mad jerryTaschenbuch: 240 Seiten
Verlag: Luzifer Verlag Steffen Janssen

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Klappentext:

Die postapokalyptische Welt ist gar nicht so schlimm. Sicher, es gibt Mutanten. Aber für die Menschen in New Hope besteht der tägliche Überlebenskampf nicht so sehr aus der Suche nach Nahrung oder Medizin, viel schwieriger ist es, neue Spieler für ihre Kickball-Teams zu finden.

Dies macht es einem postapokalyptischen Krieger nicht einfach, Arbeit zu finden. Gott sei Dank ist da eine Armee von Mördern und Brandschatzern auf dem Weg in die friedliche Stadt, um sie dem Erdboden gleichzumachen. Nur eine Handvoll ausgebildeter postapokalyptischer umherziehender Krieger kann sie aufhalten.

Gleich zwei haben ihre Dienste angeboten. Einer von ihnen ist eingeladen, zu helfen. Der andere wird zurück in die Einöde geschickt. Doch haben die Stadtbewohner die richtige Wahl getroffen? Werden sie gerettet werden? Und was hat es eigentlich mit den SSB’s, den superschlauen Bären, auf sich?

Kritik:

Eigentlich hätte man ja fast damit rechnen müssen, dass im Zuge des neuen „Mad Max„-Filmes diverse andere Stellen versuchen würden, noch einmal ein bisschen Kapital aus der Postapokalypse zu schlagen. Ben Wallace macht mit „Mad Jerry“ gar keinen Hehl daraus, welche Zielgruppe in erster Linie angesprochen werden soll, auch wenn offensichtlich ist, dass sein Werk eher als Persiflage zu verstehen ist, die vom Verlag dann auch noch vollmundig als Buch für Fans von Terry Pratchett, Douglas Adams und den Monty Pythons beworben wird. Bin ich. Also ran an die umherziehenden Krieger.

Schnell macht sich zu Beginn etwas Ernüchterung breit, denn den Humorfaktor der oben genannten Autoren erreicht Ben Wallace zu keinem Zeitpunkt. Sind natürlich auch ziemlich große Fußstapfen, in die er da gedrückt wird, besonders wenn man überlegt, wie lange ein Pratchett Zeit hatte, seinen Stil zu perfektionieren. Ja, „Mad Jerry“ ist stellenweise wirklich lustig, nicht auf eine brachiale Art und Weise, sondern eher mit Schmunzelfaktor. Und besonders zum Schluss hin zeigt der Autor, dass er durchaus in der Lage ist, solide und schnelle Actionszenen zu schreiben, die gut in das Setting passen (und meines Erachtens nach auch die stärksten Passagen des Buches darstellen). Die Atmosphäre ist in der Gesamtheit durchaus gelungen, es kommt gutes Endzeitfeeling auf und auch der Spannungsbogen weiß meistens zu überzeugen. Hier und da gibt es zwar einen kleinen Einknicker oder auch mal eine Länge, darüber kann man aber zumeist gelassen hinwegsehen.

Die Figuren sind interessant ausgefallen, wenn auch nicht sonderlich neu. Lediglich Hauptfigur Jerry selbst ist wohl so ziemlich das Gegenteil von dem, was man sich unter einem Road Warrior vorstellt. Warum möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, denn besonders seine Vergangenheit wird im Laufe des Buches ausführlich erklärt und beleuchtet. Gelungen. Die anderen Charaktere wachsen dem Leser zwar auch schnell ans Herz, lassen sich aber größtenteils unter der Kategorie „Sidekick“ ablegen. Sie sind zweckmäßig gestaltet, auch wenn sie dem Leser wie im Falle der SSB’s schnell ans Herz wachsen. Der Antagonist ist dennoch der einzige Charakter neben der Titelfigur, der etwas mehr Profil erhält.

Stilistisch will ich mich nicht beschweren. Wie gesagt, ich halte die Aussage, dass „Mad Jerry“ Fans von Pratchett oder Adams zufriedenstellen kann nicht für korrekt, da diese beiden Herren doch eine deutlich andere Erzählweise an den Tag legen und schlicht und einfach deutlich witziger sind. Das ändert aber nichts daran, dass das Buch durchaus einen angenehm anderen Blickwinkel auf die Postapokalypse hat, sich flüssig und locker liest und auch recht schnell durch ist. Ärgerlich hingegen ist, dass es zum Schluss hin doch einige Rechtschreibfehler aufweist, eines der Kapitel (zumindest in meinem Buch) doppelt vorhanden ist und man entweder bei der Übersetzung oder beim Korrektorat gepennt hat, wenn aus „Logan“ unvermittelt „Nolan“ wird. Anders als bei meinem letzten Luzifer-Buch ist die Übersetzung dafür aber über die Gesamtheit des Romanes durchaus gelungen.

Fazit:

7Die vollmundigen Werbeversprechen auf der Verlagshomepage kann „Mad Jerry“ nicht einhalten, bietet aber dennoch einen sehr unterhaltsamen, stellenweise auch sehr actionreichen Endzeitroman, den man in dieser Form wohl noch nicht allzu häufig gesehen haben dürfte. Sympathische Hauptfiguren, nett ausgefallene Sidekicks und eine gute Atmosphäre reichen aus, um über die zum Schluss hin häufigeren Rechtschreibfehler und die speziell im ersten Drittel auftretenden Längen hinweg zu sehen.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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