Pitch Perfect 2OT: Pitch Perfect 2 (USA 2015)

Regie: Elizabeth Banks

Darsteller: Anna Kendrick, Rebel Wilson, Brittany Snow, Elizabeth Banks, Katey Sagal, Hailee Steinfeld

Freigabe: FSK 6
Laufzeit: 110 Min.

Inhalt:
Das Finale der College-Meisterschaft haben die Barden Bellas gegen die Treblemakers mit ihrem genialen A-Cappella-Auftritt gewonnen. Und obwohl Beca sich anfangs dagegen wehrte, hat sie nun in der Band neue Freundinnen gefunden – und dazu mit Jess noch einen echt coolen Freund. Aber jetzt warten weitere Herausforderungen auf die Mädels. Der Collegeabschluss steht bevor und Beca, Fat Amy und die anderen Bellas machen sich Gedanken, wie es mit ihnen und ihrer Freundschaft weitergeht. Aber erstmal sorgt die Teilnahme an der A-Capella Weltmeisterschaft in Kopenhagen für Aufregung.

Kritik:
Es stand für mich außer Frage, dass ich mir auch Pitch Perfect 2 ansehen werde, nachdem mir schon der erste Teil recht gut gefallen hatte. Bei mir ist es oft so: ich freu mich auf einen Film, dann läuft er in den Kinos, dann tauchen die ersten schlechten Rezensionen auf, die sich mehren, und dann fang ich an, den Film vor mir herzuschieben. Weil ich nicht enttäuscht sein will (Mal ehrlich, wer von uns will das schon?). So ging es mir auch mit Pitch Perfect 2, denn der wurde ja mitunter doch recht kräftig auseinander genommen. An einem einsamen Abend, an dem sich Bastian vor die Konsole verzogen hatte, war mir dann doch nach leicht verdaulicher Kost, und so landete Pitch Perfect 2 doch endlich in meinem Rechner.

Pitch Perfect 2Sprechen wir erst einmal über die Geschichte. Man darf hier natürlich nichts Originelles oder Superinnovatives erwarten. Das ist Popcorn-Kino in Reinnatur, da braucht es keine Tiefgründigkeit und keine ausgefeilten Dialoge. Für mich zumindest nicht. So kommt es, dass Fat Amy beim Auftritt auf dem Geburtstag des Präsidenten ein unerhörtes Malheur passiert, was zur Folge hat, dass den Barden Bellas quasi die Lizenz zum Singen entzogen wird. Die einzige Möglichkeit, ihre Reputation wieder herzustellen, besteht darin, die Weltmeisterschaft zu gewinnen, was noch nie einer amerikanischen A-Capella Gruppe gelungen ist (und hier nehmen sich die Amerikaner mal ein wenig selbst aufs Korn, was ich zur Abwechslung mal überraschend und erfrischend fand). Erschwert wird diese Aufgabe durch die scheinbar perfekte deutsche Gruppe, die es zu schlagen gilt. Aber die Bellas wären nicht die Bellas, wenn sie sich dieser Herausforderung nicht stellen würden. Was mir an der Geschichte eigentlich gut gefallen hat, war das Aufzeigen des Konfliktes, in dem sich einige der Mädchen befinden. Zumindest ich kann sehr gut verstehen, wie es ist, wenn man an diesen Punkt kommt, an dem es Zeit wird, über den Tellerrand hinaus zu blicken und erwachsen zu werden. Da wäre Chloe, deren kleine Welt eigentlich die Bellas und das College sind und die sich auch erst einmal überhaupt nicht vorstellen kann, dass sich das ändert. Im Gegensatz dazu steht Beca, die sich fragt, was sie mit ihrer Zukunft anfangen soll, was ‚danach‘ kommt und ob dieses ‚danach‘ noch mit ihrem alten Leben vereinbar ist. Kein wahnsinnig ergreifender Zwist, aber immerhin ein Aufzeigen der Problematik in diesem Alter. Gefiel mir.

Pitch PErfect 2Was ich an dem Film mag. sind zwei Dinge: die (Über-)Zeichnung der Charaktere und den Humor. Was die Charaktere angeht, werden natürlich einige Klischees bedient, aber man hat niemals das Gefühl, dass dies in bösartiger Weise geschieht. Während Beca noch recht normal zu sein scheint, ist der Rest der Truppe doch ein einziger Haufen Chaos und Verderben: die kontrollsüchtige Chloe, die kleine Schlampe Stacie, die frauenliebende Cynthia Rose, die illegale Einwandererin Flo. Selbst Aubrey hatte wieder einen Gastauftritt, der mich schmunzelnd an die kotzende Katastrophe im ersten Teil erinnerte. Natürlich durften auch die herzallerliebsten Moderatoren nicht fehlen, auch wenn mich Elizabeth Banks in dieser Rolle immer etwas zu arg an Effi Trinket erinnert. Sie haben alle ihre Macken, und auch wenn sie hier völlig überzeichnet dargestellt werden, so haben sie doch eins mit dem richtigen Leben gemein: wir haben alle unsere Macken. Ich war ja ein wenig gespannt auf die deutsche Truppe, wie ich zugeben muss. Die Darstellung und die Meinung der Amerikaner über die Deutschen ist ja oft etwas…nun, sagen wir mal kontrovers. Und ja, tatsächlich, auch ich habe erstmal die Augen gerollt, als die Gruppe wie eine A-Capella Kopie von Rammstein dargestellt wurde. Aber im Ernst, wenn sich die Amerikaner schon selbst aufs Korn nehmen, dann dürfen sie das auch mit den Deutschen tun. Besonders Becas Kommentare, die eigentlich Beleidigungen sein sollten, aber stets in Bewunderung endeten, haben das ganze köstlich entschärft. Die heimlichen Stars des Films sind für mich aber Fat Amy und Bumper. Und wenn man noch so oft das Gesicht verzieht, wenn die beiden sich ablecken…die Lacher haben sie definitiv auf ihrer Seite (und diesmal auch ein paar „Awww!“). Der Humor, der sich übrigens durch den Film zieht, ist für meinen Geschmack genau richtig, nicht zu viel und nicht zu wenig. Es ist nicht so, dass ich Tränen gelacht habe, das passiert in der Regel selten. Aber ich hab dann doch vor mich hin gekichert und geschmunzelt, weil die eine oder andere Situation so gewollt überzogen war und dennoch genau auf den Punkt gegart, ohne allzu lächerlich zu werden. Daumen hoch an das Drehbuch und Elizabeth Banks, die in diesem Fall auch im Regiestuhl saß.

Pitch Perfect 2Den Darstellern wird in solchen Streifen natürlich keine Meisterleistung abverlangt. Aber das, was sie hier tun, tun sie mit Herz, und das merkt man dem Film auch an. Auch hier muss man unbedingt Rebel Wilson hervorheben, der man die Freude an der Darstellung förmlich am Gesicht ablesen kann. Aber auch alle anderen Darsteller wissen zu überzeugen, und ich hätte mich ehrlich gesagt für die Bloopers interessiert, die mit Sicherheit auch ein Heidenspaß gewesen wären (ich höre YouTube schon rufen). Aber…und das ist ein ziemlich großes Aber…am Ende bleibt von dem Film eben doch wenig hängen. Weil er oberflächlich ist. Weil er nicht zum Nachdenken anregt (was ich auch nicht erwartet habe). Weil er schneller und bunter und kurzweiliger ist als der erste Teil. Während mir aus dem ersten Teil noch heute die Duschszene, das Riff-Off und das Finale in Erinnerung geblieben sind, ganz zu schweigen von dem Cupsong, verblassen die Erinnerungen an diesen zweiten Teil doch schon langsam. Weil es keine wahnsinnig nennenswerten Ausschläge nach oben gab, wenn man einmal von der Finalszene absieht, und auch die rutschte recht schnell wieder ab. Deswegen gibt es leider ein paar Punkte Abzug.

Fazit:
7Ich bin nicht enttäuscht. Ich wurde gut unterhalten mit (vielleicht etwas weniger als) dem, was ich erwartet hatte: coole Songs, witzige Szenen und Dialoge, nicht nachdenken müssen, einfach vor sich hintreiben. Dafür gibt es einen Daumen hoch. Wenn ich die Wahl hätte, ob ich mir den gefühlt 73. Abklatsch von Scary Movie ansehe oder Pitch Perfect 2, würde ich immer wieder letzteren wählen. Sympathische Darsteller, eingängige Musik, platte aber nicht geschmacklose Gags. Super. Aber der Film ist eben auch recht oberflächlich und entwickelt keinerlei Tiefe. Popcorn-Kino, das sich leider nicht so richtig festsetzen will (wie zum Beispiel der erste Teil). Dennoch würde ich mir den Film auch in ein paar Monaten/Jahren problemlos noch einmal ansehen, weil er einen am Ende doch mit einem  guten Gefühl zurück lässt.

(c) des Bild- und Tonmaterials: Universal Pictures
Ela

Ela

Ich bin quasi das Gegengewicht zu Sebastian. Ich schreibe über all das, was an ihm vorbei geht. Jugendromane, Frauenromane, auch mal der ein oder andere Thriller, Komödien, Filme, in denen es um Freundschaft und Liebe geht, Comic- und Buchverfilmungen....sowas eben. In meiner Freizeit befasse ich mich vorwiegend mit dem Lesen und Schreiben, mit Filmen und Büchern, mit meiner Familie und Freunden und natürlich mit meinen Tieren. Ich koche und backe gern und bin vermutlich das schlimmste Assassin's Creed Fangirl, dem du je begegnet bist. Und ich liebe Musik! Immer und überall.
Ela