auftrag racheOT: Edge of Darkness (GB/USA 2010)

Regie: Martin Campbell

Darsteller: Mel Gibson, Ray Winstone, Danny Huston, Bojana Novakovic

Laufzeit: 111 Minuten
Freigabe: FSK16

Inhaltszusammenfassung:

Thomas Craven ist ein altgedienter Inspektor der Mordkommission des Boston Police Departments. Als sein einziges Kind, die 24-jährige Emma, vor seinen Augen ermordet wird, ist die Polizei überzeugt, dass der Witwer das eigentliche Ziel war. Ohnmächtig vor Trauer und umso verbissener macht sich Craven an die Aufklärung des Verbrechens und stellt bald fest, dass seine Tochter ein Leben führte, von dem er nichts wusste. Bei seinen Recherchen stößt er auf eine gefährliche Parallelwelt aus Korruption, Erpressung und Mord – und schließlich auf den undurchsichtigen Regierungsagenten Darius Jedburgh, der damit beauftragt wurde, die Beweise des Mordes zu beseitigen. Cravens verzweifelte Suche nach Antworten wird immer mehr zur Odyssee eines Mannes, der nichts zu verlieren hat – und der sich von Nichts und Niemandem aufhalten lässt…

Kritik:

Schon wieder Mel Gibson. Ja, ich habe wohl etwas Nachholbedarf gehabt, denke aber, mit „Get the Gringo“ und nun „Auftrag Rache“ (blöder deutscher Titel übrigens) das wichtigste gesehen zu haben, was nach „Wir waren Helden“ kam. Komischerweise sind es immer die weniger anspruchsvollen Rollen, in denen mir der gute Mann besonders gefällt.

auftrag racheDer Titel und auch die Inhaltszusammenfassung des Films erinnern ja schon irgendwie an die guten, alten Selbstjustizkracher aus den 80ern, mit denen sich ein Charles Bronson im Gedächtnis festsetzen konnte. „Auftrag Rache“ fährt allerdings nicht diese explizit diese Schiene, sondern setzt tatsächlich den Fokus auf die Aufklärung am Mord von Cravens Tochter. Die Erwartungen des Zuschauers werden somit, ob nun bewusst oder nicht, zunächst in eine falsche Richtung gelenkt. Der Film ist vielmehr eine interessante Mischung aus Politthriller und Rachedrama, es gibt also ein sehr viel weitreichenderes Bild als nur den Wunsch der Hauptfigur nach Vergeltung. Das ist auch ganz gut so, denn die Komposition gefällt gut und zumindest mir hat sich mehr als einmal die Frage gestellt, wie viel Wahrheit wohl hinter einem Script wie diesem stecken könnte. Das treibt die Spannung zusätzlich zur ohnehin schon gelungenen Erzählweise noch etwas weiter nach oben und sorgt dafür, dass man sich trotz des unpassenden Titels am Ende nicht so fühlt, als ob man auf falsche Versprechungen hereingefallen wäre.

auftrag racheDarstellerisch ist „Auftrag Rache“ wie schon der zuletzt gesichtete „Get the Gringo“ in erster Linie wieder eine Ein-Mann-Bühne für Mel Gibson. Überzeugend wie zumeist gibt er den verzweifelten Cop auf seiner Suche nach der Wahrheit routiniert und sehr überzeugend. Weniger überzeugend fand ich hingegen Craven selbst, für einen Vater, der gerade seine Tochter verloren hat, wirkte er auf mich eindeutig zu gelassen und entspannt. Nur in wenigen Momenten blitzt tatsächlich die Trauer und die Verzweiflung durch, die man in einer solchen Situation erwarten würde. Von Gibson abgesehen blieben die Darsteller als auch die Figuren zumeist blass, die einzige Ausnahme bildete hier der von Ray Winstone gut verkörperte äußerst undurchsichtige Jedburgh, welcher der Geschichte noch einmal eine zusätzliche Facette hinzufügen konnte.

auftrag racheWie bereits erwähnt handelt es sich bei „Auftrag Rache“ nicht um einen Film in Bronson-Tradition, somit geht es über weite Strecken eher ruhig zu. Gibsons Alter entsprechend halten sich actionreiche Passagen also eher im Hintergrund, völlig verzichtet der Titel jedoch nicht auf sie. Wenn es dann rund geht, wird sehr explizit geblutet und gestorben, man sollte sich also auf ein paar sehr „anschauliche“ Szenen einstellen, die allerdings gut in die Handlung eingefügt sind und somit keine reinen Schauwerte darstellen. Bei dem Film handelt es sich übrigens um eine Neuauflage der britischen Serie „Die Plutonium-Affäre“, bei der ebenfalls Campbell als Regisseur tätig gewesen ist.

Fazit:

8Auftrag Rache“ hat einen Preis für den irreführendsten Titel des Jahres 2010 durchaus verdient. Wer auf einen Revenge-Actioner hofft, wird enttäuscht werden, vielmehr handelt es sich um ein gelungenes Politthriller-Drama, welches mit Mel Gibson einen großartigen Hauptdarsteller vorweisen kann. Zwar wirken die Figuren mitunter zu entspannt und zu hölzern, die Grundspannung des Films und die interessanten und unerwarteten Verwicklungen sorgen aber dafür, dass der Film sehenswert bleibt. Wer also ohnehin ein Netflix-Abo hat und Mel Gibson gerne sieht, kann sich ruhigen Gewissens mal reinklicken.

© des Bild- und Tonmaterials: Universal
Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
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