american history xOT: American History X (USA 1998)

Regie: Tony Kaye

Darsteller: Edward Norton, Edward Furlong, Beverly D’Angelo, Avery Brooks

Freigabe: FSK16
Laufzeit: 114 Minuten

Inhaltszusammenfassung:

Derek Vinyard ist einer der Vorzeige-Nazis schlechthin. Nachdem sein Vater von farbigen Dealern während eines Feuerwehreinsatzes erschossen wurde, wird aus dem eigentlich normalen jungen Mann die Größe in der örtlichen rechten Szene. Sein jüngerer Bruder Danny eifert ihm nach. Eines Tages bekommt Derek mit, dass sein Auto aufgebrochen wird, ebenfalls von Schwarzen. Er greift ein und ermordet einen der Autodiebe auf brutale Art. Dafür geht er in den Knast – und es beginnt sich eine Wandlung zu vollziehen.

Kritik:

Es gibt wohl nur wenige Fälle, in denen das Debüt eines Regisseurs bereits als ein Meilenstein in dessen Karriere aufgezählt werden kann – und das dann auch gleich noch für seine Hauptdarsteller gilt. Im Falle von “American History X” dürfte beides der Fall sein. Tony Cayes Erstling dürfte wohl das mit Abstand bekannteste Werk in seiner gerade einmal 7 Titel umfassenden Filmografie sein, für Edward Norton dürfte man ihn wohl noch vor “Fight Club” als Durchbruch zählen.

Sehr interessant an diesem Film finde ich, dass er auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen erzählt wird, welche sich dann auch noch deutlich durch die Bildgestaltung voneinander absetzen. Vergangenes in Schwarz/weiß, aktuelles in farbigen Bildern. Das passt natürlich gut und sorgt zudem für eine sehr stimmige, dichte und unverwechselbare Atmosphäre, welche immer wieder irgendwo zwischen bedrückend und bedrohlich schwankt. Eine Gratwanderung, die in diesem Fall als absolut gelungen bezeichnet werden kann. Erzählt wird die Geschichte dabei eher langsam, ohne dabei jedoch langatmig zu werden. Man wird in die Gedankenwelt der Vinyard-Brüder hineingezogen, wird gezwungen sich mit ihrem Hintergrund auseinander zu setzen, schüttelt dabei oftmals ungläubig den Kopf und kann trotzdem in manchen Einstellungen eine ganz eigene und spezielle Form von Verständnis aufbringen – ohne dabei jedoch ihre Weltanschauung zu tolerieren. Dabei ist die Thematik an sich sehr weitreichen. “American History X” erzählt nicht nur einfach die Geschichte der Brüder, sondern thematisiert dabei viele andere Punkte, wie zum Beispiel die Rassenproblematik (nicht nur) in den USA, die Beeinflussbarkeit der Jugend und sozial Schwacher, er thematisiert auch in Ansätzen das Recht auf freie Rede. Cayes verzichtet dabei über die komplette Laufzeit zudem darauf, dem Zuschauer einen “Weg” vorzugeben, ihm aufzuzeigen, was richtig und was falsch ist. Man kann das nun als grenzwertig sehen, schließlich wird somit auch die Nazi-Vergangenheit nicht unbedingt kommentiert, aber ein mündiger und klardenkender Filmfreund sollte meines Erachtens nach durchaus in der Lage sein, die Gesamtaussage zu verstehen – insbesondere hinsichtlich des großartigen, zugleich aber absolut bösartigen, niederschmetternden Endes.

american history xDarstellerisch kann man nur sagen, dass jeder Beteiligte in “American History X” Glanzleistungen vollbringt. Das fängt natürlich bei Edward Norton an, der alleine in diesem Film schon zeigt, was für ein wandlungsfähiger Schauspieler er ist – und der sich mit seinem Derek Vinyard auch klar vom Milchbuben-Image distanzieren kann, welches ihm seine (nichtsdestotrotz tolle) Leistung in “Zwielicht” eingebracht hat. Zu jeder Zeit überzeugend, glaubwürdig gezeichnet bis zum Schluss. Das gilt auch für seinen Kollegen und Namensvetter Edward Furlong, dem jedoch der verdiente Karriereaufschwung anschließend versagt geblieben ist. Das schmälert seine Darstellung hier nicht im Geringsten, denn zeigt hier, was in ihm steckt und zu welchen Leistungen er in der Lage ist. Auch Nebenrollen sind wunderbar besetzt und dargestellt. An vorderster Front sollte hier wohl Avery Brooks als schwarzer Lehrer Mr. Sweeney genannt werden, aber auch Stacy Keach brilliert als Obernazi Cameron Alexander. Sehr überraschend war für mich auch die tolle Leistung von Beverly D’Angelo, deren Gesicht trotz Mitwirkung in über 70 Filmen doch oftmals mit den Klamaukfilmen rund um Chevy Chase verbunden wird. Aber auch hier: überhaupt nichts zu meckern.

Fazit:

10American History X” kann in seiner Gesamtheit nur als eines gesehen werden: ein ganz großer Film. Stilvolle und absolut gelungene Optik, eine harte, bedrückende Geschichte, die zwischendurch immer wieder ein bisschen Hoffnung aufkeimen lässt, um den Zuschauer dann am Ende mit einem Faustschlag wieder in den Sessel zu prügeln. Packend und hochspannend erzählt bleibt mit hier nur eines zu sagen: “AHX” darf ruhigen Gewissens als einer meiner absoluten Lieblingsfilme angesehen werden, den ich mir auch nach dem x-ten Durchlauf immer noch gerne ansehe, ohne dass seine Wirkung (die sich freilich nur bei der Erstsichtung vollends entfalten kann) sich dabei komplett abgenutzt hätte. Großartig.

© des Bild- und Tonmaterials: BMG/ UFA

Es handelt sich um die Wiederveröffentlichung eines alten Beitrags.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
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