bone tomahawkOT: Bone Tomahawk (USA 2015)

Regie: S. Craig Zahler

Darsteller: Kurt Russell, Sean Young, Patrick Wilson, Zahn McClarnon

Laufzeit: 127 Minuten
Freigabe: FSK18

Inhaltszusammenfassung:

Das 19. Jahrhundert in der Nähe der amerikanisch/ texanischen Grenze. Ein Gesetzloser führt unwissentlich eine Gruppe von kannibalistisch veranlagte Indianern in die Stadt Bright Hope, wo diese aus Rache für eine entweihte Grabstätte diverse Bewohner kidnappen. Schnell wird vom Sheriff eine Rettungsmission auf die Beine gestellt, deren Mitglieder er selbst, sein alternder Deputy, ein verletzter Cowboy und ein rassistischer Revolverheld sind. Die Zeit drängt, wenn man die Entführten noch lebend wiedersehen will.

Kritik:

Western sind ja gemeinhin ein eher spezielles Genre. Auf jeden Fall nicht jedermanns Sache, da die Abläufe doch meistens sehr ähnlich sind. Cowboys, Indianer, Päng, tot. Oder so ähnlich. „Bone Tomahawk“ von S. Craig Zahler schickt sich nun an, das (im wahrsten Sinne des Wortes) angestaubte Genre mit Horrorelementen zu bereichern und ihm somit neues Leben einzuhauchen. Hat bei „Cowboys vs. Aliens“ und dem SciFi-Touch schon nicht gut funktioniert, aber man ist ja immer offen für was neues.

2 Stunden Ödnis im Wilden Westen

bone tomahawkZunächst einmal geht alles auch recht schnell. Der Zuschauer wird mit den harten Sitten im Wilden Westen schnell vertraut gemacht und darf ein paar Gesetzlose bei einem Überfall beobachten. Es geht hier schon halbwegs deftig zur Sache, was ja prinzipiell schon mal gar nicht schlecht ist. Die erste Begegnung mit den Kannibalenindianern lässt dann auch nicht lange auf sich warten und die Vorfreude steigt noch weiter. Und dann? Passiert erstmal ziemlich lange gar nichts. Die Entführungen selbst werden angedeutet und der Fokus liegt von nun an auf der Reise der kleinen Truppe durch die unwirtliche texanische Wüste. Natürlich, hieraus hätte man immer noch einiges machen können, das Script verzichtet jedoch auf die Erzeugung eines gelungenen Spannungsbogens, der Film selbst plätschert eher seicht vor sich hin. Ein Gefühl für die vorgebliche Dringlichkeit der Mission wird gar nicht erst aufgebaut und man ertappt sich als Zuschauer öfters beim Blick auf die Uhr. Erst zum Finale hin wird es dann doch noch ein bisschen interessanter, auch wenn man den Ausgang (inklusive der schließlich Überlebenden) schon lange Zeit voraus ahnen kann. Bei einer Laufzeit von über 2 Stunden ist das allerdings doch sehr wenig tatsächlich sehenswertes.

Interessante Figuren? Fehlanzeige. Fast zumindest.

bone tomahawkDie Figuren von „Bone Tomahawk“ sind dann zu allem Überfluss auch noch sehr klischeebeladen. Hier ist nichts, was man nicht schon einmal genau so gesehen hätte, zu finden. Man möchte fast sagen, dass die Charaktere schlicht und einfach uninteressant ausgefallen sind, auch die versuchte Innovation mit den Höllen-Indianern funktioniert nur sehr begrenzt, da ihnen einfach viel zu wenig Screentime zugestanden wird. Auf eine Vertiefung aller Beteiligten verzichtet das Drehbuch weitestgehend, die einzige Ausnahme stellt hier Chickory dar, den man wohl als den heimlichen Star des Films bezeichnen kann. Er ist zudem der einzige echte Sympathieträger. Analog hierzu ist auch die schauspielerische Leistung zu beurteilen. Während Richard Jenkins überzeugend und mit offensichtlicher Spielfreude seinen Part erledigt, kann man das vom Rest des Ensembles leider nicht behaupten. Routiniert bis gelangweilt ist wohl die passendste Bezeichnung. Allen voran Kurt Russell, der mich als Sheriff Hunt leider überhaupt nicht überzeugen konnte.

Horror? Wo denn bitte?

bone tomahawkBone Tomahawk“ wird vollmundig als einer der brutalsten Western der Geschichte betitelt. Und wird diesem Ruf nur sehr bedingt gerecht. Sicherlich, hier und da gibt es die eine oder andere blutige Szene, allerdings sind die Effekte nicht durch die Bank überzeugend. Teilweise ist nur zu offensichtlich, dass es sich eben um solche handelt. Was bei einem B-Movie vielleicht noch einen gewissen Reiz gehabt hätte, funktioniert in einem Titel ohne diese Ambitionen leider nicht. Generell würde ich den Gesichtspunkt „Horror“ ohnehin über einen großen Teil der Laufzeit ausklammern, da schlicht und einfach nicht richtig zum Tragen kommt. Was schließlich an Härte geboten wird, rechtfertigt den Ruf des Films nicht und wurde bei anderen Titeln wie zum Beispiel „Long Riders“ mit den Gebrüdern Keach und Carradine oder dem großartigen „Das Wiegenlied vom Totschlag“ weitaus besser und vor allem stilsicherer umgesetzt. Wer also tatsächlich einmal in einen harten Western reinschnuppern möchte, der ist hier sicherlich besser aufgehoben.

Fazit:

3Bone Tomahawk“ ist in keinem Punkt überzeugend. Die Länge von über 2 Stunden wird weder ausreichend mit Spannung noch mit einer gelungenen Atmosphäre gefüllt. Die Darsteller bleiben hinter den Erwartungen zurück und die Mischung aus Western und Horror zündet zu keinem Zeitpunkt richtig. Ähnlich wie „Cowboys vs. Aliens“ zeigt der Film, dass manche Genres einfach für sich selbst stehen und nicht mit anderen, fremden Einflüssen gemischt werden sollten.

© des Bild- und Tonmaterials: Constantin Film

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
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