichen Jahren umgesetzt hat. Bei genauerem Überlegen würden mir sicherlich noch weitere und vor allem auch deutlich ältere Titel einfallen. McBean versucht jedoch, mit “Die Bestien” eine weitere Komponente in dieses altbekannte Menschenjagd-Thema einzuflechten, nämlich Voodoo-Magie und “Seelensammeln”. Und genau da liegt auch der Knackpunkt: während das Altbekannte mir durchaus Spaß gemacht hat und auch nicht unspannend war, ist diese übernatürliche Zugabe in meinen Augen einfach nicht gut in die Story integriert, sondern wirkt allenfalls aufgesetzt, vielleicht um nicht eingestehen zu müssen, dass man der Geschichte keine eigenen Ideen hinzuzufügen hatte. Es wäre meiner Ansicht nach besser gewesen, wenn der Autor sich auf seine vorhandenen Stärken, namentlich das Schreiben von knallharten Psycho-Thrillern, konzentriert hätte. Lieber ein gut aufgewärmtes Gericht, als eine nicht zueinander passende Eigenkreation zu schaffen. Schade, denn wie schon erwähnt: eigentlich entwickelt sich die Spannung vom Start weg steil nach oben und es kommt auch schnell passendes Survival-Feeling auf. Zum Ende hingegen kann ich leider nur sagen, dass der Autor es ziemlich vergeigt hat. Es schien mir einfach nur unglaubwürdig und ebenfalls ziemlich aufgesetzt zu sein, speziell an dem Punkt, an dem von einer sicheren Stadt die Rede war. Den Pathos, der aufkommt, lassen wir dabei dann doch mal ganz außen vor.

Was die Charaktere angeht beschränkt sich McBean mit “Die Bestien” auf das Wesentliche. Hauptfigur Jim wird gut aufgebaut, bekommt auch einen netten Hintergrund, der sich dem Leser aber erst recht spät im Voranschreiten der Geschichte komplett eröffnet. Er ist zudem ein echter Sympathieträger und bleibt – von den übernatürlichen Fragmenten abgesehen – auch zu jeder Zeit glaubhaft und nachvollziehbar. Selbiges gilt über weite Strecken auch für die anderen Charaktere des Werkes, auch wenn sich mir speziell bei Darlene schon einmal die Frage gestellt hat, ob ich an ihrer Stelle immer noch dort in den Bergen hausen würde. Auch Barkeeper Stan kommt gegen Ende des Buches doch etwas unglaubwürdig daher, obwohl er eine nicht ganz unwichtige Rolle im Gesamtgefüge spielt. Auch hier wäre sicherlich noch Luft nach oben gewesen.

Stilistisch hat sich im direkten Vergleich zu “Das Motel” nicht viel geändert. Brett McBean ist im Umgang mit Gewalt und Sexualität kompromisslos und scheut sich auch nicht vor Tabuthemen, wie zum Beispiel der Vergewaltigung Minderjähriger. Harte Gewaltspitzen, welche mitunter sehr detailliert beschrieben werden gehören dabei genau so zu seinem Handwerkszeug. Zart besaitete Naturen sollten also lieber einen Bogen um deine Outputs machen. Wer damit kein Problem hat, darf sich auf einen gut geschriebenen, actionreichen und schnellen Roman einstellen.

Fazit:
5“Die Bestien” ist leider hinter den Erwartungen zurück geblieben. Der gelungene Survival-Thriller, der das Buch hätte sein können wird, zumindet nach meinem Empfinden, durch den übernatürlichen Einschlag empfindlich gestört und kann nicht seine volle Wirkung entfalten. Dieser widerum wirkte auf mich nicht sonderlich gut integriert, sondern allenfalls aufgesetzt. Schade, denn eigentlich kann McBean es besser. Bleibt nur die Hoffnung, dass ich mit seinem (zumindest in den Augen vieler) besten Roman “Die Mutter” wieder bessere Erfahrungen machen werde.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian