roter mondOT: Red Moon

Gebundene Ausgabe: 640 Seiten
Verlag: Penhaligon Verlag

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Inhaltszusammenfassung/ Klappentext:

Sie leben unter uns. Sie verwandeln sich. Sie kämpfen gegen ihre Unterdrücker – uns!

Als Regierungsagenten Claire Forresters Haustür eintreten und ihre Eltern ermorden, muss sie erkennen, dass sie und ihre Familie schon immer Ausgestoßene waren.

Chase Williams hat seinen Wählern versprochen, die USA vor Terror zu beschützen. Doch nun wird er selbst zu dem, was er zu vernichten geschworen hat.

Bis heute wird die Bedrohung durch Gesetze, Gewalt und Drogen in Schach gehalten. Doch die Nacht des Roten Mondes rückt näher, wenn die Welt für immer ihr Antlitz verändern wird – und die Schlacht um die Menschlichkeit beginnt …

Kritik:

Ich gebe zu, manchmal greife ich auch eher impulsiv zu bestimmten Büchern. Manchmal auch, wenn ich nur den Klappentext gelesen und nicht genau auf’s Cover geachtet habe. In diesem Fall eine fatale Entscheidung, denn sonst wäre mir aufgefallen, dass ich es bei Benjamin Percys “Roter Mond” mit einem Werwolf-Roman zu tun bekommen würde. Ernüchterung kam also schnell nach einem genaueren Blick (dummerweise erst, nachdem das Buch schon auf dem Tisch lag) auf, aber man gibt sich ja gerne unvoreingenommen und gibt einem Titel auch mal trotz entgegengesetzter Vorlieben eine Chance – zumal die Geschichte an sich  nicht uninteressant klingt.

Und tatsächlich ging sich “Roter Mond” zumindest zum Beginn auch gut an. Benjamin Percy hat schnell unter Beweis gestellt, dass er mit tempo- und actionreichen Szenen aufwarten kann, die auch gut in der Lage sind, den Leser zu packen. Allerdings muss man im gleichen Atemzug auch erwähnen, dass er seine Geschichte auf drei Handlungsstränge aufteilt, die zwar irgendwo miteinander verwoben sind und sich zum Teil auch überschneiden, aber an anderen Stellen komplett autark laufen. An ich nichts schlimmes, allerdings springt der Autor sehr schnell von Szene zu Szene, ohne dabei allzuviel aus diesen heraus zu holen. Oftmals fühlt man sich an einen hektisch zusammengeschnittenen B-Movie-Actioner erinnert. Was beim Film allerdings durchaus gut funktioniert, wird bei einem Buch sehr schnell anstrengend, zumal der Leser immer wieder aus dem aktuellen Handlungsstrang herausgerissen und in den nächsten hinein geschubst wird. Das verhindert, dass echte Spannung aufkommt und macht es zudem auch schwierig, von einer durchgehend stimmigen Atmosphäre zu sprechen. Im weiteren Verlauf gewinnt man zudem den Eindruck, dass Percy nicht so richtig wusste, was für ein Buch er schreiben wollte. Ein bisschen Coming of age, ein bisschen Melodram, eine Portion Dystopie und noch ein paar andere Zutaten, die allerdings nicht übermäßig passend miteinander vermengt werden. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen – vielleicht auch durch Reduzierung, denn die 640 Seiten des Romans ziehen ich durch dieses Hin und Her doch mitunter sehr und können die Längen nur mäßig überspielen. Irgendwann ging mir auch das 9/11-Denken in der gesamten Geschichte auf die Nerven. Die Lykaner sind hier stellvertretend für so ziemlich jede ethnische Minderheit und jedes Feindbild zu sehen, welches die USA jemals hatten. Eine Parabel auf die reale Welt? Ja! Eine gelungene? Nein. Dafür bezieht sich Percy einfach zu klar auf den Krieg gegen den Terrorismus und wartet teilweise fast schon mit 1:1-Kopien von realen Terroranschlägen auf.

Auch bei den Charakteren konnte mich “Roter Mond” nicht überzeugen. Mir hat über die komplette Länge eine richtig sympathische Figur gefehlt. Oder ein echter Anti-Held. Leider kann Percy mit beidem nicht aufwarten und präsentiert stattdessen in erster Linie eine Reihe von austauschbaren und blassen Unsympathen. Die Handlungsträger schaffen es nicht, den Leser auf ihre Seite zu ziehen und unter dem Strich kann man sagen, dass sie mir irgendwann einfach völlig egal waren. Keine prägnanten Stärken oder Macken, kein gut ausgebauter Figurenhintergrund. Dafür aber diverse Unglaubwürdigkeiten. Auch hier wäre sicherlich mit ein bisschen mehr Konzentration auf weniger Hauptfiguren deutlich mehr drin gewesen.

Bei aller Kritik muss man dem Autoren aber eines lassen: stilistisch ist er überzeugend. Benjamin Percy schreibt wortgewaltig und sehr bildlich. Keine platte Unterhaltung, sondern eine schon starke und bemerkenswerte Art zu erzählen. Leider geht dieses Talent jedoch bei allen anderen Unzulänglichkeiten von “Roter Mond” unter und kann das schwache Gesamtbild nicht mehr rausreißen.

Fazit:

4“Roter Mond” konnte mich leider nicht überzeugen. Benjamin Percy mag einen beeindruckenden und sehr bildlichen Schreibstil haben, allerdings rettet der die aus vielen hektisch aneinander gereihten Einzelszenen von unsympathischen, unglaubwürdigen und blassen Charakteren nicht mehr raus. Die Atmosphäre stimmt nicht, der Spannungsbogen knickt viel zu oft ein und so muss man leider alles in allem sagen: gut unterhalten sieht anders aus.

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Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian