rain dogsOT: Rain Dogs
Taschenbuch: 404 Seiten
Verlag: Suhrkamp
Übersetzung: Peter Torberg

Sean-Duffy-Reihe, Band 5

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Klappentext:

Unruhen bekämpfen, Herzschmerz und Fälle aufklären, die aber nicht vor Gericht gebracht werden dürfen, darin ist Sean Duffy als katholischer Bulle in Nordirland inzwischen Spezialist. Immerhin bekommt er es zum zweiten Mal in seiner Karriere mit einem locked room mystery zu tun, und welcher Bulle – in Nordirland oder sonstwo, katholisch oder nicht – kann das schon von sich behaupten?


Die Journalistin Lily Bigelow wird im Hof von Carrickfergus Castle, wo sie sich allem Anschein nach über Nacht hat einschließen lassen, tot aufgefunden. Selbstmord, glaubt man, aber ein paar Dinge geben Sean Duffy zu denken, und er weigert sich, es dabei zu belassen. Duffy findet heraus, dass Bigelow an einer verheerenden Enthüllung in Sachen Korruption und Amtsmissbrauch innerhalb der höchsten Regierungskreise Großbritanniens und darüber hinaus gearbeitet hat. Und so sieht er sich mit zwei schwerwiegenden Problemen konfrontiert: Wer hat Lily Bigelow umgebracht? Und was wollte er oder sie damit vertuschen?

© Suhrkamp Verlag

Kritik:

Bereits vor Kurzem habe ich eine Veröffentlichung Adrian McKintys besprochen. »Gun Street Girl« konnte mich mit seiner Mischung aus wahren Ereignissen und einer fiktiven Geschichte absolut überzeugen. Nun ist mit »Rain Dogs« der fünfte Teil der Sean-Duffy-Reihe in Deutschland erschienen. Natürlich musste ich da zuschlagen.

Schnell stellt sich heraus, dass die wesentlichen Punkte erhalten geblieben sind. McKinty wirft den Leser direkt ins Getümmel der Belfaster Straßen in den 80er Jahren. Zwar ist der Besuch Muhammad Alis, mit dem das Buch startet, komplett fiktiv, aber er lenkt die Atmosphäre in die richtige Richtung und zeichnet ein gelungenes Bild der damaligen Zeit. Das bleibt über den Rest des Buches so, »Rain Dogs« wirkt zu jeder Zeit authentisch und bodenständig. Es wird nichts beschönigt, die Stimmung ist weitestgehend dreckig und wenig heimelig. Das passt wie die Faust aufs Auge. Auch der Spannungsbogen geht von Beginn an in die Vollen. Zwar ist der erste Fall, mit dem Hauptfigur Sean Duffy konfrontiert wird, alles andere als groß und packend, aber es wird schnell klar, dass viel mehr dahinter stecken muss, als es zunächst den Anschein hat. Die Ereignisse ziehen ihre Kreise und mit jeder neuen Offenbarung wird dem Leser bewusster, was für eine düstere (und auf Fakten beruhende) Geschichte wirklich dahinter steckt. Großartig, zumal sich besagter Kreis am Ende auch sehr stimmig schließt.

Wenig Neues gibt es bei den Figuren zu entdecken. McKinty wartet in »Rain Dogs« neben Titelfigur Duffy mit weiteren alten Bekannten auf. Man trifft wieder auf seine Kollegen Lawson und McCrabban. Besonders bei Ersterem lässt sich eine deutliche Weiterentwicklung des Charakters feststellen. Hinsichtlich der zwei Jahre, die zwischen beiden Büchern liegen nur logisch und stimmig. Auch bei Duffy hat eine Entwicklung stattgefunden, die gut zu seiner zynischen Ader und der noir-mäßigen Betrachtung seines Lebens passt. Zudem ist der aktuelle Fall sehr persönlich, was einen noch tieferen Einblick in den Charakter ermöglicht. Dadurch wirkt er schön bodenständig und nachvollziehbar.

Auch am Stil hat sich nichts geändert. »Rain Dogs« wird ähnlich düster und rotzig präsentiert wie der Vorgänger. McKinty arbeitet viel mit äußerst knappen Sätzen. Teilweise sind es nur alleinstehende Nebensätze. Die Folge sind ein hohes Erzähltempo und eine Geschichte mit ordentlich Drive. Die Seiten flutschen dadurch gut, das Buch wird schnell zu einem Pageturner. Die Übersetzung von Peter Torberg trägt das in der deutschen Auflage gut weiter, liest sich flüssig und ist jederzeit überzeugend.

Fazit:

10Ich war nie ein Freund von reinen Krimis, doch die Bücher von Adrian McKinty wissen durch ihre Erzählweise und das sehr gelungene Mischen von Fakt und Fiktion zu gefallen. Spannend und atmosphärisch erzählt leben sie von einem ungewöhnlichen, aber überzeugenden Hauptcharakter. Seine vielen Ecken und Kanten machen Sean Duffy menschlich und bodenständig. Insgesamt also eine absolute Leseempfehlung, die beweist, dass McKinty die vielen Preise verdient hat, mit denen seine Werke ausgezeichnet wurden.

 

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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