age of ironTaschenbuch: 576 Seiten
Verlag: Piper Verlag
Übersetzung: Marcel Aubron-Bülles

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Age of Iron-Reihe, Band 1

Klappentext:

Dug Sealskinner, ein kampfesmüder Söldner, hilft ständig den falschen Leuten. Da wäre Spring, ein Mädchen, das er auf dem Schlachtfeld findet. Oder Lowa, eine der gefürchtetsten Bogenschützinnen des Reiches, auf ihrem persönlichen Rachefeldzug gegen den König.

Jetzt steht Dug auf der falschen Seite jenes Heeres, in das er ursprünglich eintreten wollte. Und nicht nur Zadars Krieger trachten ihm und seinen Gefährten nach dem Leben, sondern auch ein blutrünstiger Druide mit schier unbezwingbaren Kräften. Alles, was Dug dem entgegensetzen kann, sind sein Kriegshammer, ein kleines Mädchen und die unbezähmbare Lowa, die sie noch alle ins Grab bringen wird.

Ja, es ist ein guter Tag, um zu sterben.

Kritik:

Der Klappentext macht es eigentlich schon klar: Bei Age of Iron geht es nicht immer bierernst zu. Was gut ist, denn viele Genre-Vertreter, vor allem im High Fantasy-Bereich, halten Humor ja doch gerne mal für eine ansteckende Krankheit, die dringend kuriert werden muss. Das Interesse war also schon mal geweckt, jetzt musste „Age of Iron“ nur noch beweisen, dass der Inhalt das auch rechtfertigt.
Dabei ist allerdings nicht nur der vorgebliche Humor ein viel zu seltener Ansatz, das Buch verzichtet zudem auch darauf, den Leser in eine imaginäre Welt zu versetzen, sondern kommt mit einem Schauplatz in die Weltgeschichte daher, Britannien, kurz vor der Invasion der Römer. Und erzählt die Geschichte, wie sie „wirklich stattgefunden hat“. Natürlich mit einem großen Augenzwinkern, welches sich auch durch den kompletten Roman zieht. „Age of Iron“ bekommt dadurch eine ganz spezielle Atmosphäre, die angenehm anders ist als bei vielen Mitbewerbern am Markt und in die ich mich zudem auch schnell hineingezogen fühlte. Man muss hierbei natürlich anmerken, dass man diesen Ansatz schon im Grundsatz mögen muss, um sich auf Watsons Werk einlassen zu können. Er versieht das Buch zudem mit einem sehr angenehm verlaufenden Spannungsbogen, der den Leser zusätzlich bei der Stange hält und leistet sich über die doch recht umfangreichen 576 Seiten dabei keine nennenswerten Durchhänger. Es entsteht somit eine temporeiche Hetzjagd, die immer wieder interessante Wendungen aufzuweisen hat – allerdings sind auch ein paar vorhersehbare dabei. Trotzdem ist das Finale immer noch überraschend ausgefallen, leider hat man es jedoch mit einem offenen Ende zu tun. Wer wissen will, wie es weitergeht, muss sich also noch bis zum 1.6. gedulden, wenn der Nachfolger „Der Feldzug“ erscheint.

Ein wichtiger Bestandteil von „Age of Iron“ sind auf jeden Fall die Figuren. Watson hat hier eine geschickte Mischung aus bodenständigen, realistischen Figuren auf der einen und (vorwiegend) Druidenmagie auf der anderen Seite geschaffen. Besonders Hauptcharakter Dug Sealskinner wirkt dabei zunächst wie der typische, sympathische Loser, der mit allem was er anfasst auf die Nase fällt. Dem Leser fällt es dadurch recht leicht, sich mit ihm als Helden zu identifizieren. Allerdings wird im Laufe der Geschichte immer deutlicher, dass hinter dem riesigen Krieger mit seinem dicken Hammer (höhöhö) viel mehr steckt, sein Hintergrund wird langsam ausgebreitet und verleiht der Figur dadurch letztendlich doch noch eine sehr angenehme Tiefe. Ähnlich verfährt der Autor mit seinen weiblichen Hauptfiguren, die sich im Storyverlauf auf realistische Weise weiterentwickeln und durch eine stückchenweise Offenbarung ihrer Hintergründe immer mehr Profil gewinnen. Zwar sind sie dennoch an einigen Punkten sehr klischeehaft ausgefallen, allerdings schmälert das den Gesamteindruck nur bedingt. Interessanterweise gelingt Watson das auch mit seinen Antagonisten, obwohl man von denen nicht einmal übermäßig viel erfährt. Aber gerade König Zadars Erklärungen für seine Tyrannei wirken auf eine erschreckende Weise sogar nachvollziehbar.

Über den Stil Angus Watsons kann man sich nicht beschweren. Er verzichtet auf Großangriffe auf die Lachmuskeln, sorgt aber (vorwiegend in der ersten Hälfte des Buches) doch für ein dauerpräsentes Grinsen, bevor dann in der zweiten Hälfte die ernsteren Töne dominieren und es auch die eine oder andere recht blutig ausgefallene Passage gibt. Die Mischung weiß zu gefallen. Sprachlich ist „Age of Iron: Der Krieger“ sehr modern gehalten. Also kein verschwurbseltes Mittelaltergefasel, sondern direkt auf den Punkt gebracht, sowohl in der Erzählung als auch in der wörtlichen Rede. Natürlich kann man hier jetzt ohne Kenntnis des Originals nicht nachvollziehen, wie viel davon man Watson zuzuordnen hat und welchen Anteil die Übersetzung von Marcel Auron-Bülles daran trägt. Aber um ganz ehrlich zu sein: mir auch relativ egal, denn egal wer es zu verantworten hat, es funktioniert gut.

Fazit:

9Age of Iron: Der Krieger“ ist der Auftakt eines Mehrteilers, als Leser muss man also von vornherein Geduld mitbringen. Man wird dafür aber mit einer sehr angenehmen Mischung aus einem modern geschriebenen Fantasy-Roman und einem Setting in der realen Welt belohnt, die durch eine gesunde Portion Humor und Selbstironie zu überzeugen weiß. Temporeich erzählt wird sie mit sehr schön gestalteten Figuren ausgestattet, die ihr volles Potenzial erst nach und nach zeigen, letztlich aber eine interessante Entwicklung analog zum Voranschreiten der Geschichte erleben und am Ende mit einer Menge Tiefe und Profil daher kommen. Gelungenes Gesamtbild. Und nun drehe bitte jemand den Kalender bis Juni vor. Danke.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian