Big GameOT: Big Game

Regie: Jalmari Helander

Darsteller: Samuel L. Jackson, Onni Tommila, Jim Broadbent, Ray Stevenson, Mehmet Kurtulus

Freigabe: FSK 12
Laufzeit: 88 Min.

Inhalt:
Der schüchterne 13-jährige Oskari steht vor einer großen Aufgabe: Er muss, wie es die Tradition seines finnischen Dorfes verlangt, eine Nacht allein und nur mit Pfeil und Bogen bewaffnet in den Wäldern verbringen. Kehrt er mit einem erlegten Tier zurück, gilt er als ganzer Mann. Das ist keine leichte Aufgabe für den ängstlichen Jungen, denn die Familienehre steht auf dem Spiel und nicht einmal sein Vater glaubt, dass Oskari es schaffen kann. Während er aufbricht, greifen Terroristen die Air Force One im finnischen Luftraum mit einer Rakete an. Ein Leibwächter steckt den US-Präsidenten in eine Rettungskapsel und schießt diese aus dem Flugzeug. Oskari findet das angeschlagene Staatsoberhaupt, zeigt sich aber wenig beeindruckt. Schließlich ist der Junge auf einer Mission, die durch nichts in der Welt aufgehalten werden darf. Dem mächtigsten Mann der Welt bleibt keine Wahl: Wenn er überleben will, muss er sich Oskari anschließen. Noch ahnen sie nicht, dass die kaltblütigen Attentäter ihnen auf der Spur sind. Die Jagd ist eröffnet…

Kritik:
Oh mein Gott, was war das denn? Eigentlich wollte ich San Andreas ansehen, aber der lief zu der ausgesuchten Zeit nicht, also musste ich auf eine Alternative zurückgreifen. Ich stolperte also über Big Game. Samuel L. Jackson ist nicht mein Favorit, aber in vielen Fällen ansehbar. Die Inhaltsangabe klang gut, der Trailer wirkte solide. Also entschied ich mich für diesen Streifen und verschwendete eineinhalb Stunden meines Lebens zwischen Unglauben und dem Drang einzuschlafen auf dem Sofa.

Big GameFangen wir mal mit der Story an. Kleiner Junge rettet US Präsidenten in der Wildnis vor Terroristen. Das ist es im Großen und Ganzen. Da denkt man sich „Okay, gibt sicher originelleres, aber gut, aus drei Mal durchgekautem kann ja vielleicht immer noch etwas zumindest unterhaltsames werden.“. Nein, in diesem Fall nicht. Nicht nur, dass die Geschichte voller Logik- und Denkfehler steckte, die leider nur allzu offensichtlich waren (Wieso zum Teufel kam der Präsident nicht von alleine auf die Idee aus der Kühltruhe zu springen? Und wieso ist der Elite-Terrorist in der Lage Waffen zu bedienen, die die Air Force One zum Absturz bringen können, mit einer einfachen MG kann er allerdings nicht umgehen? Und so ging es munter weiter.), man hat sich irgendwie auch überhaupt nicht entscheiden können, in welche Richtung man hier gehen will. Stellenweise schlug der Film ernste Töne an, dann wieder waren Aktionen, Worte und Effekte so überzogen, dass man müde schmunzeln musste und sich fragte, ob das denn nun bewusste oder unfreiwillige Komik sein sollte, wobei ich zu letzterem tendiere. Um bewusst eingesetzt worden zu sein, zog sich dieses Stilmittel dann doch wieder zu wenig durch den Film. Man hat es zu keiner Sekunde geschafft, ein gesundes Mittelmaß zu finden, denn entweder war die Geschichte völlig überzogen oder total stumpf. Es gab quasi keine ruhige Linie. Am Ende musste ich mich wirklich fragen, ob der Streifen vielleicht ein Kinderfilm sein wollte: zu viel Pathos, zu wenig Komik, zu viele Logiklücken, über die jeder halbwegs normal denkende Mensch stolpert. Aber wenn ich mir dann die gebrochenen Genicke, erschossenen und explodierten Menschen angucke…nein, kindgerecht ist das nicht.

Big GameVielleicht wird es ja bei den Schauspielern besser? Nein, leider nicht. Samuel L. Jackson wirkt als Präsident wie ein großes Kind, das auf sich allein gestellt, nichts auf die Reihe bringt und nur platte Dialoge führt. Ich kann nicht sagen, dass das erste, für das ich ihn rühmen würde, seine schauspielerischen Leistungen sind, aber zumindest kann man ihn sich für gewöhnlich gut ansehen. Onni Tommila soll wie alt sein? 13? Gibt seiner Rolle in diesem Film aber eher das Verhalten eines 8-jährigen. Süß anzusehen ist er ja, aber das war es dann leider auch schon. Da guck ich dann doch lieber noch mal in die immer deprimierten, tränengefüllten Augen von Haley Joel Osment und lass mir weis machen, er sähe tote Menschen. Auch alle anderen Darsteller blieben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück, die Krönung war dann aber für mich, als Felicity Huffman durch das Bild flanierte und ich nur dachte „Was macht denn Lynette hier?“. Es gibt Schauspieler, die ihre Serienidentität großartig abstreifen und in ein neues Gewand schlüpfen (wie Melissa McCarthy zum Beispiel), aber Felicity Huffman hätte das besser mit einem anderen Streifen versucht.

Big GameWas bleibt noch zu sagen? Sicher konnte der Film bei dem ein oder anderen geneigten Zuschauer, der noch nicht von seinem Sitz gerutscht war, mit den Naturbildern punkten, dabei sei aber gesagt, dass man es nicht einmal geschafft hat, tatsächlich in Finnland zu drehen, sondern sich auf Bayern und die Alpen beschränkt hat. Und beeindruckendes Großwild war auch nicht zu sehen, die toten, vom Himmel fallenden Fische konnten leider keine Punktlandung erzielen. Die Effekte und Schnitte ließen zu wünschen übrig und wirkten eher wie die 90er Jahre, denn wie moderne Technik. Nicht einmal der Soundtrack war für mich erinnerungswert. Was bleibt am Ende also übrig? Leider nichts.

Fazit:
2Was war das denn? Das war die Frage, die mir förmlich in den Blick geschrieben stand, als ich am Ende des Films zu Sebastian rüber sah. Das war ein Film, der überhaupt nicht wusste, in welche Richtung er denn nun gehen will, dessen Darsteller leider mit stumpfen Dialogen und plattem Ehrgefühl rosteten als glänzten, dessen Story Denkfehler und Logiklücken vorweist und überhaupt nicht originell erzählt wird und dessen Effekte mehr als nur ausbaufähig waren. Ich war wirklich sprachlos, dass ein solcher Film es überhaupt in die Kinos geschafft hat, denn das war nicht einmal B-Movie-Qualität. Ich kann es immer noch nicht fassen, ganz ehrlich. 2 Punkte gibt es auch nur dafür, dass ich dann doch nicht eingeschlafen bin.

(c) des Bild- und Tonmaterials: Ascot Elite Home Entertainment
Ela

Ela

Ich bin quasi das Gegengewicht zu Sebastian. Ich schreibe über all das, was an ihm vorbei geht. Jugendromane, Frauenromane, auch mal der ein oder andere Thriller, Komödien, Filme, in denen es um Freundschaft und Liebe geht, Comic- und Buchverfilmungen....sowas eben. In meiner Freizeit befasse ich mich vorwiegend mit dem Lesen und Schreiben, mit Filmen und Büchern, mit meiner Familie und Freunden und natürlich mit meinen Tieren. Ich koche und backe gern und bin vermutlich das schlimmste Assassin's Creed Fangirl, dem du je begegnet bist. Und ich liebe Musik! Immer und überall.
Ela