deathbookTaschenbuch: 448 Seiten
Verlag: rororo

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Klappentext: 

Der Tod 3.0 − Du suchst ihn. Er findet dich.
Auf den Gleisen liegt ein Mädchen. Das Kreischen von Metall auf Metall. Ein zerstörter Körper. Selbstmord? Kathi war Andreas Winkelmanns Lieblingsnichte. Der Thrillerautor kann nicht glauben, dass sich das lebenslustige Mädchen das Leben genommen hat, und macht sich auf die Suche nach Hinweisen.

Auf ihrem Computer findet er seltsame Videos, die zeigen, dass Kathi verfolgt wurde. Die Spur führt immer tiefer ins Netz hinein, zu immer grausameren Aufnahmen. Worauf hat Kathi sich da eingelassen? Und in wessen Hände ist sie dabei geraten? Als Andreas Hinweise auf eine Webseite namens Deathbook entdeckt, ahnt er, dass Kathi ein tödliches Spiel gespielt hat – und dass sie nicht die Einzige war …

Kritik:

Schon der Klappentext offenbart, dass Autor Andreas Winkelmann mit seinem „Deathbook“ einen etwas anderen Ansatz verfolgt und sich selbst zugleich auch als Hauptfigur in seinem Psychothriller einsetzt. Das gab es so oft noch nicht, das ist mal interessant. Also ran an die Seiten, um sich zu überzeugen, ob das Prinzip aufgeht.

Es offenbart sich dabei schnell, dass „Deathbook“ nicht darauf setzt, Gefangene zu machen, sondern direkt in die Vollen geht. Winkelmann begibt sich auf die Überholspur und tritt das Gaspedal durch. Der Spannungsbogen steigt schnell und rasant, man fühlt sich als Leser sehr gut bei der Stange gehalten. Die Geschichte selbst ist dabei sehr aktuell und mit der „schönen, neuen Welt“ und ihren Social Networks und Internetriten verwoben. Das Thema Snuff ist immer ein Garant für einen Stein im Magen, wenn es denn gut angepackt wird – und das ist hier der Fall. Es ist, nicht nur in der Fiktion, sehr gut vorstellbar, dass solche kranken Dinge irgendwo in den Untiefen des Netzes um sich greifen und das macht das Buch auch sehr gut deutlich. Die Atmosphäre stimmt also auch, was wohl zum Teil auch darauf zurückzuführen ist, dass auch in der Präsentation ungewöhnliche Wege gegangen werden und Facebook-Beiträge oder Handy-Kurznachrichten auch tatsächlich als solche präsentiert werden; ebenso zuträglich ist die für manche Passagen gewählte Perspektive in der Art einer Kamera, welche noch mehr direkte Bedrohung erzeugt. Schön gelöst.

Sich zu den Charakteren des Buches zu äußern fällt etwas schwer. Wie bereits erwähnt hat Andreas Winkelmann sich selbst in die Welt des „Deathbook“ geworfen. Das mag auf der einen Seite zwar durchaus eine gewisse Authentizität mit sich bringen, auf der anderen aber auch die Gefahr, dass man die Figur Winkelmann zu sehr mit dem Autoren Winkelmann identifiziert. Und ja, das passiert mitunter und erweckt in manchen Situationen ein wenig den Eindruck der Selbstverliebtheit, zum Beispiel wenn Sidekick Manuela über eine Seite von den Vorzügen (der Figur) Winkelmanns schwärmt. Fraglich auch, ob ein Autor von Psychothrillern sich tatsächlich in eine solche Situation begeben würde, da er durch seinen Job ja zwangsläufig den einen oder anderen Einblick in die Psyche von durchgeknallten Killern gewonnen haben dürfte. Ich kann mir vorstellen, dass die gewählte Erzählweise eine ziemliche Gratwanderung darstellt, die hier auch oft, wenn auch nicht immer gelingt. Die Nebenfiguren hingegen wissen durch die Bank zu gefallen, sind ausreichend gut ausgearbeitet und mit einem schönen Hintergrund versehen. Hier stimmt dann tatsächlich wieder alles.

Deathbook“ ist durch die Erzählperspektive etwas, was sich vom großen Markt der Psychothiller abhebt. Winkelmann verknüpft geschickt seine eigene Rolle in der Geschichte (erzählt in der ersten Person) mit den Geschehnissen um die anderen Protagonisten (dritte Person). Besonders wirkungsvoll sind hierbei die immer wieder eingestreuten „Filmsequenzen“, die zusätzlich im Präsens erzählt werden und tatsächlich den Eindruck vermitteln, man würde sich ein Video auf dem Handy oder Rechner ansehen. Winkelmann schreibt anspruchsvoll und detailliert, ohne sich dabei zu verrennen. Dadurch bleibt der Roman zugänglich und lässt sich zügig lesen.

Fazit:

8Deathbook“ könnte man fast als eine Art Experiment sehen. Sich selbst als Hauptfigur einzusetzen war sicherlich eine gewagte Entscheidung Winkelmanns, denn manchmal wirkt das geschriebene schon etwas narzisstisch. Auch scheint die „Seit vorsichtig im Internet“-Keule mitunter etwas dick ausgefallen. Dem entgegen steht aber ein schnell greifender und bis zum Ende packender Spannungsbogen, ein „Mittendrin statt nur dabei“-Gefühl und sehr gelungene Nebenfiguren, die über diese Mängel hinwegsehen lassen. Auf jeden Fall mal etwas anderes.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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