gun street girlOriginaltitel: Gun Street Girl
Taschenbuch: 375 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag

Übersetzung: Peter Torberg

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Sean-Duffy-Reihe, Band 4

Klappentext:

Belfast, 1985. Waffenschmuggel an den Grenzen, Aufstände in den Städten, üble Popsongs im Radio. Und mittendrin Detective Inspector Sean Duffy, der sich als katholischer Bulle in der protestantischen Royal Ulster Constabulary durchschlagen muss.

Das wohlhabende Ehepaar Kelly wird brutal ermordet. Kurz darauf entdeckt man am Meeresufer die Leiche ihres Sohnes Michael. Als die Polizei auch noch auf einen Abschiedsbrief stößt, in dem Michael die Tat gesteht, wird die Akte schnell geschlossen. Aber irgendetwas scheint an der Sache faul zu sein, schon bald gibt es weitere Opfer. Duffy muss ins wenig geliebte englische Nachbarland reisen und in den elitären Kreisen von Oxford ermitteln. Stets an seiner Seite: die MI5-Agentin Kate – wertvolle Informantin und geheime Schwachstelle des katholischen Bullen. Und während sie ihm ein verlockendes Angebot macht, das sein ganzes Leben verändern könnte, gerät Duffy immer tiefer hinein in einen Fall, der ihm mächtige Gegner beschert. Zu mächtig vielleicht …

© Suhrkamp Verlag

Kritik:

Ich bin schon länger um die Sean Duffy-Romane von Adrian McKinty herumgeschlichen. Ich mag Irland, finde die Geschichte der IRA und alles, was dranhängt, unglaublich interessant. Es wäre also nur naheliegend gewesen, schon früher zuzugreifen. Wenn da nicht der SuB wäre … Nun habe ich es mit „Gun Street Girl“ doch endlich geschafft, in die Reihe einzusteigen.

McKinty  hat es von Beginn an geschafft, mich in die Welt des Polizisten Sean Duffy, seines Zeichens einziger katholischer Cop bei der RUC (Royal Ulster Constabulary, also der britischen Polizei Nordirlands). Schon alleine dieser Umstand sorgt für eine Menge Zündstoff, denn wie wir wissen, sind sich Protestanten und Katholiken im Norden der Insel immer noch nicht sonderlich grün. Dem Autoren gelingt es gut, die ständige Bedrohung, die zu jener Zeit in Belfast herrschte, einzufangen. Er zeichnet ein sehr düsteres, nicht schön gefärbtes Bild der Region und schafft dadurch ein hohes Maß an Authentizität. Das ist realistisch und wirkungsvoll. „Gun Street Girl“ lässt sich am ehesten als ein Hardboiled-Noir-Krimi bezeichnen. Es ist kein Thriller im klassischen Sinn, sondern legt den Fokus auf die Ermittlungen der Beamten. Glücklicherweise bleibt für den Leser bis zum Schluss unklar, wer der Täter ist bzw. welche Beweggründe hinter den Morden stecken. Das lässt eine Menge Raum für politische Verstrickungen und falsche Fährten. Alles in allem also der Stoff, aus dem ein guter Krimi sein sollte.

Duffy selbst als Figur hat es mir auch direkt angetan. Er ist keiner dieser guten Bullen, die sich strikt an die Vorschriften halten. Er ist ein halbwegs misanthropischer und zynischer Mistsack, der die Regeln gerne mal nach seinem eigenen Gusto beugt. Dabei kann auch schon mal die Faust zum Einsatz kommen. Ich würde ihn dennoch nicht als klassischen Antihelden bezeichnen, denn letzten Endes gelingt es Adrian McKinty in „Gun Street Girl“ immer wieder, Duffy als einen Polizisten aus Überzeugung darzustellen. Auch wenn die Wahl der Mittel mitunter zumindest fragwürdig ist. Ihm zur Seite wird ein zweiter Ermittler gestellt. Detectiv Sergeant McCrabban, genannt Crabby, ist ebenfalls ein ziemliches Unikum, auch wenn die Charakterisierung weitaus dünner ausfällt. Man möchte sagen, dass der Roman um Duffy herum geschrieben wurde, was aber auch gut so ist. Er ist der Hauptprotagonist und erweist sich durch den starken Fokus im Lauf der Geschichte als deutlich vielschichtiger, als es auf den ersten Seiten den Anschein hat.

Stilistisch hat mir Adrian McKinty sehr gut gefallen. Knapp und auf den Punkt geschrieben wird nicht lange gefackelt. Dadurch entsteht ein hohes Tempo, welches mit (für einen Krimi) recht viel Action garniert wird. So werden unsere Ermittler zwischenzeitig der Bereitschaftspolizei zur Niederschlagung von Aufständen zugewiesen (1985 wurde das Anglo-Irische Abkommen getroffen, welches diese Aufstände eigentlich eindämmen sollte, letztlich aber das genaue Gegenteil bewirkte), wodurch der Leser hautnah dabei ist, wenn zum Beispiel mit Panzerabwehrgeschossen auf Jeeps gefeuert wird. Das trägt ebenfalls zur Authentizität und zur Atmosphäre bei. Dazu beruhen viele Ereignisse des Buches auf wahren Begebenheiten, auch wenn sie in eine fiktive Geschichte eingearbeitet und mit fiktiven Figuren umgesetzt wurden. Besonders das hat mir sehr gut gefallen. Die Übersetzung von Peter Torberg transportiert die Atmosphäre und die Action sehr gut ins Deutsche. Sie liest sich flüssig und rund und weiß somit rundum zu gefallen.

Fazit:

9Ich bereue es etwas, nicht früher in die Sean-Duffy-Reihe eingestiegen zu sein. „Gun Street Girl“ ist ein toller Krimi in einem sehr interessanten und vor allem realitätsnahen Setting. Die Spannungskurve weiß zu gefallen und die Atmosphäre ist ebenfalls überzeugend. Dazu hat der Hardboiled-Roman einen bodenständigen, überzeugenden Hautcharakter, der trotz aller Ecken und Kanten immer noch eins ist: Ein Bulle aus Überzeugung. Kurzum, ich habe Nachholbedarf und werde mir die ersten drei Bände auf jeden Fall noch zulegen müssen.

Sebastian

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.
Sebastian

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